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Dr. Hubert-Ralph Schmitt, Vorstand der Bank Schilling.

Leserthema "Privatbanken"

„Keine unnötigen Experimente“

„Aktien bleiben die beste aller Anlageformen“, ist Dr. Hubert-Ralph Schmitt, Vorstand und Alleininhaber der Bank Schilling, überzeugt. Denn mit klassischen Zinsprodukten könnten Anleger kaum noch positive Erträge erzielen.

„Es gibt immer noch Anleger, die nach zweistelligen Renditen per annum fragen. Möglichst risikofrei natürlich“, erzählt Hubert-Ralph Schmitt. Der Vorstand und Alleininhaber der Bank Schilling kann sich zwar ein Schmunzeln angesichts solcher Anfragen nicht verkneifen, doch er wirkt auch nachdenklich. Er weiß, dass der Grund dafür, dass das Wort Rendite nicht immer mit einem positiven Vorzeichen versehen ist, wenn es um Geldanlagen geht, alles andere als lustig ist. Denn es sind merkwürdige Zeiten. Die Bundesbank gibt Anleihen ohne Zinskupon heraus und verkauft sie für mehr als 100 Prozent des Nennwertes. Spanien und Italien platzieren sogar Staatsanleihen mit Negativzins am Markt. Mit anderen Worten: Gläubiger zahlen mittlerweile dafür, wenn sie Staaten Geld leihen. Anleger bezahlen das reuelose Schuldenmachen der Staaten mit Verzicht auf nachhaltige, positive Renditen.

Das ist nicht nur für Sparer ein Problem, sondern auch eine Herausforderung für Vermögensverwalter. „Wer in diesen Zeiten viel verspricht, wird wenig davon halten können“, sagt Hubert-Ralph Schmitt. Zwar biete die Finanzindustrie einiges an sogenannten innovativen Produkten, mit denen sich höhere Renditen erwirtschaften lassen als mit klassischen Zinsanlagen. „Da sind auch Produkte dabei, die vor drei oder vier Jahren angesichts der schlechten Erfahrungen aus der Finanzkrise noch völlig undenkbar waren“, so Schmitt. Doch das sei eben das Problem: Jede höhere Stelle vor oder nach dem Komma sei eben auch mit einem höheren Risiko versehen.

Die Bank Schilling bleibt deshalb bei einfachen Lösungen und setzt dabei vor allem auf Direktinvestitionen in den Aktienmarkt. „Wir investieren für

unsere Kunden gut diversifiziert in europäische Standardwerte. Das ergänzen wir mit ausgewählten Fonds und Versicherungslösungen. Aber das Portfolio muss überschaubar bleiben. Wenn es um das Geld unserer Kunden geht, machen wir keine unnötigen Experimente“, erklärt Schmitt. Es mache keinen Sinn, mithilfe von Finanzprodukten das Risiko-/ Chancen-Profil von Indizes, Aktien oder Anleihen künstlich zu verschieben. Die Anlagestrategie müsse einfach und auch für den Kunden leicht nachzuvollziehen sein. „Denn als Vermögensverwalter geht es nicht nur um die Optimierung von Finanzmarktrenditen, sondern vor allem um Vertrauen. Da begleitet man Kunden nicht nur durch Marktturbulenzen, sondern hält auch mal bei anderen Gelegenheiten das Händchen“, so Schmitt.

Dass die Rendite für die Kunden der Bank trotzdem immer noch stimmt, ist zum Teil auch der Tatsache geschuldet, dass Schmitt Direktinvestitionen empfiehlt. Diese bieten unter dem Strich Kostenvorteile gegenüber Finanzprodukten, in denen auch immer – mehr oder weniger sichtbar – Gewinnmargen für deren Emittenten stecken. Dieser Kostenvorteil zahlt sich gerade jetzt aus – in Zeiten, in denen es auf jede Stelle hinter dem Komma ankommt.

Zwar sind Aktien im Vergleich zu anderen Anlageklassen vergleichsweise volatil, doch dass sie die attraktivste Alternative für eine langfristige Geldanlage sind, lasse sich gut kommunizieren, wenn man seine Kunden überzeugend in allen Phasen des Vermögensaufbaus betreue, erklärt Schmitt. Das A und O professioneller Vermögensverwaltung sei ohnehin die individuelle Betreuung der Kunden durch Berater, die über Jahre hinweg vertrauensvolle Ansprechpartner seien. Nicht zuletzt deshalb ist Schmitt stolz auf die geringe Personalfluktuation in seiner Bank. „Jeder Dritte unserer Mitarbeiter ist bereits 15 Jahre und länger bei uns “, so Schmitt.

Matthias von Arnim

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