Preisdetektive unterwegs: Was aus der Mehrwertsteuer wurde

- München - Die Rabattschlachten sind geschlagen. Niemand will uns die Mehrwertsteuer mehr schenken. Die "19" ist aus den Schaufenstern verschwunden. Wir haben zum dritten Mal (erster Gang: Ende Dezember 2006, zweiter Gang: erster Einkaufstag 2007) unseren Einkaufs-Detektiv losgeschickt, um herauszufinden, wo sie sich versteckt hat.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, es hat sich nichts verändert: Bei Sport Schuster hängen jetzt noch überall Prozentzeichen von der Decke. An denen ist allerdings nicht die Mehrwertsteuer, sondern ein anderes großes Übel schuld: der Klimawandel. Ohne Schnee werden die Winterartikel zum Ladenhüter.

Anders bei Saturn: Wer hier im Januar durch die Reihen schlenderte, traut im Februar seinen Augen nicht mehr. Die geschenkten 19 Prozent wurden vom Flachbild-Fernseher bis zur CD wieder draufgeschlagen. Wer 2006 einkaufte, hatte keinen Nachteil gegenüber 2007. Nur Robbie-Williams-Fans kamen 2006 besser weg als jetzt. Im Februar kostet die CD ganze zwei Euro mehr. Der Fiskus streicht davon 2,23 Euro ein, aber auch der Hersteller hat mehr in der Tasche als 2006: der Netto-Preis ist um 1,40 Euro gestiegen.

Trotzdem hat das Statistische Bundesamt recht, wenn es mitteilt, dass sich der Preisauftrieb in Grenzen hält. Die jährliche Teuerungsrate lag im Februar wie bereits im Januar bei 1,6 Prozent. Nach der Definition der Europäischen Zentralbank herrscht somit Preisstabilität. Viele Konzerne, die Mitte 2006 schon ihre Preise erhöht hatten, nutzten die Mehrwertsteuererhöhung als Werbekampagne.

Wer sich Anfang des Jahres beim Lauf um die Prozente zurückgehalten hat, muss sich aber nicht grämen. "Nur weil jemand billig draufschreibt, muss es noch lang nicht billig sein", erklärt Markus Saller von der bayerischen Verbraucherzentrale. Dem Kunden bleibt nichts anderes übrig, als zu vergleichen. Erst dann ist klar, welcher Anbieter der günstigste ist.

Bei manchen Produkten hat man aber keine Wahl, wie etwa bei Medikamenten. Ganze acht Millionen Euro mehr gaben die bayerischen Krankenkassen im Januar wegen der Mehrwertsteuererhöhung für Medikamente aus. Die jetzigen 19 Prozent sind auch der Grund, warum die ältere Dame, die vor unserem Preis-Spion in der Schlange steht, zur Großpackung greift.

Bei zwei kleinen Packungen würde ja auch zweimal der Fiskus zuschlagen. Warum die Halstabletten, die wir sowohl im Dezember als auch im Januar für 6,73 Euro bekommen haben, jetzt 7,25 Euro kosten, das kann sich die nette Apothekerin auch nicht erklären. Der Listenpreis war schon Anfang des Jahres auf 6,90 Euro gestiegen. Wegen der Mehrwertsteuer. Im Januar zahlten wir weniger, als es die Mehrwertsteuererhöhung erlaubte, im Februar dafür aber umso mehr?

Bei so viel Verwirrung ist eine Stärkung notwendig. Zwei Weißwürste bitte. 4,50 Euro will die Bedienung. 20 Cent mehr als im Januar. Und warum? "Wegen der Mehrwertsteuer." Und warum erst jetzt? "Damit der Übergang nicht so krass ist." Bei Augustiner ging es mit den Erhöhungen erst Anfang Februar los. Vielleicht hat der deutsche Einzelhandel ja recht. Der erwartet den bisher ausgebliebenen Preisschub im weiteren Verlauf des Jahres. Wir hatten es schon befürchtet: Die Sache mit der Mehrwertsteuer ist eine unendliche Geschichte und die Suche nach der verflixten "19" wird wohl nie ein Ende nehmen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Opec vor möglicher Verlängerung des Förderlimits
Der Ölpreis soll steigen - das ist die Absicht der Opec und neuer Verbündeter wie Russland. Bisher reicht die Drosselung der Produktion nur zu einer Stabilisierung. Hält …
Opec vor möglicher Verlängerung des Förderlimits
Dax berappelt sich in schwankendem Feiertagshandel
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax zeigt sich am Vatertag launisch. Auf leichte Gewinne zum Auftakt des Handels nach optimistischen Signalen der US-Notenbank Fed folgte ein …
Dax berappelt sich in schwankendem Feiertagshandel
Hamburger Hafen fällt beim Containerumschlag weiter zurück
Der Hamburger Hafen verliert beim Containerumschlag gegenüber der Konkurrenz an Boden. Für das Gesamtjahr ist nicht mehr als Stagnation zu erwarten.
Hamburger Hafen fällt beim Containerumschlag weiter zurück
Fiat Chrysler droht eigenes "Dieselgate"
Déjà-vu? Nach VW hat mit Fiat Chrysler der zweite internationale Autoriese eine Klage der US-Justiz wegen vermeintlichen Abgas-Betrugs am Hals. Auch auf Daimler haben …
Fiat Chrysler droht eigenes "Dieselgate"

Kommentare