Preisabsprachen bei führenden Versicherern

- Bonn - Mindestens sieben führenden deutschen Versicherern drohen wegen illegaler Preisabsprachen im Geschäft mit Industriekunden hohe Bußgelder. Das Bundeskartellamt sieht seinen Verdacht auf solche Absprachen nach längerer Prüfung als "erhärtet" an und verschickte in einem ersten Schritt bereits so genannten Beschuldigungsschreiben an sieben Versicherungsunternehmen, wie die Behörde in Bonn mitteilte. Weitere solcher Schreiben könnten folgen, sagte Sprecherin Anja Scheidgen.

<P>Bei den betroffenen Unternehmen handelt es sich laut Kartellamt um die Allianz Versicherung (München), die Axa Versicherung (Köln), die Aachener und Münchener Versicherung (Aachen), die Gothaer Allgemeine Versicherung (Köln), die Victoria Versicherung (Düsseldorf), die Gerling Allgemeine Versicherung (Köln) und den Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI - Hannover).</P><P>Die betroffenen Unternehmen haben nach dem Eingang der Beschuldigungsschreiben, in denen die Kartellvorwürfe der Wettbewerbshüter konkretisiert sind, eine Frist von mehreren Wochen für eine Stellungnahme. Nach Prüfung der Antworten entscheidet das Kartellamt dann im Einzelfall über mögliche Bußgeldbescheide.</P><P>Maximal kann dieses Bußgeld das Dreifache der durch die Absprachen erzielten Mehreinnahmen betragen. Verärgerte Kunden könnten aber auch auf Erstattung der zu viel gezahlten Beträge klagen, berichtete die "Financial Times Deutschland" (FTD). Die Summe übersteige 1 Milliarde Euro.</P><P>Bei Unternehmens- oder Industrieversicherungen hatten Versicherer in den vergangenen Jahren deutlich an der Preisschraube gedreht. Laut FTD sollen mindestens seit 1999 unter Führung der Allianz Absprachen für überhöhte Preise getroffen worden ein.</P><P>Die Allianz bestätigte, wegen einer möglichen Kartellstrafe bereits Rückstellungen getroffen zu haben. "Wir haben als Vorsichtsmaßnahme Rückstellungen gebildet, was aber kein Schuldeingeständnis bedeutet." Konkrete Zahlen wollte die Allianz nicht nennen. Es sei denkbar, dass möglicherweise unbewusst und in Randbereichen gegen Kartellbestimmungen verstoßen worden sei, sagte ein Sprecher der Allianz-Versicherungs-AG. Er widersprach aber dem Bericht, dass die Allianz der Drahtzieher der Absprachen gewesen sei.</P><P>Der Kölner Versicherer Gothaer wollte sich - wie andere Versicherungen auch - zu den Vorgängen nicht näher äußern. "Es handelt sich um ein schwebendes Verfahren und deshalb geben wir keinen Kommentar", sagte eine Sprecherin. Vom Axa-Konzern hieß es, die Vorgänge seien nicht "nicht neu".</P><P>Das Bundeskartellamt hatte in einer bundesweiten Razzia vor einem Jahr die Räume von Unternehmen der Branche an 13 Standorten wegen des Verdachts auf Preisabsprachen zu Prämienerhöhungen im industriellen Sach- und Haftpflichtgeschäft untersucht. Versicherungen privater Haushalte wie etwa Lebensversicherungen waren von dem Verdacht nicht betroffen.</P>

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