Preisabsprachen in USA: Infineon kommt glimpflich davon

- München - Aufgedeckte Preisabsprachen in den USA enden für Infineon glimpflich. Der Münchner Chipkonzern, der als kleiner Fisch in einem branchenweiten Ermittlungsverfahren gilt, muss moderate 160 Millionen US-Dollar berappen. Das laufende Geschäftsjahr bringt damit erstmals seit 2000 wieder Gewinne.

<P>Wegen eingestandener Preisabsprachen in den USA muss der Münchner Chiphersteller Infineon eine Strafe von 160 Millionen Dollar bezahlen. Auf diese Summe habe man sich soeben mit dem US-Justizministerium geeinigt, teilte das Unternehmen in München mit. Infineon bekenne sich schuldig, zwischen 1999 und 2002 Speicherchips zu überhöhten Preisen an US-Computerhersteller wie Dell, IBM und Apple verkauft zu haben. <BR><BR>In diese Zeit fiel die nun überstandene längste und tiefste Branchenkrise der Chipindustrie. Welche Umsätze von den illegalen Preisabsprachen betroffen sind, verschweigen die Münchner. Zusätzlich zur Strafe seien demnächst auch Ausgleichszahlungen an betroffene Kunden fällig, sagte ein Infineon-Sprecher. Mit einigen der sechs betroffenen Abnehmer habe man sich bereits geeinigt, sodass die Angelegenheit "in Kürze" vollständig vom Tisch sein soll. <BR><BR>Infineon hat sich als erster von mehreren wegen Preisabsprachen angeklagten Chipherstellern mit den US-Behörden geeinigt und damit Spekulationen über die Höhe der drohenden Strafe beendet. Diese lange schwelende Ungewissheit hatte zuletzt den Aktienkurs der Münchner gedrückt. Nötige Rückstellungen von 212 Millionen Euro hatten zudem das jüngste Quartalsergebnis verhagelt, zu 56 Millionen Euro Verlust geführt und operative Fortschritte überschattet. Die rechnerisch nach der Einigung mit den US-Behörden noch übrigen 80 Millionen Euro Rückstellungen reichen nach Einschätzung der Münchner auch aus, um die übervorteilten US-Kunden zu entschädigen und noch offene Zivilklagen zu befriedigen. <BR><BR>Die auferlegte Strafe von 160 Millionen Dollar will Infineon bis 2009 in Raten abstottern. Im laufenden Geschäftsjahr 2003/04, das Anfang Oktober endet, ist nun der Weg frei für den ersten Konzerngewinn nach rund 2,5 Milliarden Euro Verlust in den vergangenen dreieinhalb Jahren. Ohne die Strafzahlungen für das US-Kartellverfahren sei 2003/04 vor Steuern und Zinsen eine halbe Milliarde Euro Gewinn nach 300 Millionen Euro Verlust im Vorjahr machbar, hatte das Management, das seit September vom neuen Konzernchef Wolfgang Ziebart geleitet wird, zuletzt angekündigt. Die Umsätze sollen dabei von 6,2 auf gut sieben Milliarden Euro klettern.<BR></P><P><BR> </P>

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