Private Krankenkassen: Billigtarif kann teuer werden

München - Viele privat Krankenversicherte ächzen unter der Last steigender Beiträge. Der oft einzige Ausweg sind Billigtarife, die ihre Versicherer anbieten. Doch Vorsicht: Der Preis für niedrige Beiträge sind oft gefährliche Leistungslücken.

Mit einer privaten Krankenversicherung mehrere tausend Euro im Jahr sparen - das verspricht die Werbung. Die Stiftung Warentest hat sich besonders billige Tarife angesehen und warnt in ihrer Zeitschrift Finanztest vor gefährlichen Leistungslücken. Alle, die sparen wollen oder müssen, können ihre Beitragslast reduzieren, indem sie ihren Versicherungsschutz auf das Niveau der gesetzlichen Kassen herunterfahren. So riskieren sie keine gefährlichen Lücken im Versicherungsschutz.

Krankenhaus

Mehrbettzimmer und Behandlung durch die diensthabenden Ärzte statt Ein- oder Zweibettzimmer mit Chefarztbehandlung. Keine reinen Privatkliniken, sondern nur Krankenhäuser, die auch Verträge mit Kassen haben.

Zahnarzt

Begrenzte Erstattung für Zahnersatz, beispielsweise 65 Prozent. Keine Kostenerstattung für Inlays und Implantate, für die auch gesetzliche Kassen wenig zahlen.

Sehhilfen

Keine Zuschüsse für Brillen oder Kontaktlinsen - auch die gesetzlichen Kassen zahlen für Erwachsene nur in Ausnahmefällen.

Medikamente

Selbstbeteiligung, wenn ein teures Originalpräparat statt eines wirkstoffgleichen Nachahmerprodukts gewählt wird.

Heilpraktiker

Wie in der gesetzlichen Krankenversicherung keine Kostenübernahme für Heilpraktikerbehandlungen.

Arzt

Der Versicherte muss zuerst einen Arzt für Allgemeinmedizin aufsuchen. Geht er stattdessen direkt zum Facharzt, übernimmt die Versicherung je nach Tarif nur 60 bis 80 Prozent der Kosten. Übliche Ausnahmen sind Frauen-, Augen-, Kinderarzt, Not- oder Bereitschaftsarzt.

Selbstbehalt

Eine weitere beliebte Methode, um Beiträge zu senken, sind Selbstbehalte: Patienten tragen ihre Behandlungskosten bis zu einer bestimmten Summe pro Jahr selbst. Doch auch wenn ein Kunde den Selbstbehalt zunächst nicht spürt, weil er gesund ist, sollte er die jährliche Summe durch zwölf teilen und zum monatlichen Beitrag addieren. Denn früher oder später kann jeder Mensch Behandlungskosten von mehreren tausend Euro im Jahr haben. Ist jemand ernsthaft erkrankt, kann er den Selbstbehalt nachträglich nicht mehr reduzieren. Oft ist ein Tarif mit höherem Selbstbehalt trotzdem noch günstiger als einer mit geringem. Das gilt zumindest für Selbstständige. Arbeitnehmer müssen anders rechnen, da ihr Arbeitgeber sich zwar am Beitrag beteiligt, nicht jedoch am Selbstbehalt. Sie müssen den Beitrag halbieren und zu ihrem Anteil den durch zwölf geteilten Selbstbehalt dazuzählen, um vergleichen zu können. Versicherte sollten sich in jedem Fall genau überlegen, welches Risiko sie eingehen. Leistungen im Krankheitsfall nachzuversichern, ist nicht möglich.

Beispiele für Tarife mit gefährlichen Lücken

Allianz: Aktimed Start

Axa: EL Bonus N

Bayer. Beamtenkrankenkasse/UKV: GrundschutzPrivat, CompactPrivat/S

Central: KEH, VS 333S2

(Vario), VS 333S3 (Vario)

Continentale: Economy

Debeka: BSS

Deutscher Ring: Classic

DKV: Vollmed SMB, Bestmed BM1/BM2, BS5, BS9, K2B

HanseMerkur: KVG, KVE

Huk Coburg: E

LKH: G3

Mannheimer: VSB300

Münchener Verein: 190, 195

R+V: Agil Classic EP

Universa: Introprivat-S

Württembergische: ESN

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