Die Preise schnellen nach oben

München - Die Inflation ist zurück: Im März trieben steigende Kosten für Benzin und Nahrungsmittel die Teuerungsrate in Deutschland auf über drei Prozent. Ein Ende der Preiswelle scheint vorerst nicht in Sicht.

­ Noch stärker als die Verbraucherpreise stiegen im März die als Indikator für die künftige Entwicklung geltenden Großhandelspreise. Sie erhöhten sich um 7,1 Prozent. Es war der höchste Zuwachs seit 26 Jahren. Auch langfristig sind die Aussichten wohl eher düster: Der Anstieg speist sich aus vielen Quellen ­ und kaum eine davon ist von Deutschland aus nachhaltig zu beeinflussen.

Am gravierendsten macht sich die deutliche Verteuerung von Energie bemerkbar. Die Kosten für Kraftstoffe stiegen binnen Jahresfrist um 12,3 Prozent, die für leichtes Heizöl um 40 Prozent. Die Preisexplosion hat zwei Hauptursachen: den steigenden Energiehunger der Wachstumsländer wie China oder Indien und die Spekulation an den Rohstoffmärkten. Parallel zum Ölpreis ­ nur mit etwas zeitlicher Verzögerung ­ steigt der daran gekoppelte Gaspreis.

Abhilfe ist nicht in Sicht. "Verbraucher müssen sich dauerhaft auf höhere Energiepreise einstellen", prognostiziert Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. "Man sollte nicht damit rechnen, dass das irgendwann nochmal deutlich zurückgeht." Im Gegenteil: manche Experten rechnen mit weiteren Preisschocks in den nächsten Jahren.

Zweiter Preistreiber sind die Lebensmittel, die sich in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 8 Prozent verteuerten. Auch hier spielt der Weltmarkt eine wichtige Rolle. Denn in den Boomländern Asiens wächst der Hunger auf Fleisch, Getreide und Milchprodukte und treibt global die Preise. Die Preisentwicklung bei Nahrungsmitteln, die bisher deutlich unter der allgemeinen Inflation lag, wird sich wohl dem allgemeinen Trend anpassen.

Und eine weitere Zeitbombe tickt: Bisher werden die Preissteigerungen für Mineralöl und Lebensmittel auf dem Weltmarkt durch den starken Euro gedämpft an Europas Verbraucher weitergegeben. Sollte sich der Höhenflug der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar aber abschwächen, wären weitere Preissteigerungen programmiert. "Wäre der Euro noch wie vor zwei Jahren rund 1,20 Dollar wert, würde der Benzinpreis heute nicht bei 1,43 Euro je Liter liegen, sondern zwischen 1,70 und 1,75 Euro", beschreibt Verbraucherschützer Krawinkel das Problem.

Längst haben die Konjunkturexperten ihre Prognosen für die Entwicklung der Inflationsrate nach oben korrigiert. Die meisten rechnen für 2008 mit durchschnittlich 2,6 Prozent. Das klingt noch vergleichsweise bescheiden. Doch ist die Schätzung mit Unsicherheiten behaftet, wie Roland Döhrn, Konjunkturexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung betont. "In Zeiten, in denen auf Weltmärkten eine große Wachstumsdynamik zu beobachten ist, besteht die Gefahr, dass man die Inflation systematisch etwas unterschätzt", meint er.

Schon machen Forderungen die Runde, die Preissteigerungen durch höhere Tarifabschlüsse auszugleichen. Doch ist dies in den Augen von Döhrn nicht unproblematisch. "Wenn man Lohnforderungen stellt, die sich an den Verbraucherpreisen orientieren, versucht man zum Teil, Geld zu verteilen, das schon längst ins Ausland abgeflossen ist", sagt er unter Verweis auf den Anteil der Mineralölpreise an der Teuerung.

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