Primacom AG: Insolvenzantrag nötig

Mainz/Berlin - Der Kabelnetzbetreiber Primacom, der nach eigenen Angaben etwa 700 000 Haushalte in Deutschland versorgt, muss Insolvenzantrag stellen. Wie es weitergeht, ist noch unklar.

Der Kabelnetzbetreiber Primacom bekommt seine finanziellen Probleme nicht in den Griff. Für die Holdinggesellschaft der Gruppe, die Primacom AG, muss Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt werden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Die Kreditgeber hätten einen Kompromissvorschlag der Hauptgesellschafter zum Erhalt der Primacom AG zurückgewiesen.

Das Unternehmen drücken nach Angaben eines Sprechers Schulden in Höhe von 340 Millionen Euro. Weil die Hauptgesellschafter nicht weiter verhandeln wollten, scheine es unmöglich, die Kreditgeber davon zu überzeugen, dass sie die Einlösung von Forderungen zurückstellten. Der Vorstand werde daher “zeitnah“ Insolvenzantrag stellen. Das operative Geschäft sei jedoch nicht betroffen, sagte ein Sprecher des Unternehmens, das nach eigenen Angaben etwa 700 000 Haushalte - vor allem in Ostdeutschland - aktiv versorgt. “Der Betrieb bleibt unverändert aufrechterhalten.“

Von dem Insolvenzantrag betroffen ist nach Angaben des Sprechers lediglich die Primacom AG. Diese hält 100 Prozent an der Primacom Management GmbH, der Holding für das operative Geschäft mit etwa 30 operativen Gesellschaften. Die 473 Mitarbeiter zählende Gruppe hatte im ersten Quartal dieses Jahres einen Umsatz von 28,02 Millionen Euro verbucht, 6,0 Prozent mehr als im ersten Quartal 2009. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag mit 11,95 Millionen Euro um 4,8 Prozent über dem Wert des Vorjahresquartals.

Die Schulden stammen überwiegend aus der Zeit, als Töchter des Luxemburger Unternehmens Escaline die Mehrheit an Primacom übernahmen. Zu den Gläubigern der AG gehören mehrere Investmentgesellschaften. Sie haben eine Bank damit beauftragt, die Anteile der AG an der GmbH am 5. Juli in Berlin zu versteigern. Als denkbar gilt, dass die Kreditgeber selbst ein Angebot abgeben oder dass sie sich vorher mit den Anteilseignern einigen und deren Anteile übernehmen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach May-Rede: Moody's stuft Kreditwürdigkeit Großbritanniens ab
Kurz nach der Rede der britischen Premierministerin Theresa May hatte die US-Ratingagentur Moody's ihre Einschätzung der Kreditwürdigkeit Großbritanniens bereits nach …
Nach May-Rede: Moody's stuft Kreditwürdigkeit Großbritanniens ab
Autoindustrie kann Diesel-Updates steuerlich absetzen
Berlin (dpa) - Die deutsche Autoindustrie kann die Kosten für die Software-Updates bei Millionen Dieselautos steuerlich absetzen. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" …
Autoindustrie kann Diesel-Updates steuerlich absetzen
Proteste in London gegen Rausschmiss von Uber
Uber schien die heftigen Konflikte mit Behörden und Taxi-Branche in Europa beigelegt zu haben, doch nun sorgt London für einen Eklat. Die britische Hauptstadt will den …
Proteste in London gegen Rausschmiss von Uber
Branchenexperte: Air Berlin braucht zügigen Abschluss
Berlin/Hamburg (dpa) - Bei den Verhandlungen über eine Aufteilung der insolventen Fluglinie Air Berlin ist aus Sicht eines Branchenexperten ein zügiger Abschluss …
Branchenexperte: Air Berlin braucht zügigen Abschluss

Kommentare