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Franz Josef Pschierer Staatssekretär im Bayerischen Wirtschaftsministerium.

Mittelständische Unternehmen

Überzogene Regulatorik: Mehr stärken, weniger regulieren

Franz Josef Pschierer, Staatssekretär im bayerischen Wirtschaftsministerium, beklagt jedoch die überzogene Regulatorik und Defizite bei der Eigenkapitalausstattung der mittelständischen Unternehmen.

Der Staatssekretär hat an diesem Abend Zeitnot. Eigentlich Normalzustand im bayerischen Wirtschaftsministerium. Der Wirtschaft im Lande geht es heuer zwar gut, aber Franz Josef Pschierer ist einer, der weiß, dass es immer noch ein wenig besser geht. Der Finanzplatz München und Bayern ist unser Thema an diesem Abend – es ist dem CSU-Landtagesabgeordneten auf den Leib geschnitten. „Wir sind ein starker Finanzplatz mit über 70.000 Beschäftigten allein in München: Bei den Versicherungen ist Bayern Finanzplatz Nummer eins, bei den Banken ist der Freistaat an zweiter Stelle gut positioniert.“

Die Argumente hat der Wirtschafts-Staatssekretär jedenfalls auf seiner Seite, und er gerät unweigerlich ein wenig ins Schwärmen, wenn er aufzählt, welche Position sich der Finanzplatz Bayern inzwischen erkämpft hat. Hierzulande gibt es etwa eine rührige Finanzplatz München-Initiative (zum Vergleich: So etwas hat Nordrhein-Westfalen nicht!). „Außerdem haben die Versicherungen jüngst die FinTech- Offensive insuretec gestartet“, unterstreicht Pschierer.

Und legt gleich noch einige weitere Fakten obendrauf: Rund ein Drittel der Wertschöpfung des Finanzsektors in Deutschland wird in Bayern erwirtschaftet, kein anderer Standort in Deutschland steckt so viel Geld in die Digitalisierung und keine andere Stadt verfügt über so viele Dax-Unternehmen wie München. Besonders stolz ist Franz Josef Pschierer, dass auch andere Finanzdienstleister die Bedeutung des Standortes erkannt haben. So gab der zweitgrößte Versicherer, die Generali Deutschland, im vergangenen Jahr bekannt, seine Zentrale von Köln nach München zu verlegen.

„Banken und Versicherungen sind nicht nur für Privatkunden wichtig, eine gesunde Finanzwirtschaft muss die Kreditversorgung und die Versorgung in der Fläche vor allem für unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen sicherstellen“, unterstreicht er. Er schwört auf die Dreiteilung des deutschen Finanzsystems, das er mit Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken „für das bessere System“ hält. „Unsere Wirtschaft ist vor allem langfristig kreditfinanziert: Dreiviertel aller Kredite haben eine Laufzeit von über fünf Jahren.“ Verlässlichkeit, Planungssicherheit und eine gesunde wirtschaftliche Basis gerade für die vielen kleinen Unternehmen im Freistaat – das liegt ihm besonders am Herzen. Pschierer verweist auf die bekannten Erfolgsprogramme der Staatsregierung: Mittelstandskreditprogramm, die Unterstützung durch die staatliche LfA Förderbank Bayern mit ihrem breiten Förderangebot, und, und, und.

Dennoch ist der Staatssekretär rastlos, wenn es darum geht, die Errungenschaften zu erhalten und auszubauen. Denn es gibt auch Defizite. „Im Start-up-Bereich hatten wir zum Beispiel Nachholbedarf. Wir brauchen insgesamt mehr Wagniskapital für bayerische Unternehmen.“ Das ist eine der Achillesfersen der deutschen, mittelständisch geprägten Wirtschaft. „Es ist in Deutschland nicht ganz einfach, Eigenkapital zu bilden. Wir müssen daher weiter daran arbeiten, die Rahmenbedingungen zu verbessern.“

Zwar habe der bayerische Mittelstand in den letzten Jahren seine Eigenkapitalbasis nachhaltig gestärkt, doch nun kommt eine weitere Hürde auf die Wirtschaft zu – das Nachfolgeproblem: „In den kommenden Jahren stehen in Bayern über 22.000 Betriebe vor einem Generationenwechsel beziehungsweise vor einer Übergabe“, konstatiert Pschierer. Er ist deshalb daran interessiert, dass eine gesunde Bankenlandschaft im Freistaat erhalten bleibt. Und, mit Blick auf die Diskussion um die Erbschaftsteuer: „Wir wollen, dass Betriebsvermögen weiter privilegiert wird. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das einmalige Kassieren der Erbschaftsteuer, sondern der Erhalt von Arbeitsund Ausbildungsplätzen.“ Auch die Sorgen der Finanzwirtschaft hat Franz Josef Pschierer im Blick und kritisiert: „Die Regulatorik im Finanzbereich ist überzogen: Sie liefert längst keinen Mehrwert für die Privat- und Firmenkunden, sondern schmälert die Ertragslage der Banken und führt damit zu einer Verteuerung von Krediten.“

José Macias

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