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Verbraucherschützer kritisieren, in vielen Supermärkten ist der Grundpreis mangelhaft abgebildet.

Preis-Wirrwarr im Supermarkt

Viele Supermärkte und Discounter machen ihren Kunden den Preisvergleich schwer. Das bemängeln die Verbraucherzentralen. Bei Testeinkäufen war bei 60 Prozent der Produkte der sogenannte Grundpreis falsch oder fehlte ganz.

Die Auswahl ist riesig, wenn man vor dem Supermarktregal steht. Doch welches ist das günstigste Produkt? Fast immer unterscheiden sich die Packungen inzwischen in Größe und Gewicht. Das macht den Preisvergleich schwierig. Hier sollte eigentlich der sogenannte Grundpreis Abhilfe schaffen. Auf den Preisschildern muss stets auch angegeben sein, wie viel das Produkt pro Kilogramm, 100 Gramm oder Liter kostet. So wollte der Gesetzgeber für Transparenz sorgen.

Die Verbraucherzentralen haben nun bundesweit in vier Discounter- und sechs Einzelhandelsketten nachgeschaut. 60 Prozent aller getesteten Produkte fielen durch. Die Verbraucherschützer beschränkten sich bei ihren Kontrollen auf fünf Produktgruppen: Milcherzeugnisse, Kondensmilch, Puddingpulver, Konserven und Tütensuppen. Insgesamt untersuchten die Testkäufer mehr als 3200 Lebensmittel in 93 Geschäften.

Bei fast jedem fünften Produkt fehlt der Grundpreis ganz

In 19 Prozent der Fälle stellten die Verbraucherschützer fest, dass überhaupt kein Grundpreis vorhanden war. Besonders oft waren Puddingpulver und Tütensuppen betroffen. Wie schwierig der Preisvergleich so unter Umständen wird, verdeutlichen die Verbraucherzentralen in einem Beispiel: Bei Aldi fanden sie Tütensuppen der Marke „Gusto“ in den Geschmacksrichtungen Tomate, Spargel und Zwiebel. Eine Packung kostete 35 Cent und ergab 750 Milliliter Suppe.

Bei Aldi stand kein Grundpreis am Regal, rechnerisch beträgt er laut den Verbraucherzentralen 47 Cent pro Liter. Im gleichen Regal gab es von der gleichen Marke auch Buchstabensuppe für 45 Cent. Scheinbar ist die Buchstabensuppe also teurer. Schaut man genau hin, ergibt ein Beutel aber zwei Liter Suppe, das entspricht einem Grundpreis von 23 Cent pro Liter. Die Buchstabensuppe ist also tatsächlich günstiger als die anderen Tüten.

Fast immer ist der Grundpreis schlecht lesbar

Doch auch dort, wo der Grundpreis angegeben war, bemängeln die Verbraucherschützer, dass man es dem Kunden unnötig schwer macht. Bei 90 Prozent aller Produkte, bei denen der Grundpreis vorhanden war, kritisierten die Testkäufer die Lesbarkeit.

Als zu klein werteten die Verbraucherzentralen Grundpreisangaben, deren Schriftgröße weniger als halb so groß wie der Endpreis war. Im Gesetz bleiben die Formulierungen schwammig. Hier heißt es lediglich, dass der Grundpreis „leicht erkennbar und deutlich lesbar oder sonst gut wahrnehmbar zu machen“ ist. Außerdem muss er nah beim Endpreis stehen.

Nicht auf Berechnungen des Supermarkts verlassen

Auch wenn der Grundpreis vorhanden und lesbar ist, sollten sich die Kunden nicht blind darauf verlassen. Bei immerhin elf Prozent aller getesteten Produkte war der angegebene Grundpreis falsch. Besonders oft hatten sich die Händler laut den Verbraucherzentralen bei Obst- und Gemüsekonserven sowie Tütensuppen verrechnet.

„Das kann man nicht einfach in allen Fällen als ein Versehen abtun“, sagte Andrea Danitschek von der Verbraucherzentrale Bayern. Danitschek gibt aber auch dem Gesetzgeber eine Mitschuld. Die Rechtslage sei „teils verwirrend“. Die Vorgaben müssten daher gestrafft werden. „Ob Absicht oder Verwirrung, das Ergebnis bleibt das gleiche: Kunden können nur schwer die Preise vergleichen“, sagte die Verbraucherschützerin.

Unterschiedliche Bezugsgrößen verwirren zusätzlich

Oft sind auch die Bezugsgrößen des Grundpreises nicht identisch. Bei Packungen bis 250 Gramm oder Milliliter dürfen die Händler statt Kilogramm oder Liter die Bezugsgrößen 100 Gramm beziehungsweise 100 Milliliter nutzen. Das führt dazu, dass kleine und große Packungen schwer zu vergleichen sind.

Die Verbraucherzentralen führen auch hier ein Beispiel an: „Libby’s“ Ananas in Scheiben habe in der 835-Gramm-Dose 2,39 Euro gekostet. Da sich der Grundpreis auf das Abtropfgewicht beziehen muss, wurde er korrekt mit 4,78 Euro pro Kilogramm angegeben. Das gleiche Produkt in einer 235-Gramm-Dose kostet 1,05 Euro. Auch hier stand rechtlich korrekt der Grundpreis von 0,75 Euro pro 100 Gramm. Man muss also genau hinsehen und selbst ausrechnen, dass die Ananas in der kleineren Dose mit 7,50 Euro pro Kilogramm deutlich teurer waren.

Bei einigen Produkten wie Puddingpulver oder Tütensuppen kommt hinzu, dass oft fälschlicherweise nicht das Volumen des fertig zubereiteten Produktes in Litern, sondern das Gewicht in Kilogramm als Bezugsgröße für den Grundpreis verwendet wird. Insgesamt wurden beim Test 42 Prozent der Lebensmittel wegen einer falschen Bezugsgröße beanstandet.

Handel kritisiert Test-Methode der Verbraucherschützer

Der Einzelhandelsverband HDE kritisierte die Testmethode der Verbraucherzentralen. Große Produktgruppen wie Fleisch- und Wurstwaren, Obst, Getränke und Nudeln seien ausgeklammert worden, sagte Verbandsexperte Franz-Martin Rausch. „Die Untersuchung betrachtet bewusst solche Produktbereiche, für die die Grundpreisauszeichnung nicht ausdrücklich im Gesetz geregelt ist.“ Insgesamt funktioniere sie. Gemessen an der großen Zahl der grundpreispflichtigen Artikel sei die Fehlerquote gering. „Der Handel arbeitet daran, diese Quote weiter zu reduzieren“, sagte Rausch.

Von Philipp Vetter

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