Preisverdächtige Technologien aus Oberbayern

- München - Industrie und Veranstalter sehen sie als "Realitätstest für die Konjunktur": Am 19. April öffnet die Hannover Messe ihre Tore. Zwei oberbayerische Firmen liegen dabei im Rennen um einen hoch dotierten Innovationspreis Kopf an Kopf.

Mit einem neuen Konzept will der Veranstalter, die Deutsche Messe AG, frischen Wind in die sechstägige Schau bringen: Schwerpunkte sind die Bereiche Fertigungs- und Prozessindustrie. Viele der rund 5000 Aussteller stammen aus Automobilbranche, Pharmabranche und chemischer Industrie. Neu ist der mit 100 000 Euro dotierte "Hermes Award", der am 18. April an eine besonders erfinderische Firma aus über 100 Bewerbern geht.<BR><BR>Zu den fünf Finalisten zählt die Enocean GmbH aus Oberhaching bei München, die "Energie zum Nulltarif" verspricht. Der 2001 gegründete Betrieb hat eine Methode entwickelt, um physikalische Prozesse in nutzbare Energie umzuwandeln. Im Bereich Gebäudetechnik hat die Jury ein schnur- und batterieloser Funkschalter beeindruckt. Er wird einfach an die Wand geklebt. Die Kabel verlaufen direkt zur Lampe. Energie erhält der Schalter, wenn er gedrückt wird. Dann sendet er ein Funksignal zur Lampe, die sich daraufhin an- oder ausschaltet. Das Signal reicht 300 Meter weit.<BR><BR>Die wartungsfreie Technologie spare nicht nur Batterien und Kabel, "es werden auch schwächere elektromagnetische Felder erzeugt. Damit sinkt die Belastung durch Elektrosmog", sagt Andreas Schneider von Enocean.<BR><BR>Direkter Konkurrent des kabellosen Schalters ist die Keilbremse der Firma Estop aus Grafrath (Landkreis Fürstenfeldbruck). Sie wandelt die Bewegung des Fahrzeugs in Bremskraft um. "Eine herkömmliche Bremse braucht 97 Prozent mehr Energie", sagt Estop-Geschäftsführer Bernd Gombert. Würden alle 55 Millionen Autos weltweit mit Keilbremsen fahren, könne man 400 Millionen Liter Treibstoff pro Jahr einsparen, rechnet er vor. Das Unternehmen wurde im Oktober 2000 von Mitarbeitern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen gegründet.<BR><BR>Die oberbayerischen Firmen wollen durch den Preis bei Kunden und Öffentlichkeit bekannter werden. "Da steckt viel dahinter", ist Andreas Schneider von Enocean überzeugt. Estop-Gründer Bernd Gombert hofft auch, auf der Messe einen Investor zu finden: "Videorecorder, CD, Fax oder Quarzuhr wurden alle in Deutschland erfunden, aber erst von der japanischen oder amerikanischen Industrie erfolgreich vermarktet. Das soll sich bei der Keilbremse nicht noch einmal wiederholen."<BR>

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