Premium-Sprit soll Preiskampf zügeln

- München/Hamburg - Der Tankstellenmarkt ist in Bewegung gekommen: Nach der Fusion von Aral/BP und Shell/Dea sind die "kleinen" Tankstellenketten die Gewinner. Der Kampf um die Spitze ist enger geworden. Das ergab die jüngste Tankstellenumfrage des Hamburger Energie-Informationsdienstes (EID).

<P>Was die Kunden freut, kann für die Betreiber bis an die Schmerzgrenze gehen: "Nur mit großer Disziplin", so der EID, dürfte "ein Preiskampf bei rückläufiger Nachfrage zu vermeiden sein". Die aufstrebenden Kleinen könnten den Kampf um Marktanteile aggressiv über den Preis führen.</P><P>OMV in Bayern<BR>bereits auf Platz 3</P><P>Wie in der Branche üblich will keiner seinen Konkurrenten den Preiskrieg erklären. Doch gehen Branchenbeobachter davon aus, dass es eher die kleineren sein werden, die versuchen, ihre Marktanteile über niedrigere Preise zu erhöhen.</P><P>Bei den Großen ist sogar eine Anti-Dumping-Bewegung auszumachen: Sie könnten - ähnlich wie Autohersteller - versuchen, mit hochpreisigen Marken Kunden zu binden. Mit V-Power hat Shell ein Premium-Produkt für den Benzin-Tank erfolgreich am Markt positioniert. Der EID schätzt den Mehrgewinn für Shell durch den Premium-Sprit V-Power auf 0,5 Cent/Liter. Angesichts der geringen Margen im Tankstellengeschäft ein nicht zu verachtender Mehrgewinn.</P><P>Doch zunächst einmal punkten (nach der Papierform) die Kleinen. So hat die österreichische OMV ihre Marktposition erheblich ausgeweitet: Sie verfügt nun über 390 Tankstellen, statt ihrer früheren 114. In Bayern sind die Österreicher sogar die Nummer 3 mit 10 % Marktanteil. Auch Agip (453 statt 368) und Avia (712 statt 607) haben zugelegt. Neu in Deutschland ist die polnische Orlen. Sie verfügt aus dem Stand über 491 Stationen vor allem in Ostdeutschland. Die Branchenriesen haben unter den strengen Augen des Kartellamts in den ersten sechs Monaten dieses Jahres zahlreiche Tankstellen abgegeben und sind dabei enger zusammengerückt: Aral/BP hat 2636 (statt 3385) Tankstellen und Shell/Dea 2598 (statt 2997). </P><P>Der große Verlierer ist derzeit Esso. Die Zahl der Tankstellen (1311 statt 1314) ist zwar nahezu konstant geblieben, doch Zukäufe sind tabu. Denn die drei Großen, so hat das Kartellamt sich entschieden, dürfen 50 Prozent Marktanteil nicht wesentlich überschreiten. BP/Aral haben derzeit 22 %, Shell 20 % und Esso 10 %. So pirscht sich ein weiterer Anbieter langsam an die großen drei heran: Total mit 1043 statt 1018 Tankstellen und 9 % Marktanteil. Auch bft, ein Verbund freier Tankstellen (1652 statt 1608), hat Esso nun auch beim Marktanteil von 10 % eingeholt. </P><P>Einen Zuwachs nur auf der Kundenseite kann das Kartellrecht nicht behindern.</P><P>Shell dagegen will dadurch weiter wachsen und strebt nach eigenen Angaben die "führende Rolle" in Deutschland an. Allerdings nicht durch Zukäufe. Weitere Premium-Produkte sollen Marktanteil und Gewinne steigern. V-Power war nur ein Anfang. Shell verspricht "mit ständigen Innovationen den Markt in Bewegung zu halten und die Kunden zu faszinieren", um als Marktführer angesehen zu werden. "Dieses Ansehen kann man nicht kaufen, man muss es sich erarbeiten", sagt Istvan Kapitany, Tankstellen-Chef der deutschen Shell.</P><P>Auf eine ganz ähnliche Strategie setzt OMV: Vor allem durch Gastronomie und Snacks will er sein Angebot attraktiver machen. Den Kampf um Kunden will auch der Aufsteiger aus Österreich nicht über die Preise führen.<BR></P>

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