Premiere im Endspurt an die Börse

- München - Nach Milliardenverlusten und einer Pleite der Muttergesellschaft soll der Börsengang des Bezahlsenders Premiere nun den Abschluss der Sanierung markieren. Nicht nur Mitarbeiter, Management und Besitzer fiebern dem Sprung aufs Parkett am kommenden Mittwoch entgegen. Wenn der Börsengang gelingen sollte, dürfte dies auch die Börsenpläne anderer Unternehmen in diesem Jahr erleichtern.

<P>Seit dem Börsen-Crash ist die Neuemissions-Euphorie deutlich gewichen. So schafften im vergangenen Jahr nur fünf Unternehmen in Deutschland den Sprung an die Börse. Teilweise mussten die Unternehmen ihre Preisspanne in letzter Minute senken, mehrere Börsengänge mussten wegen der geringen Nachfrage abgesagt werden. Mitunter ist es zu Fehlern bei der Vorbereitung der Börsengänge gekommen. Selbst die als "Eisbrecher" gepriesene Postbank tat sich zeitweise schwer, bei den Anlegern zu landen.<BR><BR>Bei Premiere sieht es derzeit angeblich besser aus. "Die Nachfrage ist gut", heißt es in Finanzkreisen. "Premiere hat ein signifikantes Wachstumspotenzial", urteilt zum Beispiel die Schweizer Großbank UBS. Sie bewertete das Unternehmen im Vorfeld des Börsengangs mit 2,5 bis 3,5 Milliarden Euro. Ähnlich sehen das die Experten von Credit Suisse First Boston (CSFB), die bei ihren Berechnungen auf 2,5 bis 3,1 Milliarden Euro kommen. Verdächtig an dieser Euphorie: Beide sind Mitglieder des Emissions-Konsortiums. Ihre Aufgabe ist, die Premiere-Aktien zu verkaufen - so viele wie möglich und so teuer wie möglich.<BR>Beim Wertpapierhändler Lang & Schwarz wurden die Aktien vorbörslich zuletzt mit gut 27 Euro gehandelt, also eher am oberen Ende der Preisspanne von 24 bis 28 Euro. Damit wird das Unternehmen derzeit mit etwa 2,2 Milliarden Euro bewertet.<BR><BR>Aktionärsschützer warnen vor Euphorie. Bislang hat Premiere noch nie Gewinn geschrieben. Zwar vergleicht Premiere die Verbreitung von Bezahlfernsehen in Deutschland mit der in anderen europäischen Ländern und leitet daraus großes Wachstumspotenzial ab. Denn in anderen Ländern sind prozentual wesentlich mehr Menschen Kunden von Bezahl-Sendern. Aber jenseits der deutschen Grenzen sind Angebote des frei empfangbaren Fernsehens und Rundfunk-Gebühren kaum vergleichbar. Im Emissionsprospekt weist das Unternehmen auf neun Seiten auf mögliche Probleme hin. Zwar betonte Vorstandschef Georg Kofler, man sei gesetzlich dazu verpflichtet, auf alle auch nur theoretischen Risiken hinzuweisen. Allerdings sind einige der aufgezählten Punkte nach Einschätzung von Experten durchaus realistische Bedrohungen.<BR><BR>So wird auch in dem Prospekt auf die große Anzahl von frei empfangbaren Fernsehsendern in Deutschland hingewiesen. Außerdem könnte Premiere wichtige Rechte zum Beispiel zur Übertragung der Fußball-Bundesliga eines Tages verlieren. Ohne Fußball ist ein Bezahlsender aber kaum denkbar. Zudem könne dem Sender unerwartet schnell Konkurrenz durch neue Medien oder andere Pay-TV-Anbieter erwachsen.<BR><BR></P>

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