Preise gehen zurück ­- doch wie lange?

München - Sinkende Ölpreise beflügeln die Aktienmärkte. Doch auch andere Rohstoffe haben in wenigen Tagen deutlich nachgegeben. Platzt hier die nächste Blase?

Aktienkurse steigen, Rohstoffpreise fallen. Wirft man nur einen Blick auf den wichtigen Rohstoffindex CRB, so gewinnt man den Eindruck, hier habe sich ein Trend gebrochen. Vom absoluten Spitzenwert 473,25 Anfang Juli hat sich der weltweit älteste Rohstoffindex mittlerweile auf Werte um die 400 zurückgezogen und ist nach einem kurzen Anstieg auf 420 Punkte Ende letzter Woche nun sogar unter 400 Punkte gefallen.

Das ist, wenn man die Zusammensetzung des CRB kennt, kaum verwunderlich. Denn die Energie-Rohstoffe, deren Preise deutlich zurückgehen, sind in dem Index mit einem Drittel gewichtet. Und der wichtigste Energiepreis - der für Öl - hat gleichzeitig den Rückwärtsgang eingelegt. Doch auch viele andere Rohstoffe haben sich von bisherigen Spitzenpreisen fürs Erste verabschiedet. Zum Beispiel Gold, in der Spitze Ende März deutlich über 1000 Dollar pro Feinunze gehandelt, liegt wieder spürbar unter 900 Dollar.

Platzt nun - wie es bereits in Internet-Foren kursiert - eine Rohstoffblase? Der Ausdruck trifft es wohl kaum. Denn es handelt sich eher um die Korrektur einer Übertreibung.

Das hat vor allem damit zu tun, wie die meisten Rohstoffe an der Börse gehandelt werden: In Futures. Das sind Kontrakte auf die Zukunft. Die Händler an den Rohstoffbörsen wetten heute auf die Preise, von denen sie glauben, dass sie in zwei, drei oder vier Monaten erzielbar sind. Daher müssen sie versuchen, ihrer Zeit voraus zu sein - und manchmal die Richtung abrupt ändern.

Denn wieder einmal wurden die Future-Händler auf dem falschen Fuß erwischt: Sie rechneten in den letzten Monaten mit einer im weltweiten Durchschnitt guten Konjunktur - also steigenden Preisen. Nun trübte sich das Klima vor allem in den florierenden Schwellenländern ein. Das bedeutet langsamer steigende Preise bei den Rohstoffen - und fallende Kurse bei den Futures, die von zu hohen Preisen ausgingen. Wie ein Autofahrer, der mit Vollgas auf eine Ampel zurast, die plötzlich auf Rot springt, müssen Händler nun schlagartig reagieren. Alle mussten gleichzeitig scharf bremsen. Sie werden aber weiter im Vorwärtsgang unterwegs sein. Langfristig weisen, davon gehen nahezu alle Experten aus, die Preistrends bei den Rohstoffen nach oben. Denn selbst, wenn die Schwellenländer - wie nun angenommen wird - etwas langsamer wachsen, nimmt ihr Rohstoffhunger weiter zu.

Diese Entwicklung lässt sich besonders bei einem der Rohstoffe ablesen, die nicht über die Börse gehandelt werden und deren Preise damit weniger sprunghaft reagieren. Kali ist der wichtigste Rohstoff für Düngemittel. Der Preis ist - getrieben von der enorm wachsenden globalen Nachfrage nach Lebensmitteln - in die Höhe geklettert: Schon vor einem Jahr waren die Preise von 200 auf 300 Dollar gestiegen, derzeit liegen sie bereits dreimal so hoch. Die "Finanzwoche" berichtet, dass der deutsche Konzern K+S - er hat einen Weltmarktanteil von 13 Prozent - noch im vierten Quartal 2008 einen Preis von 1000 Dollar durchsetzen will.

Der Kalipreis ist auch ein besonders deutlicher Indikator: Denn die Nachfrage nach Dünger steigt mit wachsendem Wohlstand überproportional, weil die Menschen nicht nur mehr Nahrungsmittel kaufen, sondern vor allem mehr Fleisch, für das ein Vielfaches an Futtermitteln angebaut werden muss - was die Düngernachfrage anheizt. Nachhaltige Entspannung bei den Rohstoffen ist also nicht in Sicht - langfristig betrachtet handelt es sich gerade wohl nur um eine Atempause.

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