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Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Sparzinsen sind im Keller - bei vielen Verbrauchern in Deutschland sitzt daher das Geld locker. Foto: Boris Roessler/Archiv

Privater Konsum steigt wie seit 2000 nicht

Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Sparzinsen im Keller - bei vielen Verbrauchern in Deutschland sitzt daher das Geld locker. Konsumverzicht war vorgestern.

Wiesbaden (dpa) - Die Menschen in Deutschland haben im vergangenen Jahr so viel Geld für Konsum ausgegeben wie schon lange nicht mehr. Den Schwerpunkt legten sie dabei nicht auf große Anschaffungen, sondern auf flüchtige Vergnügungen.

So trugen sie deutlich mehr Geld als im Jahr zuvor in Gaststätten und Restaurants, Hotels und Pensionen (plus 6 Prozent). Einrichtungsgegenstände und Haushaltsgeräte ließen sie sich 3,4 Prozent mehr kosten. Die Ausgaben für Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe stiegen vor allem wegen niedriger Heizölkosten nur um 1,1 Prozent.

Die Konsumausgaben seien 2015 insgesamt so stark gestiegen wie seit 15 Jahren nicht, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag anlässlich des Weltverbrauchertages mit. Im Vergleich zum Vorjahr lag das Plus bei 1,9 Prozent. Das war der stärkste Zuwachs seit dem Jahr 2000 (plus 2,1 Prozent).

Vor allem der stabile Arbeitsmarkt und die weiter wachsende Nachfrage nach Arbeitskräften wirken sich nach Angaben des Marktforschungsunternehmens GfK derzeit positiv auf den Konsum aus. Wegen der extrem niedrigen Sparzinsen sitzt außerdem bei vielen Menschen das Geld locker. Auch der geringe Anstieg der Verbraucherpreise beflügelt die Kauflaune. Gemessen in jeweiligen Preisen - also einschließlich der Inflation - stiegen die privaten Konsumausgaben 2015 um 2,6 Prozent auf 1,63 Billionen Euro. Ökonomen erwarten, dass der Privatkonsum auch dieses Jahr die Konjunktur in Deutschland ankurbelt. 

Zu den noch offenen Streitfragen in Sachen Konsum zählt die Kennzeichnung von Lebensmitteln. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt sprach sich zum Weltverbrauchertag strikt gegen eine Ampelkennzeichnung aus. "Sie ist eine unzulässige Vereinfachung und klärt nur scheinbar über den gesundheitlichen Wert des Lebensmittels auf: Ein Orangensaft wäre zum Beispiel, was den Zuckergehalt angeht "rot", eine Diät-Limonade "grün"", sagte der CSU-Politiker. Wenn es um die individuellen Ernährungsgewohnheiten gehe, dürfe der Staat "nicht in die Kochtöpfe der Verbraucher hineinregieren", fügte er hinzu. Schmidt sagte: "Ich kann nicht per Verordnung dafür sorgen, dass die Menschen mehr Spinat und weniger Chips essen." Transparenz und Information seien kein Selbstzweck. Ein Zuviel an Information überfordere die Konsumenten.

Die verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Elvira Drobinski-Weiß, zeigte sich erstaunt über die Kritik des Ministers an der Nährwertampel. Sie sagte: "Nur die Ampel macht die Produkte auf einen Blick vergleichbar."

Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband befürwortet die Ampelkennzeichnung. "Bundesminister Christian Schmidt muss "Klarheit und Wahrheit" im Sinne der Verbraucher durchsetzen", forderte der Verband. Dies erfordere umfangreiche Reformen - auch gegen Widerstände aus der Wirtschaft.

Schmidt betonte, die Politik habe dafür gesorgt, dass Lebensmittel in Deutschland heute so sicher seien wie nie zuvor. Die Vorsitzende des Bundestags-Ausschusses für Verbraucherschutz, Renate Künast (Grüne), sieht das anders. Sie sagte: "Da ist in den letzten Jahren sehr wenig passiert. Mehr Sicherheit setzt die massive Reduzierung von Tierarzneimitteln und Pestiziden voraus."

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