Der Preisschock bleibt aus ­- vorerst

- Frankfurt ­- Es kam nicht so schlimm wie befürchtet. Nach der größten Mehrwertsteuererhöhung in der Geschichte der Bundesrepublik ist der Preisschock für die Verbraucher ausgeblieben. Die neuen Daten des Statistischen Bundesamtes vom Monat Januar belegen, dass es keinen "Steuro-Effekt" gegeben hat ­ also ganz anders als vor fünf Jahren, als die Einführung des Euro-Bargelds eine "Teuro-Debatte" auslöste. Nur Frisöre, Gastwirte und andere Dienstleister schlugen zum Jahreswechsel bei den Preisen auf. Sinkende Ölpreise und spektakuläre Rabattaktionen der Händler glichen dies aber aus. Ob die Teuerung in den nächsten Monaten anziehen wird, ist unter Experten umstritten.

Am Freitag zogen die Statistiker Bilanz. "Nach der Mehrwertsteuererhöhung waren keine extremen Preissteigerungen zu beobachten", sagte Statistiker Timm Behrmann. "Alle Entwicklungen liegen im Rahmen des Üblichen." Allerdings schlugen Frisöre und andere Dienstleister durchaus bei den Preisen drauf. Ein Herrenhaarschnitt verteuerte sich von Dezember auf Januar 2007 um 1,6 Prozent und die chemische Reinigung um 1,4 Prozent. In Kneipen wurde ein Glas Bier um 1,3 Prozent teurer und ein Fleischgericht um 0,8 Prozent ­ während das Preisniveau insgesamt um 0,2 Prozent sank. "Da wurde die höhere Steuer an die Konsumenten weitergegeben, allerdings nur zum Teil, denn sonst hätten die Preise um 2 bis 3 Prozent klettern müssen", sagt der Statistiker.

Insgesamt sind sich die Ökonomen einig, dass die Unternehmen die höhere Steuer nur teilweise und weniger stark als in der Vergangenheit üblich an die Verbraucher weitergegeben und deren Kaufkraft geschmälert haben. Doch zum Aufatmen sei es noch zu früh. Im Januar überdeckten Sondereffekte die Steueranhebung, zum Beispiel die saisontypischen Preisrückgänge bei Pauschalreisen, die gesunkenen Ölpreise und Rabattaktionen. Im Winterschlussverkauf wurden etwa Damenjeans 2 Prozent günstiger und Krawatten 3,2 Prozent.

"Der Januar ist der klassische Ausverkaufsmonat und war in diesem Jahr noch stärker von Rabatten geprägt", sagt der Sprecher des Einzelhandelsverbandes, Hubertus Pellengahr, und nennt als Grund den harten Konkurrenzkampf. "Weitere Preiserhöhungen sind zwangsläufig, werden aber moderat ausfallen." Nach Ansic ht der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat der Preisanstieg durch die Steuererhöhung seinen Höhepunkt bereits erreicht. "Ich gehe nicht davon aus, dass Handel und Industrie jetzt noch spürbar zuschlagen werden", sagt GfK-Chef Klaus Wübbenhorst. Das Thema sei weitgehend durch.

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