Preiskapriolen an der Tankstelle

München - Die Benzinpreise sind kaum mehr zu kalkulieren. Große Preissprünge in kürzester Zeit machen die Wahl des richtigen Tank-Zeitpunkts zum Glücksspiel.

Pech gehabt: Da erblickt man auf der Gegenfahrbahn eine günstige Tankstelle, wendet und sieht anschließend an der Zapfsäule, wie der Preis in wenigen Sekunden um zwei Cent gestiegen ist. Das Auf und Ab der Preise an den Tankstellen hat ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht. "Das sind Entwicklungen, die wir früher nie hatten", bestätigt Heino Elfert vom Hamburger Energie-Informationsdienst. "Das ist alles deutlich mehr als normal."

Ein Zweikampf heizt den Wettbewerb schon eine ganze Weile an und sorgt mitunter für zügiger fallende Preise: Aral und Shell, so munkeln vor allem die Betreiber freier Tankstellen, kämpfen verbissen um Marktanteile und die Marktführerschaft in Deutschland. Da Marktanteile derzeit über einen günstigen Preis zu erzielen sind, ist die Neigung größer, auch einmal schneller die Preise abzusenken. Die kleineren und freien Tankstellen müssen den Großen notgedrungen folgen. Deren Betreiber klagen schon einmal über Preise, die unter dem Einkaufspreis der Tankstellenbetreiber liegen.

Allerdings ist der Kampf um den Spitzenplatz nicht neu, und kann allein die großen Preissprünge der letzten Tage nicht erklären. So haben die Benzin- und Dieselpreise an Münchner Tankstellen diesen Dienstag zuerst um elf Cent nachgegeben, um dann über Nacht um neun Cent zu steigen. Dafür nennt Elfert globale Ursachen. "Es sind ganz wilde Sprünge auf dem Weltmarkt für Öl." Über Nacht sei der Preis gerade erst von unter hundert Dollar auf fast 110 Dollar pro Barrel gestiegen.

Dieser Entwicklung folgen dann, so Elfert, auch die Großhandelspreise für einzelne Produkte, wie Benzin oder leichtes Heizöl, in Rotterdam. Diese Preiswellen schwappen dann auf die Ölgesellschaften und anschließend die Tankstellenbetreiber. Früher waren diese Bewegungen überschaubar und auch kalkulierbar. Da setzten die Gesellschaften ihre Preise in ein oder zwei Wellen in der Woche um bis zu 5 Cent hoch, und anschließend bröckelten sie im Konkurrenzkampf wieder ab, so Elfert.

Anpassungen sind heute technisch leicht zu bewerkstelligen. Leiter anlehnen, hochklettern und Ziffern austauschen war früher. Ein Knopfdruck in der Zentrale, und die computergesteuerte Anzeige an der Tankstelle folgt. Deren Personal hat mit dem Vorgang nur indirekt zu tun. Nur wenn es niedrigere Preise in der Umgebung zurückmeldet, wird in der Regel schnell gehandelt.

So funktioniert auch nach wie vor der Wettbewerb - in Ballungsräumen mit vielen Tankstellen besser als auf dem flachen Land. Wenn an einer großen Einfallstraße mehrere Tankstellen liegen, passen sich die Preise recht schnell aneinander an. Umgekehrt schwanken mittlerweile innerhalb einer Stadt die Preise selbst bei Tankstellen einer Marke stark. Elferts Tipp: Augen offen halten, und wenn es gerade günstig ist nachfüllen - auchwenn der Tank noch halbvoll ist.

Wiedergeburt der Mauerblümchen: Ansturm auf Drei-Liter-Autos

Sie galten als bahnbrechende Innovationen in der Autobranche und sind dennoch wieder in der Versenkung verschwunden. Die Drei-Liter-Autos. Vergleichsweise moderate Kraftstoffpreise der Vergangenheit haben die Spar-Pioniere ausgebremst. Nun sind sie als Neuwagen nicht mehr zu haben, erzielen aber am Gebrauchtwagen-Markt echte Traumpreise. Diese reichen bei sehr gepflegten Fahrzeugen mit geringer Laufleistung nahe an die früheren Listenpreise heran. Technisch sind der Drei-Liter-Lupo von VW und der Spar-A2 von Audi unverkennbar Brüder. Ein turbogeladener 1,2 Liter Dieselmotor mit 61 PS und geringem Durst bildet das Herzstück, ein automatisiertes Getriebe sorgt für möglichst optimale Kraftübertragung.

Der Rest ist konstruktive Eigenleistung der beiden Konzernmarken, die auf optimalen Leichtbau setzten. Während Volkswagen mit dem Lupo einen Kleinstwagen mit Leichtbauteilen und Leichtlaufreifen auf möglichst geringen Durst trimmte, war Audi noch ein Stück ehrgeiziger: Das Platzangebot eines VW-Golf sollte unter die leichte und windschlüpfrige Haut gebracht werden - was gelang.Um Gewicht zu sparen, wurde bei der Karosserie voll auf Aluminium gesetzt.

Das war teuer. So kostete der Audi auch mit einem Neupreis von zuletzt 19 000 Euro auch spürbar mehr als der VW mit rund 15 000 Euro. Beide Hersteller sagten deutlich, dass sie auch bei diesen Preisen noch draufzahlten. Doch beide fanden zu wenige Kunden, die für Steuerfreiheit und geringen Durst die höheren Anschaffungskosten in Kauf nehmen wollten. So verschwanden die Autos nach wenigen Jahren vom Markt.

Das hat sich nun geändert. Wurde ein fünfjähriger Drei-Liter-Lupo noch im letzten Jahr auf einem Gebrauchtwagenwert von 6600 Euro geschätzt, werden heute für vergleichbare Fahrzeuge mit Laufleistungen im oberen fünfstelligen Bereich Preise ab knapp 8000 Euro bis hin an die 10 000 Euro-Grenze verlangt - und am Ende auch bezahlt, wie Händler bestätigen. Die 10 000-Euro-Grenze haben viele gebrauchte Drei-Liter Audis mit Laufleistungen unter 100 000 Kilometern bereits deutlich hinter sich gelassen. Preise nahe bei 12 000 Euro sind für gut erhaltene Fahrzeuge keine Seltenheit.

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