Preisrunde bei den Brauern: Biertrinken wird teurer

- München - Im deutschen Biermarkt hat eine neue Preisrunde begonnen. Unter anderem haben Paulaner und Hofbräu in München angekündigt, den Gerstensaft zum 1. Juli um etwa vier Prozent zu verteuern. Franziskaner Weißbier und Beck's haben schon an der Preisschraube gedreht. Die Branche reagiert damit auf deutlich gestiegene Kosten und nimmt offenbar die Anfang 2007 drohende Mehrwertsteuererhöhung vorweg.

Die Brauer stehen unter Druck. Zwar ist Deutschland der drittgrößte Bier-Markt der Welt. Doch der Absatz schrumpft seit Jahren. Gleichzeitig greifen internationale Konzerne und Billig-Massen-Anbieter die größtenteils mittelständische Brauwirtschaft an. In diesem ohnehin schwierigen Umfeld sind zuletzt die Kosten deutlich gestiegen.

Hohe Energiepreise haben Produktion sowie Transport des Traditionsgetränks verteuert. Im Herbst klettern außerdem die Löhne in der Branche - wenn auch moderat. Und 2007 steht voraussichtlich die Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte an. All das dürfte die Brauer nun zu einer Preisrunde beim Bier veranlassen.

"Paulaner wird am 1. Juli die Preise erhöhen", kündigte der neue Chef der Münchner Brau Holding International (BHI), Friedrich Georg Hoepfner, an. Um vier Prozent wird das Bier dann teurer. In der BHI, die jeweils etwa zur Hälfte der Münchner Schörghuber-Gruppe und dem niederländischen Heineken-Konzern gehört, wird auch die Brauerei Fürstenberg die Preise anheben. Ähnlich sieht es bei Hofbräu in München aus.

Hier wird der Hektoliter ab 1. Juli zwischen vier und sechs Euro teurer, was eine Erhöhung von etwa drei bis vier Prozent bedeute, erklärte ein Sprecher. Auch der größte Brauer der Welt, der belgische Inbev-Konzern, langt bei seinen deutschen Marken zu: Sowohl Beck's als auch Franziskaner Weißbier haben bereits zum 1. März die Preise angehoben. Nach Angaben des Bayerischen Brauerbunds hat auch Erdinger Weißbräu eine Preissteigerung angekündigt. Bei Erdinger war gestern ebenso wie bei der Augustiner-Brauerei keine Stellungnahme zu erhalten. Doch Experten rechnen auf breiter Front mit Teuerung beim Bier.

"Es ist davon auszugehen, dass die Brauereien den Anstieg der Kosten nicht selbst tragen können und an die Verbraucher weitergeben müssen", sagte Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds, gegenüber dieser Zeitung. Zwar könne sich der Verband nicht zur individuellen Kalkulation seiner Mitgliedsunternehmen äußern. Aber Ebbertz hält einen Anstieg des Preises für einen Kasten Bier um 50 Cent bis einen Euro für möglich. "Alleine die Mehrwertsteuererhöhung bedeutet für den Verbraucher eine Teuerung um etwa 30 Cent pro Kasten. Insofern ist 50 Cent Erhöhung wohl die Untergrenze."

Die Unternehmen begründen die Preissteigerungen mit gestiegenen Kosten. Doch soll wohl auch die Mehrwertsteuer-Erhöhung vorweggenommen werden. "Wir wissen, dass die Verbraucher nächstes Jahr sehr sensibel sein werden", räumt der neue BHI-Chef Hoepfner ein. Dementsprechend heißt es bei vielen Unternehmen, die jetzt Preiserhöhungen angekündigt haben, dass es Anfang 2007, wenn die Mehrwertsteuererhöhung kommen soll, wohl keine weitere Anhebung geben werde.

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