Premiere sucht einen freien Sender: Das DSF bietet sich an

- München - Premiere-Chef Georg Kofler braucht einen Fernsehsender. Und er braucht ihn schnell. Sein Bezahl-Kanal besitzt ab dem nächsten Spieljahr die Übertragungsrechte für die Fußball-Champions League. Und das nicht nur im Pay-TV, sondern auch im frei empfangbaren Fernsehen. Das Problem: Bislang hat Premiere keinen allgemein zugänglichen TV-Sender.

Entweder baut Premiere einen solchen Kanal also bis September 2006 selbst auf. Oder es kauft sich einen bestehenden Kanal. Unter Branchenexperten gilt die Übernahme des Deutschen Sportfernsehens (DSF) vom Münchner Medienunternehmen EM.TV als naheliegende Lösung. DSF-Geschäftsführer Rainer Hüther hat einer solchen Möglichkeit zumindest nicht widersprochen.

"Wir müssten uns ernst gemeinte Angebote immer anschauen", erklärte der DSF-Chef, der auch im Vorstand des Sender-Eigentümers EM.TV sitzt, gegenüber der "Financial Times Deutschland". Ein EM.TV-Sprecher betonte gegenüber unserer Zeitung, man habe keinen festen Plan, das DSF zu verkaufen. Aber es sei selbstverständlich, dass man ein attraktives Angebot prüfen müsste, wenn es ein solches gebe. Ob Verhandlungen zwischen Premiere und EM.TV darüber laufen, wollte er - ebenso wie zuvor Hüther - nicht kommentieren.

Viele Alternativen bleiben Premiere nicht. Der europäische Fußballverband Uefa schreibt eine Reichweite von mindestens 80 Prozent für den frei empfangbaren Sender vor, auf dem die Champions League übertragen wird. Premiere-Chef Kofler hat zudem gesagt, es gehe ihm um einen reinen Sportsender, nicht um einen Kanal, auf dem auch Spielfilme gezeigt würden. Außer dem DSF könnte möglicherweise der Quizsender 9Live diese Vorgaben erfüllen. Doch der ist im Besitz von Pro-Sieben-Sat1. Ein Verkauf gilt laut Branchenexperten als unwahrscheinlich.

Mit EM.TV arbeitet Premiere bereits zusammen. Die Produktionsfirma Plazamedia, die zu EM.TV gehört, ist für den Bezahlsender aktiv. Sollte Premiere nicht rechtzeitig einen frei empfangbaren Sender präsentieren, müsste es die Rechte an der Champions League zurückgeben. Dann hätte die gesamte Transaktion wenig Sinn gehabt.

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