Premiere: Als Erste profitieren die Alteigentümer vom Börsengang

- München - Georg Kofler redete wie ein Wasserfall, schwenkte die Arme, ballte die Faust, ließ die Finger tanzen im Festsaal des Bayerischen Hofs. Der Vorstandsvorsitzende und Großaktionär von Premiere pries sein Fernseh-Unternehmen mit voller Überzeugungskraft an. Ab heute können die Aktien gezeichnet werden, am 9. März soll Premiere der größte Börsengang eines deutschen Medienunternehmens gelingen. Aktionärsschützer teilen Koflers Euphorie nicht.

<P>Aufgedreht redete Kofler über sein "junges Wachstumsunternehmen mit Vorsprung vor jedem Wettbewerber", eine "große Emission" und eine "Preisfestlegung mit Augenmaß". Er beschwor, dass es in Deutschland und Österreich großes Wachstumspotenzial für Bezahl-Fernsehen gebe, weil hier nur acht Prozent der Haushalte Pay-TV-Kunden sind, während es in Großbritannien 40 und in Frankreich 47 Prozent seien. Und er rühmte sich für "einen der größten Turnarounds in der europäischen Mediengeschichte".<BR><BR>Die Wende vom Verlustbringer, der Leo Kirch ruinierte, zum profitablen Unternehmen hat Premiere allerdings nur bedingt geschafft. Nur vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen verzeichnete man im vergangenen Jahr ein Plus von gut 80 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein Verlust von 80 Millionen Euro. Für heuer trauen Analysten dem Unternehmen erstmals einen echten Gewinn zu.<BR><BR>Die Risiken redete Kofler klein. Für die Live-Übertragungen der Fußball-Bundesliga - eines der wichtigsten Verkaufs-Argumente des Senders - sehe er keinen anderen seriösen Kauf-Interessenten. Konkurrenten seien Nischenanbieter, im frei empfangbaren Fernsehen müsse man lange für einen vernünftigen Film suchen und überhaupt sei es eine "teure Lektion" der vergangenen Jahre, dass es in jedem Land nur einen großen Pay-TV-Sender geben könne. Premiere habe mit einem Umsatz von knapp einer Milliarde Euro und 3,2 Millionen Kunden seine "kritische Masse" erreicht, betonte Finanz-Vorstand Michael Börnicke. Bis zu 1,2 Milliarden Euro will Premiere mit dem Börsengang einnehmen. Zum Teil sollen damit Schulden abgebaut werden. Aber in größerem Maß machen die bisherigen Teilhaber Kasse.<BR><BR>Etwa zwei Drittel der Aktien, die zum Verkauf stehen, stammen von Kofler und seinen Kollegen sowie der Beteiligungsgesellschaft Permira, der österreichischen Bawag-Bank, der Bayerischen Landesbank und der HypoVereinsbank. Ein Drittel kommt aus einer Kapitalerhöhung und soll Premiere beim Schuldenabbau helfen. "Premiere soll eine echte Publikumsgesellschaft werden", betonte Kofler. Die Alteigentümer ermöglichten mit ihrem Anteils-Verkauf einen Streubesitz von über 50 Prozent, der auch zur baldigen Aufnahme des Papiers in den M-Dax beitragen soll. Immerhin bleibe er mit einem Aktienpaket von 13,9 Prozent an Premiere beteiligt. Kofler darf frühestens zwölf Monate nach dem Börsengang weitere Anteile abstoßen, für die anderen Teilhaber beträgt die Haltefrist nur sechs Monate. Sowohl BayernLB als auch HypoVereinsbank haben in der Vergangenheit angekündigt, sich langfristig von bankfremden Beteiligungen trennen zu wollen.<BR><BR>Aktionärsschützer warnen vor hohem Risiko</P><P>Der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jürgen Kurz, verwies auf das "hohe Risiko" des Papiers. Man wünsche sich, dass Unternehmen mindestens drei positive Jahresabschlüsse vorweisen könnten, bevor sie an die Börse streben. "Fakt ist, Premiere hat noch keine schwarzen Zahlen geschrieben. Ob das in Zukunft so ist, muss noch bewiesen werden", urteilte Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger über den Börsengang. Die SDK rate Anlegern "eher abzuwarten" bis nach dem Börsengang. "Wir erwarten nicht, dass das Papier so abrupt steigt." Und der Emissionspreis der Aktie von 24 bis 28 Euro sei - obwohl niedriger als zuvor teilweise gemutmaßt - kein Schnäppchen: "Da wird einem nichts geschenkt."<BR><BR></P>

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