Premiere-Chef Kofler geht

München - Für Überraschungen war der scheidende Premiere-Chef Georg Kofler schon immer gut. Erst vor kurzem hatte er sich mit dem Rückkauf der Bundesliga-Übertragungsrechte vom Konkurrenten arena eindrucksvoll zurückgemeldet und den Abo-Sender nach eineinhalb schwierigen Jahren wieder in ruhigeres Fahrwasser gebracht. Nun verlässt er das Unternehmen unerwartet, um sich neuen Aufgaben zu widmen.

An der Börse sorgte die Nachricht prompt für einen vorbörslichen Kursrutsch der Premiere-Aktie. Auch wenn sich die Papiere am Vormittag wieder leicht erholten, dürften die Anleger den Weggang des umtriebigen Südtirolers mit Skepsis sehen.

Seinen Ruf als erfolgsverwöhnter Medienmanager hatte sich Kofler zunächst mit dem Aufbau des Privatsenders ProSieben und als Teleshopping-Pionier erworben. Sein schon fast sprichwörtliches Verkaufstalent zeigte er auch beim Bezahlsender Premiere, dessen Geschäftsführer er 2002 wurde. Das Unternehmen hatte mit seinen Milliardenverlusten einst für den Zusammenbruch des Medien-Imperiums von Leo Kirch gesorgt. Kofler sanierte den Abosender und führte ihn 2005 an die Börse.

Doch die Erfolgsstory erhielt Kratzer, als Premiere Ende 2005 nach einem spektakulären Bietergefecht die Live-Rechte für die Fußball-Bundesliga an den Konkurrenten arena verlor und der Aktienkurs zeitweise um mehr als zwei Drittel absackte. Erst im Juli konnte der Premiere-Chef die Einigung zum Erwerb einer Sub-Lizenz von arena verkünden, mit der Premiere wieder alle Spiele der 1. und 2. Bundesliga live übertragen kann.

Kofler wurde 1957 im italienischen Pustertal geboren. Der Sohn eines Holzfällers und einer Fabrikarbeiterin war Stipendiat im Knabenseminar Vincentinum in Brixen und arbeitete in jungen Jahren als Skilehrer. Nach einem Publizistik-Studium in Wien startete er seine Karriere 1985 als persönlicher Referent des ORF-Generalintendanten. Zwei Jahre später holte Leo Kirch ihn als Büroleiter nach München. 1988 übernahm Kofler die Geschäftsführung des Fernsehsenders Eureka TV, der den Grundstein der heutigen Senderkette ProSiebenSat.1 bildete.

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