Praktikum und früher Start: So steigen die Lehrstellen-Chancen

- München - Jugendliche, die im kommenden Jahr einen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben wollen, sollten sich frühzeitig Gedanken um ihre Bewerbung machen. Mit der Serie "Richtig bewerben" gab unsere Zeitung angehenden Azubis wichtige Tipps mit auf den Weg. Zum Abschluss der Serie beantworteten Ludwig Stock von der Handwerkskammer sowie Hubert Schöffmann von der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern am Experten-Telefon noch offene Fragen zum Thema Bewerbung und Ausbildung. Folgend einige Antworten zum Nachlesen:

Mein Sohn geht in die 9. Klasse Realschule. Er möchte Veranstaltungstechniker lernen und hat bereits ein Praktikum gemacht. Er hat aber eher schlechte Noten. Lohnt sich dann eine Bewerbung überhaupt?

Hubert Schöffmann: Ihr Sohn hat mit dem Praktikum ja gezeigt, dass er Interesse an dem Beruf hat und praktisch auch geeignet ist. Er sollte sich auf jeden Fall bewerben. Vielleicht lohnt es sich auch, nochmals ein Praktikum zu machen.

Mein Sohn hat einen Lehrvertrag unterschrieben, hat sich aber noch bei einer anderen Firma beworben und wartet noch auf eine Antwort. Was soll er machen, wenn er auch hier eine Zusage erhält?

Schöffmann: Ihr Sohn kann vor Ausbildungsbeginn ohne Angaben von Gründen den Lehrvertrag kündigen, falls er von der zweiten Firma eine Zusage bekommt. Dies sollte aber so früh wie möglich geschehen, damit die Stelle rechtzeitig vor Beginn des Ausbildungsjahres noch besetzt werden kann.

Meine Tochter hat seit 1. September eine Lehrstelle. Mittlerweile hat sie gemerkt, dass es im Betrieb zwischenmenschlich nicht so klappt.

Ludwig Stock: Innerhalb der ersten vier Monate der Ausbildung, der Probezeit, kann sowohl der Lehrling als auch der Betrieb den Ausbildungsvertrag kündigen. Gründe müssen dabei nicht angegeben werden. Sie sollten die Kündigung aber schriftlich festhalten, damit es später keine Probleme gibt.

Mein Sohn will zu den Münchner Stadtwerken. Damit er mehr Chancen auf einen Ausbildungsplatz hat, möchte er sich für zwei unterschiedliche Stellen bewerben, weil die Stadtwerke mehrere Berufe ausgeschrieben hat. Was soll er machen?

Stock: Bei Doppelbewerbungen sollte immer mit offenen Karten gespielt werden. Fragen Sie die Personalverwaltung, wie sich Ihr Sohn verhalten soll. Allgemein sollte bei Doppelbewerbungen ein Zettel dabei sein, der auf die andere Bewerbung hinweist.

Ich mache zurzeit eine Ausbildung als Kinderpflegerin. Die Arbeit mit Tontechnik und Musik würde mir aber mehr Spaß machen.

Schöffmann: Der entsprechende Beruf für Sie wäre Mediengestalterin für Bild und Ton. Unter der Internetadresse www.berufenet.de können Sie sich über das Berufsbild informieren.

Ich habe meine Ausbildung in Österreich gemacht. Wird diese in Bayern anerkannt?

Schöffmann: Ja, denn es gibt ein bilaterales Abkommen zwischen Deutschland und Österreich.

Was ist eine Einstiegsqualifizierungsmaßnahme?

Stock: Die Einstiegsqualifizierung Jugendlicher, auch EQJ genannt, ist ein ausbildungsvorbereitendes Praktikum mit einer Dauer von sechs bis zwölf Monaten. Damit werden Jugendliche bis 25 Jahre unterstützt, die schwer vermittelbar sind. Die EQJ wird von der Regierung finanziell gefördert. Diese Art Praktikum wird später mit bis zu zwölf Monaten auf eine eventuelle Lehre angerechnet.

Wie finde ich heraus, welcher Beruf für mich geeignet ist?

Schöffmann: Zum einen können Sie sich in den Print-Medien und im Internet über die verschiedenen Berufe informieren. Zum anderen haben Sie die Möglichkeit, bei einem Schnuppertag, einem Praktikum oder einem Tag der offenen Tür praktische Einblicke zu erhalten. Dabei können Sie auch mit Azubis persönlich sprechen. Zudem kann man beim Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit einen Eignungstest machen. Fragen Sie sich schon einmal vorher, ob Sie gut mit Zahlen umgehen und Briefe schreiben können oder ob Sie eher handwerklich begabt sind.

Kann mein Abitur bei einer Ausbildung angerechnet werden?

Schöffmann: Das Abitur kann angerechnet werden, es muss aber nicht. Das sollten Sie vorher mit dem Unternehmen absprechen. Ein Schulabschluss mit Abitur kann mit bis zu zwölf, mit mittlerer Reife mit bis zu sechs Monaten angerechnet werden.

Die Telefongespräche protokollierten Sascha Rose und Markus Lenz.

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