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Unter den europäischen Immobilienmärkten erfreut sich derzeit vor allem Deutschland großer Beliebtheit bei Investoren. Sie schätzen die Stabilität und die Wachstumsperspektiven.

Gewerbeimmobilienmarkt

Deutschland überholt Großbritannien

Die Brexit-Entscheidung wirkt sich auf den Immobilienmärkten aus. Deutschland hat Großbritannien bei Immobilienkäufen und -verkäufen überholt.

Die Brexit-Entscheidung wirkt sich auf den Immobilienmärkten aus. Deutschland hat Großbritannien bei Immobilienkäufen und -verkäufen überholt.

Investoren schätzen den deutschen Immobilienmarkt. Das zeigen jetzt auch wieder Zahlen, die das Immobilienberatungsunternehmen Cushman & Wakefield vorgelegt hat. Danach setzt sich ein Trend fort, der bereits im vergangenen Jahr dafür sorgte, dass Deutschland vor Großbritannien bei Immobilientransaktionen auf Platz eins landete. In den ersten drei Monaten dieses Jahres wechselten hierzulande Gewerbeimmobilien im Wert von 16 Milliarden Euro ihre Besitzer. Großbritannien erreichte nach den Erhebungen von Cushman & Wakefield 11,3 Milliarden Euro. Bereits 2016 ist Deutschland mit einem Handelsvolumen im Immobilienmarkt von 60,2 Milliarden Euro an Großbritannien vorbeigezogen (59,9 Milliarden Euro), wie eine Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zeigt.

„Mit einem phänomenal starken ersten Quartal hat der deutsche Investmentmarkt seine hohe Attraktivität für nationale und internationale Investoren erneut unter Beweis gestellt“, kommentiert Yvo Postleb, Deutschlandchef von Cushman & Wakefield, diese Zahlen, und Alexander Kropf, Head of Capital Markets Germany bei dem Beratungsunternehmen, fügt hinzu: „Offenbar erweist sich Deutschland für Investoren angesichts der erwarteten, wenn auch aktuell kaum ansatzweise zu beziffernden, wirtschaftlichen Auswirkungen von Großbritanniens Brexit-Entscheidung auf Europa als der im Vergleich deutlich sicherste Hafen.“

Der Brexit allein erklärt den Boom noch nicht. Auch die Fundamentaldaten für den deutschen Markt stützen – so die Immobilienspezialisten – diese Entwicklung. Für Deutschland rechnen Marktbeobachter mit einem Wirtschaftswachstum von jährlich knapp 1,2 Prozent, einem Zuwachs bei den Beschäftigten von jährlich knapp 0,2 Prozent und einem Anstieg der Einzelhandelsumsätze von jährlich 0,9 Prozent für die nächsten fünf Jahre (2017 bis 2021). Damit bestätige Deutschland seine Position als stabiler Wirtschaftsstandort, heißt es in der Mitteilung von Cushman & Wakefield.

Bei einem genaueren Blick ins Land fällt den Spezialisten Berlin auf. Für die Jahre 2017 bis 2021 erwartet das Beratungsunternehmen dort einen außerordentlich starken Büroimmobilienmarkt, „die Mieten werden in diesem Zeitraum um 3,6 Prozent jährlich ansteigen“, heißt es. Auf Rang 2 liege Frankfurt mit jährlichen Steigerungsraten von 1,6 Prozent, gefolgt von München mit 1,1 Prozent.

Auch im Segment der Handelsimmobilien ist Berlin stark, hier prognostiziert Cushman & Wakefield einen Anstieg der Marktmieten um jährlich 1,6 Prozent im Fünfjahreszeitraum 2017 bis 2021 (Hamburg 0,6 Prozent, München 0,5 Prozent, Düsseldorf, Köln und Frankfurt jeweils 0,3 Prozent).

Fasst man die drei Sektoren Büro, Einzelhandel und Logistik zusammen, ergibt sich nach Berechnung der Experten, dass die Spitzenmieten in Deutschland in den nächsten fünf Jahren um jährlich rund 1,1 Prozent steigen werden. Damit verlaufe die Entwicklung zwar leicht unter dem europäischen Durchschnitt (1,2 Prozent), aber oberhalb der Entwicklung von Großbritannien (ein Prozent) und gleichauf mit Frankreich.

Eine Trendwende bei den Renditen erwarten die Experten ab 2020. 2017 werde das vorerst letzte Jahr sein, in dem die Spitzenrenditen auf breiter Front gegenüber dem Vorjahr sinken werden. Bei unverändert hoher Nachfrage nach Anlageprodukten dürften Investoren die für 2020 erwartete Zinswende bei der EZB bereits vorab einpreisen. Bei den Immobilienrenditen wird nach Prognose von Cushman & Wakefield eine Seitwärtsbewegung einsetzen, bevor mit einem steigenden EZB-Zins dann auch die Immobilienrenditen schrittweise steigen werden.

Von Jürgen Grosche

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