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Preisaufsicht fällt weg: Strom wieder teurer

- München - Der Bund hat die Aufsicht der Länder über die Stromversorger abgeschafft, prompt steigen zum 1. Juni mancherorts die Strompreise - um bis zu 34 Prozent.

Vielen Verbrauchern stehen zum 1. Juli zum Teil erhebliche Strompreiserhöhungen bevor. 67 Stromanbieter kündigten inzwischen Erhöhungen ihrer Grundversorgungstarife an, wie das Verbraucherportal "Verivox" berichtet. Demnach steigen die Preise um durchschnittlich 8 Prozent, in einem Fall sogar um mehr als 34 Prozent. Bis zum Juli werde die Zahl der Preiserhöhungen vermutlich auf über 100 steigen.

Dem Bericht zufolge müssen Kunden der Stadtwerke Weißenfels in Sachsen-Anhalt den höchsten Preisaufschlag hinnehmen. Bezogen auf einen vierköpfigen Standardhaushalt steige der Tarif ab Juli um 34,2 Prozent.

Dahinter folgen zwei Oberbayrische Versorger: die Elektrizitätsgenossenschaft Ohlstadt (Kreis Garmisch-Partenkirchen) mit 23,0 Prozent Preiserhöhung und die Stadtwerke Bad Tölz mit 18,3 Prozent. Doch auch in vielen anderen Orten werden die Verbraucher laut Verivox empfindlich zur Kasse gebeten:

-Die Elektrizitätsvereinigung Böbing (Kreis Weilheim Schongau) erhöht um 9,60 Prozent.

-Das Elektrizitätswerk Bad Endorf Johann Stern KG (Landkreis Rosenheim) steigert die Preise um 6,2 Prozent.

-Das Elektrizitätswerk Diessen Stadler GmbH (Kreis Landsberg) will 4,10 Prozent mehr.

-Die Gemeindewerke Holzkirchen GmbH (Kreis Miesbach) fordern einen Aufschlag um 8,0 Prozent.

-Die Kraftwerke Haag GmbH (Kreis Mühldorf), erhöhen ihre Preise um 7,1 Prozent.

-Die Stadtwerke Wasserburg a. Inn (Kreis Rosenheim) kassieren künftig 8,6 Prozent mehr.

Als Grund für die kräftigen Erhöhungen gilt der Wegfall der Preisgenehmigungspflicht für Grundversorgungstarife zum 1. Juli. Ab diesem Datum müssten sich die Stromerzeuger ihre Erhöhungen nicht mehr vom Wirtschaftsministerium des jeweiligen Landes genehmigen lassen.

Verbraucherschützer, aber auch die betroffenen Länderministerien (zum Teil die Umwelt-, zum Teil wie in Bayern die Wirtschaftsressorts) hatten den Wegfall der Genehmigungspflicht bereits im Vorfeld hart kritisiert und eine Verlängerung der Genehmigungspflicht gefordert. Sie hatten vor alle in den letzten Jahren die Erhöhungsbegehren der örtlichen Versorger in vielen Fällen mutig zurechtgestutzt. Dennoch blieb es am Ende bei der Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes, das nun die Genehmigungspflicht bundesweit auslaufen lässt. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat eine härtere Gangart des Staates gefordert. Es reiche nicht aus, dass nach dem Wegfall der Preisaufsicht durch die Länder die Bundesnetzagentur lediglich die Durchleitungsgebühren überprüfe, sagte die Chefin der DIW-Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt, Claudia Kemfert.

Als "Geschmacklosigkeit" hat der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters, die geplanten Strompreis-Erhöhungen bezeichnet. Es handele sich dabei um einen "groben Missgriff" ohne sachliche Begründung, sagte Peters. Die Kosten der Konzerne seien nicht wesentlich gestiegen. Seinen Schätzungen zufolge sind die Strompreise in Deutschland schon jetzt um bis zu 25 Prozent zu teuer. Die zum 1. Juli angekündigten Preiserhöhungen seien daher nicht zu rechtfertigen, sagte Peters. Er empfahl den Stromkunden, aus Protest ihren Anbieter zu wechseln.

Allerdings sei der Spareffekt wegen der hohen Netzentgelte unter dem Strich gering. Außerdem könne der Verbraucher den Strompreiserhöhungen schriftlich widersprechen und die Erhöhung nicht zahlen. 

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