Preisoffensive oder Kosmetik? Eon verschreibt sich dem Wettbewerb

- Der Wettbewerb auf dem verkrusteten deutschen Energiemarkt kommt in Schwung. Ausgerechnet der als Preistreiber kritisierte Eon-Konzern will ab sofort als erster Versorger bundesweit Haushalte mit Gas beliefern und dabei die Tarife der regionalen Stadtwerke merklich unterbieten. Auch Strom will das Unternehmen günstiger anbieten als andere. Andere Anbieter wollen nachziehen.

"E ­ wie Einfach" hat Eon seine neue Tochter-Gesellschaft getauft, die in Zukunft Haushalte und kleinere Unternehmen zwischen Garmisch und Flensburg mit preiswerter Energie versorgen will. "Wir sind davon überzeugt, dass wir für all diejenigen Strom- und Gasverbraucher der richtige Anbieter sind, für die ein Lieferantenwechsel bis heute zu unklar, zu unattraktiv oder zu unsicher gewesen ist", sagte Geschäftsführerin Marie-Luise Wolf bei der Vorstellung der Firma in Köln.

Ihr Unternehmen ist das Erste, das die Liberalisierung des Gas-Marktes nutzt und den Heizstoff bundesweit liefert. Zwar ist es schon seit Monaten erlaubt, Gas auch durch die Leitungen anderer Versorger zum Endkunden zu pumpen, doch bislang haben das Alternativanbieter nur vereinzelt in begrenzten Regionen wie Berlin oder Hamburg gewagt. Wolf: "Mit dem bundesweiten Vertrieb betreten wir Neuland."

Neu ist auch, dass Eon über seine Tochter die Preise anderer Versorger unterbieten will. In jeder Stadt und Gemeinde soll der Arbeitspreis ein Cent unter dem sogenannten Standardtarif des örtlichen Grundversorgers (Stadtwerk) liegen, wie das Unternehmen ankündigte. Beim Gas will E-wie-einfach die Standardtarife um 0,24 Cent je Kilowattstunde schlagen. Die Preise garantiert der Energieanbieter bei Gas für zwölf Monate und beim Strom für zwei Jahre. Preissenkungen der örtlichen Versorger werde das Unternehmen dagegen unmittelbar nachvollziehen, um den Preisabstand aufrechtzuerhalten, hieß es.

Bei Gas und Strom die Stadtwerke unterbieten

Die Reaktionen auf den Eon-Vorstoß fielen unterschiedlich aus. Der Energieexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin, Holger Krawinkel, sieht durch die Offensive den Weg zu einer "grundlegendem Veränderung der deutschen Energielandschaft" beschritten. Nun würden auch die anderen Energiekonzerne ihre angestammten Versorgungsgebiete verlassen und für mehr Wettbewerb sorgen. Ähnlich optimistisch äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. Der Bund der Energieverbraucher hingegen bezeichnete die Eon-Offerte als "kosmetische Operation". Vorstand Aribert Peters empfiehlt Verbrauchern, vor einem Wechsel andere Angebote zu prüfen.

Auf jeden Fall scheint Eon mit seinem Vorstoß frischen Wind in den seit Jahren starren Energiemarkt gebracht zu haben. So hat der zweite deutsche Energieriese RWE nach Bekanntwerden des Angebots bekräftigt, mit seiner neu erworbenen Vertriebsmarke "Eprimo" künftig bundesweit Energie an Privatkunden liefern zu wollen. "Wir sind auf verstärkten Wettbewerb eingestellt", sagte ein RWE-Sprecher auf Nachfrage. Vor Oktober werde aber nicht mit bundesweiten Gas-Lieferungen zu rechnen sein.

Auch die regionalen Energieversorger in München und Oberbayern hat E-wie-einfach aufgeschreckt. Denn gegenüber dem Allgemeinen Stromtarif bei den Münchner Stadtwerken kann ein Durchschnitts-Haushalt (Jahres-Verbrauch: 3500 kWh) gut 30 Euro pro Jahr sparen. Kunden von Erdgas Südbayern (Jahresverbrauch: 20 000 kWh) kämen teilweise um bis zu 50 Euro besser weg. Beide Anbieter schlossen auf Nachfrage nicht aus, mit Preissenkungen auf das Eon-Angebot zu reagieren. "Wir wollen weiterhin günstigster Anbieter in der Stadt bleiben", sagte ein SWM-Sprecher.

Potenzielle Kunden können sich im Internet (www.e-wie-einfach.de) oder telefonisch (0800/4411 800) über das neue Angebot informieren. Parallel sollten sie aber Webseiten für Tarifvergleiche wie www.verivox.de nutzen.

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