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Der Chef der Lokführer-Gewerkschaft GDL, Claus Weselsky.

Privatbahnen werfen GDL "Machtspiel" vor

Berlin - Im Tarifkonflikt zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und den großen Bahn-Konkurrenten verschärft sich der Ton: Die Privatbahnen warfen GDL-Chef Claus Weselsky "politisches Machtspiel" vor.

In einem offenen Brief an die Lokführer-Gewerkschaft GDL haben 13 private Bahnunternehmen ihren Ärger über die anhaltenden Streiks zum Ausdruck gebracht. “Offensichtlich geht es bei Ihnen nicht um Verhandlungen, sondern um ein politisches Machtspiel“, heißt es in dem am Sonntag veröffentlichten Schreiben an GDL-Chef Claus Weselsky. Zugleich kündigten die Geschäftsführer der mitwirkenden Unternehmen, darunter Abellio, Keolis, Hessische Landesbahn, metronom und Vogtlandbahn, an, erneut das Gespräch mit der GDL zu suchen.

Die Privatbahnen hätten ihre Verhandlungsbereitschaft immer wieder signalisiert - die Gewerkschaft jedoch überhaupt nicht oder mit einer “Bausch-und-Bogen-Ablehnung“ reagiert, heißt es. “Sie haben nur ein Ziel - den Bundesrahmen-Lokomotivführer-Tarifvertrag und über diesen Weg den Alleinvertretungsanspruch der GDL für die gesamte Berufsgruppe.“ Das aber bedeute die Abschaffung der Tarifautonomie und einen Angriff auf die Koalitionsfreiheit. Für die mittelständisch operierenden Bahnunternehmen komme ein Eingehen auf die GDL-Forderungen der Spaltung der Belegschaft in zwei Klassen gleich.

Das Überstülpen aller Regelungen, die beim “ehemaligen Monopolisten der DB AG gelten und aus der Zeit der Bundesbeamtenbahn“ stammten, sei realitätsfern und gefährde die Erfolge des Wettbewerbs für Fahrgäste, Steuerzahler und Mitarbeiter in der Branche, schreiben die Geschäftsführer weiter. “Wir fordern Sie auf, die Interessen unserer Mitarbeiter nicht vor Ihre politischen Machtspiele zu stellen und mit den Unternehmen, die jetzt erneut auf Sie zugehen werden, jeweils eine Lösung zu suchen.“

Die GDL hatte am Samstag erklärt, in der kommenden Woche nicht streiken zu wollen. Den Privatbahnen solle Zeit gegeben werden, ein “verhandlungsfähiges Angebot“ vorzulegen. “Damit setzen wir ein klares Zeichen der Deeskalation“, sagte Weselsky. Zwischen Donnerstag und Samstag hatten der GDL zufolge rund 1.100 Lokführer ihre Arbeit niedergelegt, 75 Prozent der Züge waren ausgefallen. Bestreikt wurden 21 private Bahnbetreiber.

dapd

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