Private Krankenzusatzversicherung: Ab 30 Euro kommt der Chefarzt

- Privatpatienten werden im Gesundheitswesen vielfach bevorzugt. Doch Kassenpatienten können ihren Status mit Zusatzversicherungen aufbessern. Wir erklären, wie das funktioniert.

Für Patienten der Regelfall: Bei der Terminvergabe beim Arzt wird gefragt, ob man gesetzlich oder privat versichert sei. Oder: Der Kassenpatient wartet auf seinen Kernspin-Termin vier Wochen, der Privatpatient kommt gleich am Tag nach dem Anruf dran. Gesetzlich Versicherte müssen um jedes Krankengymnastik-Rezept kämpfen, der Privatpatient darf täglich turnen. Der Patient spürt schon lange am eigenen Leib, was Experten nun endlich anerkennen: Es gibt ein Zwei-Klassen-System in der Medizin.

Viele Kassenpatienten fragen sich, wie sie ihren Kassenstatus aufbessern können. "Die private Krankenzusatzversicherung gewinnt an Bedeutung", sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten in Hamburg. "Vor allem im stationären Bereich ist eine private Zusatzversicherung überlegenswert", sagt Rudnik. Die freie Klinik- und Arztwahl sei "kein Luxus".

Das bestätigt auch Hedwig Telkamp, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern. "Mit einer Zusatzpolice kann man sich ein Stück Entscheidungsfreiheit bei der Wahl des Krankenhauses einkaufen." Durch die Zusatzpolice erhält man den Status eines Privatpatienten, der im Ein- oder Zweibettzimmer liegt und vom Chefarzt behandelt wird. "Welche Police die beste ist, kann man nicht allein am Preis festmachen. Die Leistungen differieren bei den stationären Zusatztarifen sehr stark", stellt Martin Zsohar von dem unabhängigen Versicherungs-Analysehaus Morgen & Morgen fest. Ein genauer Blick auf die Tarifbedingungen ist deshalb unerlässlich.

Zusätzlich kann man auch finanzielle Zuschüsse für Brille, Zahnersatz, Heilpraktiker und Auslandskrankenschutz absichern. Solche Policen kosten ab rund 60 Euro im Monat. Oft gibt es diese Angebote gleich im Paket. Allerdings sind die Leistungen fraglich und von Police zu Police höchst unterschiedlich: Alle zwei Jahre ein Zuschuss von 150 Euro zur Sehhilfe ist nicht wirklich hilfreich. Beim Heilpraktiker werden zwischen 60 und 80 Prozent des Rechnungsbetrags erstattet, allerdings nur bis zu einer Maximalsumme pro Jahr. Manchmal sind das nur 400 Euro. Auch beim Zahnersatz muss man genau hinschauen. Bei einigen Policen sind Implantate ausgeschlossen, bei anderen Inlays. Manche Versicherer erstatten nur den doppelten Festzuschuss, was bei hochwertigem Zahnersatz keine nennenswerte finanzielle Entlastung bringt, sagt Rudnik. "Zudem sind in den ersten Versicherungsjahren die Entschädigungsgrenzen oft extrem niedrig." Benötigt man nur den Auslandskrankenschutz, kann man den auch einzeln für rund acht Euro im Jahr einkaufen.

Kassenpatienten, die aufgrund ihres hohen Einkommens einen Wechsel in die private Vollversicherung überlegen, sollten bedenken, dass diese nicht in allen Bereichen die bessere Wahl ist. Bei Psychotherapie und Mutterschutz leistet die gesetzliche Krankenversicherung deutlich mehr. Als Familie profitiert man zudem von der kostenlosen Familienversicherung in der Gesetzlichen, erinnert Telkamp. Bedenken sollte man auch die Beitragsentwicklung in der privaten Versicherung. "Hier gibt es seit einigen Jahren eine dramatische Entwicklung", betont Rudnik. Eine Verdopplung der Beiträge in weniger als zehn Versicherungsjahren sei keine Seltenheit.

Ob man als Privatpatient medizinisch grundsätzlich besser versorgt ist, als der Kassenpatient, bleibt fraglich. Fazit: Der Patient muss selbst zum Experten werden und bei seiner Heilung ein entscheidendes Wort mitreden. Das gilt auch bei Wartezeiten in der Arztpraxis. "Vielleicht brauchen wir selbstbewusstere Patienten", gibt Telkamp zu bedenken.

Mehr Informationen

sowie alle wichtigen Tarifangebote gibt es per Fax-Abruf unter 0 90 01 / 25 26 65 50 40 (6 Seiten, 1 Minute = 0,62 Euro) bis 20. Juni. Kein Fax? Dann senden Sie einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort "Private Krankenzusatzversicherung" an folgende Adresse: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf.

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