Preiskampf zwingt O2 auf Sparkurs

Stagnation am Mobilfunkmarkt: - Nach einer ungezügelten Boomphase machen O2 Deutschland der harte Wettbewerb und staatliche Eingriffe zu schaffen. Der kleinste Mobilfunkanbieter hierzulande muss abspecken und schließt deswegen den Abbau von bis zu 1000 Jobs nicht aus. Der könnte gerade die Zentrale in München treffen.

München - Jahrelang wuchs die deutsche Tochter von O2 in den Himmel. Das Unternehmen, das Ende der 90er-Jahre noch als Viag Interkom an den Markt ging, erreichte zwar nie die Kundenzahlen der früher gestarteten Konkurrenten T-Mobile, Vodafone und E-Plus. Mit Produkten wie der Handy-Festnetz-Kombination "Genion" oder der Vertriebskooperation mit der Kaffeerösterei Tchibo konnte der Branchenzwerg aber zumindest aufschließen und sich als imagestarker Nischenanbieter behaupten.

Ende 2006 hatte O2 Deutschland elf Millionen Kunden gewonnen, im Sommer des selben Jahres zog das Unternehmen ins "Uptwon", das höchste Haus Münchens (146 Meter). Doch dort wird nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" die Furcht um den Arbeitsplatz umgehen: Bis zu 1000 der bundesweit 4900 Stellen stünden auf dem Spiel, berichtete die Zeitung.

Grund dafür sei der Preisverfall auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Denn einerseits drücken Bundesnetzagentur und EU auf Terminierungsentgelte und Roaming-Gebühren (siehe Kasten). Andererseits besitzt in Deutschland bereits fast jeder Bürger ein Handy. Neue Kunden lassen sich daher meist nur noch mit Billigtarifen locken. Darunter leidet O2 dem Bericht zufolge besonders, weil die Kundengewinnungskosten die höchsten in der Branche sind, während zugleich die Margen am unteren Ende liegen. Außerdem rächten sich der geringe Firmenkundenanteil, eine verfehlte Marketingstrategie und die wacklige Netz-Infrastruktur.

Das Unternehmen räumt Probleme ein. "Wir sparen Kosten und wollen das weiter tun", sagte ein Sprecher auf Nachfrage unserer Zeitung. Künftig wolle O2 Deutschland im europäischen Vergleich hinsichtlich der Kostenstruktur "weit vorne sein". Zur Zahl der von Spar-Maßnahmen betroffenen Beschäftigten äußerte sich der Sprecher nicht. Die Größenordnung von 1000 Arbeitsplätzen, die auf der Kippe stehen, sei "reine Spekulation". Eventuell werde sich die Unternehmensleitung bei der Bekanntgabe der Geschäftszahlen am Mittwoch zu Details äußern.

Ohnehin ist nicht sicher, ob ein Jobabbau in dieser Dimension möglich ist. Denn nach Angaben der Gewerkschaft IG BCE in München enthält der O2-Haustarif eine Klausel, die betriebsbedingte Kündigungen in größerem Umfang ausschließt. Allerdings läuft der Tarifvertrag Ende Juni aus. Die Verhandlungen für das neue Regelwerk sollen in den kommenden Wochen starten. Dann könnte der Passus gestrichen werden.

O2 hatte schon im März mitgeteilt, 250 Stellen in der Zentrale zu streichen. Dieser Abbau ist zum Großteil vollzogen. Im Gegenzug sind nach Firmen-Angaben aber auch ähnlich viele Mitarbeiter wieder eingestellt worden. Ob das bei den anstehenden Umstrukturierungen ebenfalls der Fall sein wird, scheint fraglich. In den letzten Monaten haben alle Mobilfunkanbieter ihre Belegschaft teils deutlich verkleinert.

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