Praxisgebühr: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Wer zum Arzt geht, muss meist erst mal zehn Euro zahlen. Seit 2004 gibt es die Praxisgebühr für gesetzlich Versicherte. Wann die Gebühr fällig wird und wie man unnötige Zahlungen vermeidet – die wichtigsten Fragen und Antworten.

Mit der Einführung der Praxisgebühr wollte die rot-grüne Bundesregierung die Zahl der Arztbesuche deutlich senken. Dies ist allerdings nicht gelungen. Im Gegenteil: Ging 2004 im Schnitt jeder Deutsche gut 16 Mal zum Arzt, waren es 2008 bereits rund 18 Besuche im Jahr. Damit liegt Deutschland im Vergleich der Industrieländer an der Spitze.

Wann ist die Praxisgebühr zu bezahlen?

Grundsätzlich fällt die Praxisgebühr bei jedem ersten Besuch eines Arztes oder Psychotherapeuten im Quartal an. Dies gilt auch für eine telefonische Beratung durch den Mediziner. Der Patient muss also nicht in der Praxis gewesen sein – dennoch ist die Gebühr zu bezahlen.

Was gilt bei Überweisungen zum Facharzt?

Wer sich von seinem Hausarzt eine Überweisung zum Facharzt ausstellen lässt, muss dort keine Praxisgebühr zahlen. Voraussetzung: Der Facharztbesuch liegt im gleichen Quartal wie die Visite beim Hausarzt. Hat man die Überweisung zu Hause vergessen, muss man genau genommen nochmal Praxisgebühr zahlen. „Die nachträgliche Vorlage einer Überweisung oder eines Befreiungsausweises begründet keinen Rückzahlungsanspruch des Versicherten“, heißt es in den Erläuterungen des Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Wolfgang Zöller, zur Praxisgebühr. In der Regel wird der Arzt aus Kulanz jedoch auf die Gebühr verzichten, wenn die Überweisung sofort nachgereicht wird.

Darf ein Facharzt zum Facharzt überweisen?

Ja, ein Orthopäde kann zum Beispiel den Patienten zur Weiterbehandlung zum Neurologen überweisen. Allerdings darf ein Orthopäde nicht zu einem anderen Orthopäden überweisen. Will der Versicherte also innerhalb eines Quartals eine Zweitmeinung einholen, muss er erneut zehn Euro zahlen. Außerdem gilt: Überweisungen von Haus- und Fachärzten zum Zahnarzt sind nicht zulässig. Das Gleiche gilt auch umgekehrt.

Was ist beim Zahnarzt zu beachten?

Zweimal im Jahr kann der gesetzlich Versicherte zur Vorsorgeuntersuchung gehen, ohne dass eine Praxisgebühr fällig wird. Dies gelte auch, wenn dabei Röntgenbilder gemacht oder Zahnstein entfernt werde, so der Patientenbeauftragte. Muss der Zahnarzt jedoch Karies behandeln, sind zehn Euro zu bezahlen. Die Gebühr wird auch fällig, wenn die Behandlung unmittelbar nach der Kontrolluntersuchung erfolgt.

Praxisgebühr auch bei einem Notfall?

Ja. Wer den Notdienst ruft oder sich in der Notaufnahme in der Klinik behandeln lässt, muss Praxisgebühr bezahlen – egal, ob er zuvor im Quartal bereits bei einem Haus- oder Facharzt war. Die Praxisgebühr bei Notfallbehandlungen fällt aber nur einmal pro Quartal an. Das heißt: Zeigt der Patient beim zweiten Besuch in der Notfallambulanz seine Quittung, ist er von den zehn Euro befreit. Wer keine Quittung dabeihat, muss nicht sofort zahlen, sondern kann den Nachweis später nachreichen.

Wird bei einer Praxis-Vertretung die Gebühr erneut fällig?

Nein. Lässt sich etwa der Hausarzt im Sommer durch einen Kollegen vertreten, muss der Versicherte im Quartal nicht doppelt Gebühr bezahlen. Um Probleme zu vermeiden, empfiehlt es sich, den Beleg aufzubewahren. Wann ist keine Gebühr zu bezahlen? Bei Vorsorgeuntersuchungen und Schutzimpfungen wird keine Praxisgebühr fällig.

Wer ist von der Praxisgebühr befreit?

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren müssen grundsätzlich keine Praxisgebühr zahlen. Wer mehr als zwei Prozent – bei chronisch Kranken liegt die Grenze bei einem Prozent – seines Einkommens für Praxisgebühr und Zuzahlungen für Medikamente aufwenden musste, kann sich für das restliche Jahr befreien lasen. Ein Beispiel: Ein alleinstehender Versicherter verdient brutto 20 000 Euro im Jahr. Seine Belastungsgrenze liegt also bei 400 Euro (zwei Prozent von 20 000 Euro). Hat er diese Grenze überschritten, kann er bei seiner Krankenkasse einen Befreiungsantrag stellen. Alle Ausgaben bis einschließlich 400 Euro muss er dennoch selbst bezahlen.

Steffen Habit

Rubriklistenbild: © dpa

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