Privatbank Reithinger droht Aus

- Singen/Bonn - Der Privatbank Reithinger droht das Aus, rund 65 000 Kunden müssen nun um Teile ihren Geldanlagen fürchten. Die Schließung des kleinen Finanzhauses mit Sitz im baden-württembergischen Singen wurde von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) angeordnet.

Dazu verhängte die Bafin ein Moratorium in Form eines Veräußerungs- und Zahlungsverbots. Nächste Schritte könnten die Insolvenz und die Feststellung des Entschädigungsfalls sein. Zunächst müsse aber die weitere Entwicklung abgewartet werden, sagte eine Sprecherin der Finanzaufsicht in Bonn.

Da die Privatbank zuletzt nicht mehr Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken war, ist eine mögliche Entschädigung auf 90 Prozent der Einlagen und maximal 20 000 Euro je Kunde begrenzt.

Die BaFin veröffentlichte auf ihrer Internet-Seite Informationen für die betroffenen Kunden. Es bestehe die Gefahr, dass das 1957 gegründete Kreditinstitut mit weiteren Niederlassungen in Wiesbaden und München seine Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern nicht erfüllen könne, hieß es zur Begründung der Schließung.

Außerdem sei die Privatbank Reithinger mit 40 Mitarbeitern "Teil eines unübersichtlichen Unternehmensgeflechts". Bankschließungen sind in Deutschland sehr selten. In den wenigen Fällen endeten die Moratorien, die dem betroffenen Finanzhaus eigentlich eine letzte Gnadenfrist einräumen sollen, jedoch meist in der Auflösung.

Die Privatbank Reithinger war 2003 mit der Wiesbadener C & H Credit & Handelsbank verschmolzen. Sie stand bereits seit längerem im Visier der Aufsichtsbehörde, Eigentümer Klaus Thannhuber musste seine Anteile und Stimmrechte auf einen unabhängigen Treuhänder übertragen. Der 61-Jährige ist in der Immobilien- und Finanzbranche aktiv und vor allem als Betreiber der Münchner Schrannenhalle bekannt. Auf ihrer Internet-Seite präsentiert sich die Privatbank Reithinger dem Anleger als gehobene Adresse mit Abbildungen von kubanischen Zigarren und edlen Ledermöbeln.

Zuletzt musste die Finanzaufsicht beim Vermögensverwalter Phoenix Kapitaldienst einschreiten. Dort hatte das Management mehr als 30 000 Anleger mit vorgetäuschten Termingeschäften um eine Summe von 300 Millionen Euro geprellt und den Finanzdienstleister in die Insolvenz getrieben. Der ehemalige Prokurist wurde inzwischen wegen schweren Betrugs und Urkundenfälschung zu einer Haftstraße von mehr als sieben Jahren verurteilt.

Die letzte große Pleite einer klassischen Bank liegt bereits lange zurück: Das Kölner Bankhaus Herstatt hatte sich 1974 durch riskante Devisengeschäften ruiniert. Daraufhin wurde der Einlagensicherungsfonds der Branche gegründet.

Internet: www.bafin.de/presse/pm06/060802h.htm

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