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Private Krankenversicherung: Strategien gegen höhere Beiträge

München - Schlechte Nachricht für Millionen Privatversicherte: Um bis zu 30 Prozent steigen die Prämien zum Jahreswechsel. Welche Möglichkeiten es gibt, dem Tarifsprung zu entkommen, zeigt unser Überblick.

Für viele Privatversicherte ist es schon die zweite schmerzhafte Beitragsanhebung innerhalb von zwölf Monaten. Bereits Anfang des Jahres hatten mehrere Versicherungen die Prämien deutlich erhöht. Der Grund: Die private Krankenversicherung (PKV) leidet wie die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) unter den kräftigen Ausgabensteigerungen. Im Gegensatz zur GKV haben die Privatkassen jedoch bisher Sparmaßnahmen vermieden.

Arzneiausgaben als Kostentreiber

Stärkster Kostentreiber bei den Privaten sind die Arzneimittelausgaben. Sie stiegen 2009 um stolze 4,8 Prozent. Die Arzthonorare legten um 3,6 Prozent zu. Ein kräftiges Plus gab es mit 4,7 Prozent auch bei den Krankenhauskosten. Insgesamt kletterten die Ausgaben der privaten Krankenversicherung um 4,6 Prozent. Doch nicht nur die steigenden Kosten treiben die Prämien nach oben. Auch den demografischen Wandel bekommen die Privaten zunehmend zu spüren.

Bei der Anpassung der Prämien haben die Versicherungen wenig Spielraum. Das Gesetz schreibe vor, dass die Beiträge neu kalkuliert werden müssten, „wenn die tatsächlichen Ausgaben in einem Jahr um mehr als zehn Prozent von den prognostizierten Ausgaben abweichen“, erklärt Jens Wegner vom Verband der privaten Krankenversicherung. Grundsätzlich muss jede Anhebung von einem Treuhänder abgesegnet werden.

Ob und wie stark sich die Prämien verteuern, hängt allerdings vom eigenen Tarif ab: Wie ist die Altersverteilung? Gab es zuletzt Beitragserhöhungen? Und wurden bei der Auflegung des Tarifs bereits künftige Kostensteigerungerberücksichtigt?

Tarifwechsel hilft, Prämien zu sparen

Wer in den letzten Wochen von seiner Versicherung eine Beitragserhöhung bekommen hat, sollte sich daher zunächst über einen Tarifwechsel bei seinem Anbieter informieren. Oftmals lässt sich dadurch bereits Geld sparen. „Die Versicherung darf für einen Tarifwechsel keinen Aufschlag berechnen“, betont Lars Gatschke, Versicherungsexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Besonders hoch ist das Einsparpotenzial, wenn man in einen Tarif mit weniger Leistungen wechselt oder den Selbstbehalt erhöht. Aber auch der Umstieg auf einen Tarif mit höheren Leistungen könne sich lohen, sagt Wegner. Allerdings ist für die zusätzlichen Leistungen eine Gesundheitsprüfung nötig. Wer die Untersuchung beim Arzt vermeiden möchte, kann dennoch in den Tarif wechseln. „Der Versicherte verzichtet dann eben auf die zusätzlichen Leistungen“, erläutert Wegner.

Seit 2009 müssen die Privatkassen auch den sogenannten Basistarif anbieten. Er orientiert sich am GKV-Leistungskatalog und darf maximal so teuer sein wie der Höchstbetrag der gesetzlichen Krankenversicherung (derzeit etwa 580 Euro im Monat). Der Basistarif steht allen Versicherten über 55 Jahren offen. Auch wer nach dem 1. Januar 2009 in die Privatversicherung gewechselt ist, kann den Tarif nutzen. Der Basistarif gilt in der Branche allerdings als teuer und unattraktiv. Vor einem Wechsel daher unbedingt über Alternativen informieren.

Einen weitaus besseren Ruf genießt der sogenannte Standardtarif. Ihn können Versicherte nutzen, die mindestens zehn Jahre privatversichert und über 55 Jahre alt sind. Ausnahme: Für Rentner im Vorruhestand gilt die Altersgrenze nicht.

Anbieter-Wechsel mit Hindernissen

Grundsätzlich kann auch ein Anbieterwechsel sinnvoll sein. Für langjährig Privatversicherte lohnt sich dies in der Regel nicht, weil sie ihre Altersrückstellungen nicht mitnehmen können. Wer erst seit dem 1. Januar 2009 privat versichert ist, hat dagegen das Recht, zumindest einen Großteil der Rücklagen fürs Alter zu bekommen.

Verbraucherschützer: Versicherte im Nachteil

Wie sich die Prämien-Anhebung errechnet, lässt sich für den Versicherten kaum nachprüfen. Verbraucherschützer Gatschke sieht die Versicherten daher im Nachteil: „Hier gibt es eine Schutzlücke.“ Die Verbraucherzentralen fordern daher, dass der PKV-Ombudsmann eine verstärkte Kontrollfunktion übernimmt. Der Verband der Privaten Krankenversicherung betont aber, dass sich Versicherte durchaus mit Beschwerden zur Beitragsanhebung an den Ombudsmann wenden können.

STEFFEN HABIT

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