Private Equity: Traumrenditen kommen meist nicht an

- Sie werden von vielen "Heuschrecken" genannt und treten häufig an Verhandlungstischen auf: Kapitalbeteiligungsgesellschaften, die vom Geschäft mit Firmenkäufen leben. Von den Renditen der so genannten Private-Equity-Fonds profitierten lange nur Großinvestoren, doch nun lockt die Branche auch Privatanleger. Experten sind skeptisch.

Private-Equity-Gesellschaften sammeln außerbörsliches Kapital zum Teil in Milliardenhöhe. Damit kaufen sie Unternehmen, päppeln sie auf und steigen nach einem Börsengang oder durch einen Weiterverkauf mit viel Profit wieder aus. So lief es etwa beim Fernsehsender Premiere.

Prinzip Dachfonds

Kleinanleger können nicht direkt in die Beteiligungspools großer "Firmenjäger" wie KKR oder Apax einsteigen: Diese fordern sechs- bis siebenstellige Beträge. Stattdessen gibt es geschlossene Dachfonds, die die Anlegergelder für eine feste Laufzeit auf unterschiedliche Zielfonds aufteilen. "Das Angebot wächst rasant", sagt Detlef Mackewicz vom Beratungsunternehmen Avida Advisers in München. Dachfonds-Anbieter wie Innoventure, RWB oder HCI bieten Anlegern die Möglichkeit, mit Summen ab 1000, 2000 oder auch 15 000 Euro ins Private-Equity-Geschäft einzusteigen. Auch monatliche Sparpläne sind möglich. Zu den ersten deutschen Unternehmen, die solche Dachfonds auflegten, zählte das Unternehmen MPC in Hamburg.

Zwölf Prozent Rendite erzielt die Branche derzeit im Schnitt. Im historischen Vergleich erwirtschaften Private-Equity-Fonds pro Jahr drei bis fünf Prozent mehr als Aktienanlagen und weisen geringere Schwankungen auf, sagt Stefan Jugel von der Fachhochschule Wiesbaden.

Die Erfolgsbestätigung deutscher Dachfonds steht jedoch noch aus: Bisher hat noch keiner die volle Laufzeit beendet. Experten wie Jugel und Mackewicz bezweifeln, dass hohe zweistellige Renditen erreicht werden. Denn das Einsammeln kleiner Beiträge von vielen Anlegern führe zu höheren Kosten etwa für die Verwaltung als bei Einzelfonds.

Problem Kostenfalle

Bei manchen Private-Equity-Fonds für Privatanleger sind die Kosten so hoch, dass nur drei Viertel des Anlegergeldes in die Investition fließen, teilt "Finanztest" (Ausgabe 10/2005) mit. Die Experten warnen vor vier von elf geprüften Angeboten (siehe Kasten). Gerade Sparpläne erwiesen sich als Kostentreiber.

Lange Bindung

Private-Equity-Produkte sind nichts für schwache Nerven: Das Geld ist Jahre lang gebunden, ein vorzeitiger Ausstieg nicht vorgesehen. Höhere Renditechancen werden mit dem Risiko eines Totalverlusts bezahlt. "Die Unterschiede zwischen sehr guten und sehr schlechten Fonds sind bei Private Equity besonders groß", sagt Stefan Jugel.

Urteil schwierig

Der Erfolg hängt stark von den Fondsmanagern ab. In was investiert wird, steht zudem vorher selten fest. Die Qualität sei daher "für die meisten Privatanleger kaum zu beurteilen", sagt Detlef Mackewicz von Avida Advisers. Markterfahrung und einen ausreichenden Spargroschen vorausgesetzt, sollte Private Equity eine Beimischung von maximal zehn Prozent der gesamten Anlagesumme ausmachen.

Alternativen

Anlegern, die weniger Geld auf der hohen Kante haben und dennoch in Private Equity einsteigen wollen, empfiehlt Mackewicz Zertifikate, die sich am "LPX-Index" orientieren. Er umfasst die wichtigsten Private-Equity-Firmen. Eine Alternative ist der Kauf einzelner Aktien von börsennotierten Beteiligungsgesellschaften.

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