Der Preiskampf um die Mehrwertsteuer ist eröffnet

- Frankfurt - Der Preiskampf ist eröffnet: Wegen der Mehrwertsteuererhöhung fürchten sich viele Verbraucher vor steigenden Preisen. Zu Recht, denn der Handel hat schon Monate vor der Steueranhebung eifrig umetikettiert. Nun nutzen die Händler die Angst der Konsumenten und locken mit Rabatten.

Gegen den Preisschock im Einkaufswagen setzen Händler auf Preisgarantien, Nachlässe und einen geschenkten Mehrwertsteuersatz. Denn Discounter, Drogerieketten und Autohäuser fürchten, dass ihnen die Kunden wegbleiben, wenn zum 1. Januar die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent steigt. "Die Unternehmen haben mehrere Möglichkeiten", sagt Thomas Golly, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Sempora. "Sie können Preiserhöhungen vorziehen, sie können plakativ konstante Preise herausstellen und sie können nur bestimmte Produkte verteuern, die der Käufer selten kauft."

Bei Gardinenreiniger und teuren Parfums könne sich der Kunde nicht mehr an den alten Preis erinnern -bei Toilettenpapier dagegen schon. Bislang haben vor allem Drogeriemärkte die anstehende Steuererhöhung zu einem guten Teil vorweggenommen. Der Blick auf den Preismonitor des Statistischen Bundesamtes belegt dies. Die Fachleute verfolgen seit Juni die Preisaufschläge für 42 Produkte und Dienstleistungen. Danach sind im Sommer vor allem Drogerieartikel teurer geworden. Duschgel verteuerte sich gegenüber Juni um 0,5 Prozent, Zahnpasta um 1,3 Prozent und Geschirrspülmittel um 0,9 Prozent. Nur Toilettenpapier blieb unverändert günstig.

Das Statistische Bundesamt warnt aber vor zu viel Misstrauen. Nicht alle Preiserhöhungen seien der anstehenden Steuererhöhung anzulasten. So haben sich Heizöl und Benzin gegenüber Juni um 2,7 Prozent verteuert. "Das liegt allein an den teuren Rohstoffen", sagt Statistiker Timm Behrmann. Für die meisten Lebensmittel gilt der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent, der unverändert bleibt. Dennoch haben Discounter wie Aldi und Norma reagiert. Aldi hat eine Preisgarantie für mehr als 200 Artikel abgegeben, die von der Steuererhöhung betroffen sein werden. Dazu gehören zum Beispiel Apfelschorle, Eierlikör und Feinstrumpfhosen, die auch nach dem 31. Dezember genausoviel wie heute kosten sollen.

Die Autoindustrie geht einen anderen Weg: Hersteller wie Opel, Peugeot und Ford schenken den Käufern derzeit die Mehrwertsteuer. Wer hartnäckig verhandelt, kann aber in der Regel auch sonst Rabatte in dieser Größenordnung herausholfen.

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