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Aldi erhöht die Milchpreise um neun Cent pro Liter.

Milch wird teurer: Aldi erhöht Preise

Düsseldorf - Milch wird deutlich teurer. Der Discounter Aldi hat am Freitag den Milchpreis um 9 Cent je Liter angehoben. Das entspricht einer Preissteigerung je nach Fettgehalt um bis zu 20 Prozent.

Nach Butter jetzt auch Milch, Apfelsaft und Frischfleisch: Bei diesen häufig gekauften Lebensmitteln kommen auf die Verbraucher Preiserhöhungen zu. Denn Aldi Süd läutete mit der Erhöhung von 9 Cent je Liter Milch eine neue Preiserhöhungsrunde im Handel ein. Traditionell dürfte die Konkurrenz rasch folgen. Die Verbraucher in Deutschland geben aber schon seit geraumer Zeit mehr Geld für Lebensmittel aus. Und das hat unterschiedliche Gründe.

Während die Discounter noch vor Jahren fast im Monatsrhythmus mit dauerhaften Preissenkungen werben konnten, dominieren seit längerer Zeit die Preiserhöhungen. Nach Berechnungen der GfK-Marktforscher stiegen bei den Waren des täglichen Bedarfs die durchschnittlich an den Kassen bezahlten Preise im Jahr 2011 um 2,8 Prozent. In diesem Jahr beträgt der Anstieg bislang 2,7 Prozent.

Dabei spielten aber nicht nur Preiserhöhungen eine Rolle. „Die Verbraucher kaufen auch höherwertig“, schildert der GfK-Experte Wolfgang Adlwarth. Außerdem steige der Anteil der Artikel, die im Sonderangebot zeitlich befristet von den Discountern und Supermärkten verkauft werden, aktuell nicht weiter an. Aber allein schon bedingt durch die stetig steigende Nachfrage auf dem Weltmarkt werde der Preis der Lebensmittel tendenziell wohl weiter nach oben gehen.

Aldi Süd erhöhte am Freitag nicht nur den Milchpreis kräftig. Zugleich wurde Apfelsaft nach Angaben von Marktbeobachtern bei dem führenden Discounter teurer. Auch für einiger Frischfleisch-Produkte müssen die Kunden nun tiefer in die Tasche greifen. Begründung: gestiegene Rohstoffkosten.

Branchenbeobachter wie der Discountexperte Matthias Queck vom Handelsinformationsdienst Planet Retail erwarten, dass die anderen Lebensmittelhändler rasch nachziehen werden. Allerdings hielten sie die Supermarktriesen Edeka und Rewe zunächst noch völlig bedeckt. Auch die Edeka-Tochter Netto Marken-Discount machte keine Angaben. Lidl räumt ein, dass eine Preiserhöhung bei Milch zu erwarten sei.

Der Preissprung bei Milch geht nach Ansicht von Andreas Gorn von der AMI Agrarmarkt Informations-Gesellschaft in Bonn auf einen Nachholbedarf zurück. Durch halbjährliche Lieferverträge der Molkereien mit Handelskonzernen könne erst jetzt der Preis steigen, während Butter mit monatlichen Lieferverträgen in mehreren Stufen teurer wurde. Ausschlaggebend sei die allgemeine Marktentwicklung. „Bei Milch kann der Preis nicht in den Keller gehen, wenn alle anderen Milchprodukte mit Gold aufgewogen werden“, sagt der Experte.

Die Erzeuger atmen unterdessen auf: „Angesichts der immensen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Bauern ist dieser Schritt längst überfällig“, kommentiert der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter, Hans Foldenauer, die Preiserhöhung von 9 Cent je Liter. Die Molkereien forderte er auf, die 9 Cent komplett an die Bauern weiterzugeben. Milchviehhalter könnten mit der Auszahlung für den Monat November, die im Dezember erfolgen werde, mit mehr Geld in der Tasche rechnen.

Als eigentlichen Grund für die steigenden Preise sieht Foldenauer eine geringere Milchmenge in jüngster Zeit. „Wir haben relativ hohe Futterkosten. Es wird etwas verhaltener gefüttert“, erläutert er. Hinzu kämen die zahlreichen Betriebsaufgaben. Allein in den drei Jahren 2009, 2010 und 2011 hätten bundesweit mehr als 10 000 Bauern die Milchviehhaltung aufgegeben. Ende 2012 werde es voraussichtlich insgesamt nur noch 80 000 Milchviehhalter in Deutschland geben.

Neben einer geringeren Milchmenge werden die guten Exportchancen als Hintergrund für die Preisentwicklung gesehen. Fast die Hälfte der rund 30 Millionen Tonnen Milch, die die Molkereien verarbeiten, sind für den Export. Laut Milchindustrie-Verband ist die Exportmenge sogar größer als der Absatz über den Einzelhandel an die Verbraucher.

Wenn in den USA eine Dürre herrsche, wirke sich das zwar nicht unmittelbar auf die Milchpreise in Deutschland aus, erklärt der Sprecher des Milchindustrie-Verbandes, Björn Börgermann. Sollten europäische Milchprodukte aber in den Exportmärkten Asien oder Afrika wegen eines geringeren Angebotes aus den USA stärker gefragt sein, könnte das mittelfristig auch in Deutschland Preiseffekte haben.

dpa

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