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Premiere weckt alte Börsen-Träume

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- München - Georg Kofler reckte die schwarze Tafel an der Börse in Frankfurt in die Höhe wie ein Fußballer die Meisterschale. "30,50" stand darauf in Kreide geschrieben: der erste Kurs der Premiere-Aktie. Dem Münchner Bezahl-Fernsehsender ist der Börsengang geglückt. Und sein Vorstandschef Kofler bejubelte einen "Start, den man sich erträumt".

Es war, als hätte es nie einen Börsen-Crash gegeben: Premiere überflutete das Land mit Werbung. Gezielt richtete sich das Unternehmen an Kleinanleger, in erster Linie seine Fernseh-Kunden. Dann streuten Banken Gerüchte, das Papier sei zweifach, vierfach, siebenfach überzeichnet. Tatsächlich war das Kaufinteresse sogar zwölf mal so groß wie das Angebot. Premiere verkaufte seine gut 42 Millionen Papiere dementsprechend zum Höchstpreis innerhalb der vorgesehenen Spanne: für 28 Euro. So sammelte das Unternehmen mit dem Börsengang 1,179 Milliarden Euro ein. 336 Millionen davon bleiben bei Premiere und dienen in erster Linie zum Schuldenabbau. Der Rest geht an die ehemaligen Eigentümer. Durch den Verkauf von Teilen ihrer Aktienpakete haben sie Kasse gemacht: Permira zum Beispiel nahm 530 Millionen Euro ein, die HypoVereinsbank und die Bayerische Landesbank jeweils knapp 100 Millionen und Kofler selbst etwa 80 Millionen.

Die neue starke Kraft sind Privatanleger. Sie erhielten knapp ein Drittel der ausgegebenen Aktien und haben damit einen Anteil von etwa 15 Prozent am Unternehmen. Der erste Kurs gibt ihnen Recht. Er lag bei 30,50 Euro und damit neun Prozent über dem Ausgabepreis. Am Ende des Xetra-Handels stand das Papier sogar bei 31,80 Euro. "Wir haben alle gesteckten Ziele erreicht", stellte Kofler fest. "Mit dem erfolgreichen Börsengang lässt Premiere die Vergangenheit endgültig hinter sich." Ganz so schnell geht es Aktionärsschützern nicht.

"Die Premiere-Aktie ist nach wie vor ein Risikopapier", warnte Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Beim Börsengang habe der hohe Bekanntheitsgrad von Premiere geholfen. Doch seine Profitabilität müsse das Unternehmen noch unter Beweis stellen. Bisher stand unter dem Strich nie ein Gewinn. Trotzdem habe der erfolgreiche Börsenstart einen positiven Einfluss. Nachdem sich im vergangenen Jahr nur fünf Unternehmen aufs Parkett gewagt hatten, könnte Premiere Mut zum der Gang an die Börse machen. Ob das nicht nur für Unternehmen, sondern auch für die Privatanleger gilt, hängt von der weiteren Kursentwicklung ab.

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