Premiere, Arena und die Bundesliga

Streit im Bezahl-TV: - Auch rund 60 Tage vor dem Start in die neuen Saison der Fußballbundesliga ist über den Anpfiff im Bezahlfernsehen noch nicht entschieden. Auch eine zweite Prüffrist für die gestoppte Kooperation von Premiere und Arena zur Fußballbundesliga lässt das Kartellamt platzen. Es soll noch Wochen dauern. Doch schon ab 10. August rollt das Leder.

München - Die seit Wochen nach Bedenken des Bundeskartellamts auf Eis liegende Kooperation der beiden Bezahlsender Premiere und Arena beim Empfang via Satellit kann zumindest vorerst nicht aufleben, bestätigte ein Premiere-Sprecher. Die beiden Unternehmen hatten sich bis zum Wochenende eine Frist gesetzt, um sich die Kartellwächter gewogen zu machen. "Eine neue Frist nennen wir nicht", heißt es bei Premiere. "Die Prüfung wird noch einige Wochen dauern", sagte indessen eine Sprecherin des Bundeskartellamts.

Zu den Inhalten der Prüfung wollte sie sich nicht äußern. Damit wird es für die beiden verbündeten Konkurrenten Premiere und Arena sowie für Fußballfans, die den Kick abonnieren wollen, immer enger. Denn die Kugel rollt ab dem 10. August. In den vergangenen Jahren war stets spätestens Ende Juli Vermarktungsstart für die Live- Spiele im Bezahlfernsehen. Die Prüffrist des Kartellamts war bereits einmal um drei Wochen verlängert worden.

In der Schwebe ist die Vermarktung für Zuschauer, die ihr TV-Programm per Satellit empfangen. Die zwischen Premiere und Arena beim Empfang via Kabel in 14 von 16 Bundesländern - außer Nordrhein-Westfalen und Hessen - bestehende Kooperation ist von der Prüfung des Kartellamts nicht betroffen und kann weiterlaufen. Damit ist aber rund die Hälfte aller potenziellen Pay-TV-Kunden vom sich weiter verzögernden Entscheid der Kartellhüter abhängig.

Arena bereitet sich dem Vernehmen nach bereits auf eine Werbekampagne ohne Premiere vor. Erfolgreich war ein solcher Alleingang allerdings bislang nicht. Der Premiere-Konkurrent, der dem großen Rivalen bis 2009 die Live-Senderechte an der Fußballbundesliga weggeschnappt hat, konnte bislang nur 1,1 Millionen Kunden an sich binden und operiert deshalb tief in der Verlustzone. Im ersten Jahr der vorigen Sommer begonnenen Berichterstattung über die Bundesliga hat Arena ein geschätztes Minus von über 200 Millionen Euro eingefahren. Die Lizenz zur Übertragung kostet per anno 220 Millionen Euro. Profitabel wäre Arena wohl erst ab 2,3 Millionen Abonnenten, schätzen Experten. Diese Kunden könnte Premiere mit derzeit 3,4 Millionen Abonnenten beisteuern.

Falls die erst diesen Februar beschlossene und nun auf Eis liegende Bundesliga-Kooperation zwischen den beiden Bezahlsendern nicht wieder aufgetaut werden kann, würde das aber auch Premiere schädigen. Einen Hinweis darauf geben die Umsätze des heimischen Marktführers im Bezahlfernsehen, die im ersten Quartal 2007 um knapp ein Fünftel auf 224 Millionen Euro geschrumpft sind.

Premiere will über den weiteren Verlauf der Gespräche mit den Kartellhütern keine Einschätzung mehr abgeben. Vorige Woche hatte Konzernchef Georg Kofler noch von "guten Fortschritten" gesprochen.

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