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Ohne Aktien ist eine erfolgreiche Vermögensverwaltung nicht möglich. Das ist ein Ergebnis der Diskussion über die Geldanlagemöglichkeiten in Zeiten des niedrigen Zinses beim 4. Finanzforum „Privatbanken“.

Privatbanken

Vermögensverwaltung: "Viele Kunden sind momentan vorsichtig"

Unsichere Märkte, niedrige Zinsen, höheres Risiko: Die Vermögensverwaltung ist heutzutage kein Selbstläufer mehr.

Strukturen müssen ständig überwacht und gegebenenfalls angepasst werden. Und umso mehr kommt es auf die Kompetenzen der Privatbanken als enge Berater der Kunden an.

„Die Kapitalmärkte sind weiterhin unsicher und fragil, und ein realer Kapitalerhalt, der den Wünschen der allermeisten Kunden entspricht, ist ohne Sachwerte wie Aktien nicht möglich.“ So fasst Stefan Vollherbst von Oddo BHF die aktuelle Situation an den Märkten zusammen. Eine Haltung, die die übrigen Teilnehmer des 4. Finanzforums „Privatbanken“ von Münchner Merkur tz durchaus teilen. „Wir verfolgen eine zukunftsorientierte Anlagestrategie. Sprich, wir investieren in dividendenstarke, günstig bewertete Qualitätsaktien und setzen auf Unternehmen, die jetzt und in Zukunft zu den Gewinnern gehören, um den bestmöglichen Anlageerfolg zu erzielen“, erläutert Jürgen Wörl (Julius Bär).

Martin Huber von der Deutschen Bank erwartet keine schnelle Zinswende, vor Mitte 2019 werde es damit nichts werden – und dann werde diese Erhöhung auch eher moderat ausfallen. „Ein realer Kapitalerhalt ist damit nur mit gesteigertem Risiko möglich, es kommt mehr denn je auf eine breite Aufstellung an.“ Diese Aufstellung, betont Dr. Hubert- R. Schmitt (Bank Schilling), dürfe aber nicht dazu führen, dass viele komplexe Konstruktionen in den Depots vorhanden sind. „Aktien und kurzlaufende Rente, verteilt auf viele Töpfe, das ist für uns aktuell eine sinnvolle Strategie.“

„Insbesondere in dem aktuellen Marktumfeld müssen wir unseren Kunden zusätzliche Alternativen bieten. Wir haben beispielsweise unser Angebot um regelbasierte Total Return-Strategien erweitert“, fügt Andrea Wutscher (Bankhaus Lampe) hinzu.

Dass die Diversifikation breiter und riskanter werden müsse, weiß auch Michael Krume (Merck Finck). Gerade institutionelle Kunden wie Stiftungen, Versorgungskassen etc. seien auf einen stabilen Cash Flow angewiesen. Krume warnt in dem Zusammenhang jedoch vor einem Blasenrisiko in manchen rentierlichen Anlageklassen wie Private Equity und Private Debt, also private Fremdfinanzierungen.

„Das Bankhaus Herzogpark schützt das Vermögen seiner Kunden, indem es sich intensiv mit der Branche und dem Geschäftsmodell der Unternehmen auseinandersetzt, in die es im Rahmen der Vermögensverwaltung investiert. Bei einer sehr breiten Diversifikation ist dies allerdings kaum möglich. Die Erfahrung hat gezeigt, wenn es stark nach unten geht, sind fast alle Asset-Klassen korrelliert“, entgegnet Dr. Reiner Krieglmeier. Stefan Geib, Commerzbank, hält die Allokation in Wertpapiere jedoch nur für einen Teil. Die Streuung über alle Anlageklassen hinweg sei der Mehrwert im Private Banking. „Viele Kunden sind momentan vorsichtig und halten viel Liquidität. An dieser Stelle müssen wir zielgerichtet beraten und die richtigen Instrumente für die Geldanlage finden.“ Auch Kurt Halmburger von der Bethmann Bank gibt zu bedenken, dass bei Aktien immer auch Vorsicht geboten sei. Der Fokus im Private Banking sei der professionelle Umgang mit der zuvor identifizierten individuellen Risikoneigung – gerade in Zeiten, in denen diese Risiken erhöht werden müssten, um noch adäquate Ergebnisse zu erreichen. Welche Risiken der Kunde ertragen könne, diese Frage steht für Hubert Weigand (Deutsche Bank) im Vordergrund. Darauf aufbauend könnten erst die konkreten Schritte in der Vermögensverwaltung abgeleitet werden.

Zugleich sagt Thomas Nerlinger von Donner & Reuschel, dass das erste Halbjahr grundsätzlich besser gelaufen sei als von vielen erwartet. Dies sei durch ausbleibende negative politische Ereignisse sowie positive Konjunkturdaten bedingt. Aktien blieben um Rendite zu erzielen alternativlos. Ebenso alternativlos sei in diesen Zeiten der enge Kontakt zu den Kunden, das heißt ein klares Leistungsversprechen der Privatbank hinsichtlich Bedarfsanalyse, Risikoanalyse, Lösungsfindung und persönlicher Begleitung. Dass in Zeiten des Niedrigzins’ sich der Blick der Kunden mehr auf die Portfoliostrukturierung im Ganzen als auf die Einzeltitelauswahl richte, beobachtet Christian Janas (UBS). „Der Berater dient als Sparringspartner des Vermögenden.“

Thomas Jäger von Hauck & Aufhäuser plädiert dazu, dem Kunden zu verdeutlichen, dass Vermögenserhalt in manchen Phasen schlicht nicht möglich sei und dass man auch Verluste in Kauf nehmen müsse. „Das ist manchmal ein steiniger Weg in den Kundengesprächen.“ Apropos Gespräche: Murat Sentürk (DZ Privatbank) plädiert dafür, mit den Kunden genau über Sicherheit und Risiko zu sprechen und Assetklassen und Strukturen genau zu erläutern. „Eines der großen Ziele ist es, die Depots so einfach wie möglich zu strukturieren.“

Von Patrick Peters

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