Premiere: Das Geschäftsmodell wackelt

- München - "Das ist der Gau", meinte ein Börsianer spontan. "Die haben jetzt einige Probleme mit ihrem Geschäftsmodell", betonte ein anderer, nachdem der Münchner Bezahlsender Premiere überraschend als großer Verlierer aus dem Wettbieten um die Bundesliga-Übertragungsrechte hervorgegangen war.

Schon Minuten vor der offiziellen Entscheidung der Deutschen Fußball-Liga ging das im M-Dax notierte Premiere-Papier in einen freien Fall über. Fast die Hälfte ihres Werts auf unter 13 Euro verlor die Aktie zeitweise. Beim Börsengang des Münchner Bezahlsenders diesen März zu 28 Euro je Aktie galt Konzernchef Georg Kofler noch als Retter des Konzerns. Nun hat sich der Premiere-Sanierer, der den Sender aus dem Untergang der Ex-Mutter Kirch-Gruppe heraushalten konnte, fatal verspekuliert.

Kofler war zur TV-Rechtevergabe für die nächsten drei Jahre angetreten, um mehr Exklusivität für Premiere zu erringen. Im frei empfangbaren Fernsehen sollten Zusammenfassungen der Bundesligaspiele künftig erst ab 22 Uhr zu sehen sein. Gut 300 Millionen Euro hat der Sender angeblich geboten, nachdem er für die vergangenen Spielzeiten der DFL jeweils 180 Millionen Euro überwiesen hatte. Nun hat Premiere statt exklusiverem Bundesligafußball gar keinen mehr. Das ist das Resultat einer Harakiri-Strategie, die Kofler eingegangen ist. Denn Premiere habe trotz Bitten der DFL nur für ein einziges - Koflers Exklusivitätsszenario - geboten, stellte DFL-Präsident Werner Hackmann klar.

Ohne Bundesligafußball müsse Premiere damit rechnen, dass bis zu ein Drittel aller Kunden kündigen, schätzen nun Branchenkenner. Die Entgegnung von Premiere fällt eher kleinlaut aus. Ohne Bundesligarechte spare man sich viel Geld und habe nun größeren finanziellen Spielraum, sagte Kofler. Er verweist auch auf die TV-Rechte für die Fußball Champions League bis 2009. Für die Zeit ab August 2006, wenn die Konkurrenz anfängt, Bundesligafußball zu senden, werde Premiere auch seine Preise anpassen.

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