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Den Banken in München und Bayern geht es gut – aber die Häuser stehen auch vor Herausforderungen hinsichtlich Digitalisierung und Regulierung.

Rahmenbedingungen

Bankenlandschaft befindet sich im Umbruch

Die anhaltenden Niedrigzinsen der Europäischen Zentralbank belasten zunehmend die Bilanzen der Banken. Gleichzeitig müssen sie sich für die digitale Zukunft rüsten und neue gesetzliche Herausforderungen meistern.

Die Aussage klingt entspannt: „Unseren Banken geht es gut: Das Vertrauen der Kunden ist groß, und es fließen immer mehr Einlagen auf die Konten der Banken“, betont Silke Wolf. „Allerdings ist es unseren Banken auch schon mal besser gegangen.“ Die Geschäftsführerin des Bayerischen Bankenverbandes, der die Interessen von 80 Privatbanken im Freistaat vertritt, weist vor allem auf eine Besonderheit hin. „Insbesondere unsere kleinen Finanzinstitute stehen gut da, weil sie sich entweder auf Nischen oder auf die regionale Präsenz konzentriert haben.“

So ganz entspannt blicken die Banken indes nicht in die Zukunft. Sie müssen aktuell gleich drei Herausforderungen bewältigen: Die anhaltende Niedrigzinsphase der Europäischen Zentralbank schmälert die Renditen, die Digitalisierung erfordert hohe Investitionen, gleichzeitig verschärft der Gesetzgeber im nächsten Jahr mit der Finanzmarkt-Richtlinie MiFID II die Regulierung nochmals.

„Viele Banken müssen in der aktuellen Situation einen Spagat bewältigen“, unterstreicht Silke Wolf. Ein gutes Beispiel dafür sind die Zahlungsströme der Sparer, die auf die Giround Tagesgeldkonten fließen. Das zeigt zwar, dass sie den Banken und ihren Einlagensicherungen vertrauen, nutzt den Instituten aber finanziell wenig: „Dieses Geld belastet die Banken, weil sie dafür Negativzinsen an die Europäische Zentralbank zahlen müssen.“ Strafzinsen für Sparer – das ist für die Branche aber nach wie vor undenkbar. „Unsere Branche ist sich einig, dass der normale Sparer nicht belastet werden soll. Aber keiner kann natürlich eine Garantie für die Zukunft geben“, ergänzt die oberste bayerische Banken- Repräsentantin.

Bei Firmenkunden und vermögenden Anlegern sind die Negativzinsen dagegen längst angekommen. Sie heißen nur nicht so: „Gebühren“ oder „Verwahrentgelt“ lauten die Bezeichnungen. „Etliche Banken sind mit diesen Kundengruppen im Gespräch, um zu klären, ob und wenn ja, wie man die Belastungen weitergeben kann.“

Das ist auch bitter notwendig, denn die Zinssituation zehrt viele Banken regelrecht aus. „Die Eigenkapital-Rentabilität der deutschen Banken steht unter Druck – auch im Vergleich zu anderen europäischen Banken oder USBanken“, beklagt die Geschäftsführerin. Dem Wettbewerb hat das noch nicht geschadet, im Gegenteil: Deutschland zählt in Europa zu den Ländern mit einem ausgeprägten Banken- Wettbewerb.

Warum aber leiden deutsche Banken stärker?

Etwa weil die europäischen Gesetze hierzulande in der Regel besonders penibel ausgelegt werden? Die Verbandsgeschäftsführerin widerspricht in dieser Hinsicht nicht. Im Gegenteil: Sie sieht mit der neuen Finanzmarkt- Richtlinie MiFID II, die ab Anfang 2018 auch in Deutschland zur Anwendung kommt, weitere Herausforderungen auf Anleger und Banken zukommen. „Mit der Richtlinie bekommt der Verbraucherschutz im Finanzbereich eine neue Dimension“, prophezeit sie. Mehr noch: Sie könnte die gesamte Beratungslandschaft auf den Kopf stellen. Bislang ist es so, dass Beratungsleistungen einer Bank bei der Geldanlage mit einer Provision bezahlt werden, die in den meisten Anlageprodukten, wie etwa Fonds oder Zertifikaten, bereits enthalten ist.

Mit MiFID II wird das anders

„Es gibt nur noch wenige Fälle, in denen eine Provision abgerechnet werden kann – in jedem Fall nur dann, wenn es dem Wohle des Kunden dient“, erläutert Silke Wolf. Weil dies aber vom Berater nicht immer so einfach nachzuweisen sein wird, wird es nach ihrer Einschätzung zu deutlichen Veränderungen in der Anlageberatung kommen. Die meisten Institute würden nur noch Beratungsleistungen auf Honorarbasis anbieten können. Das werden sich aber viele Anleger nicht leisten wollen, ist sie überzeugt: „Wer ist denn als normaler Anleger bereit, für eine Beratung 120 Euro pro Stunde zu bezahlen – ohne zu wissen, ob man das empfohlene Produkt am Ende auch tatsächlich kauft?“

Bei vermögenden Anlegern gibt es jetzt schon Verschiebungen

Vermögende Anleger nehmen immer häufiger die Vermögensverwaltung der Banken in Anspruch, bei der der Bankberater nach den Anlegervorgaben die Anlageentscheidungen trifft. Abgerechnet wird dabei nach einem festen Prozentsatz und/oder erfolgsabhängigen Gebühren. Solche Leistungen sind allerdings nur Anlegern mit größeren Vermögen vorbehalten, oftmals ab dem Millionenbereich. Silke Wolf fürchtet, dass mit der neuen Richtlinie Kunden mit kleineren Vermögen perspektivisch von der Beratung ausgeschlossen werden. Als Beispiel führt sie die Niederlande und Großbritannien an: Dort existiert ein striktes Provisionsverbot. Dies aber habe dazu geführt, dass es etwa in der Altersvorsorge inzwischen klare Defizite gebe. „Wir sind uns mit den Verbraucherschützern einig, dass Online-Lösungen und Fintechs für bestimmte Anleger an Bedeutung gewinnen werden. Bei Altersvorsorgeprodukten ist dies allerdings eher schwierig.“ Ein Thema, das auch beim 4. Finanzforum „Privatbanken“ von Münchner Merkur tz einen breiten Raum einnahm.

Noch sind einige Details bei MiFID II nicht geklärt – sie bereiten den Banken auch in der praktischen Umsetzung Kopfzerbrechen. Eine einfache Wertpapier-Order per Telefon etwa könnte zu einer Herausforderung werden. Denn das neue Gesetz verlangt, dass das Telefonat des Kunden mit seiner Bank von der Bank aufgezeichnet werden muss; zusätzlich müssen dem Anleger vor Erteilung seiner Order die Angaben zu sämtlichen Kosten auf einem Datenträger zugestellt werden. „Wir fragen uns, wie das unsere Banken rein technisch bewerkstelligen sollen – zumal rund 90 Prozent aller Wertpapier-Order telefonisch erteilt werden.“

Kein Wunder, dass insbesondere die ITAbteilungen der Banken in erster Linie damit beschäftigt sind, die regulatorischen Vorgaben umzusetzen. Nicht einfach in einer Zeit, in der parallel die Digitalisierung fortschreitet und mit Fintechs neue, digitale Finanzdienstleister auf dem Markt auftauchen. Der Bankenverband sieht sie als Bereicherung: „Viele unserer Banken haben sogar Fintechs gekauft oder kooperieren mit ihnen. Wir sehen hier viele Vorteile für die Kunden. Allerdings reicht es auf Dauer nicht aus, eine schicke App zu programmieren: Viele Fintechs werden in Zukunft eine Banklizenz oder eine Kooperation mit einer Bank benötigen.“

Bei aller digitalen Euphorie hat auch die klassische Bankfiliale nicht ausgedient. Im Gegenteil: In einer Umfrage des Bankenverbandes widersprechen neun von zehn Befragten der Aussage, dass Banken heutzutage keine Filialen mehr bräuchten. Und beim Einkauf im Geschäft ist das beliebteste Zahlungsmittel noch immer nicht das Plastikgeld und schon gar nicht das Bezahlen per Handy: 41 Prozent der Kunden zahlen am liebsten mit Bargeld.

Von José Macias

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