Private Pflegezusatzversicherung: In jungen Jahren vorsorgen lohnt sich

- Pflegebedürftige Menschen zu versorgen, kostet viel Geld. Doch die gesetzlichen Leistungen sind nur mager. Wer keine Angehörigen und nur wenig Rücklagen hat, sollte deshalb über eine private Zusatzversicherung nachdenken.

Die letzte Lebenszeit als Pflegefall in einem Heim zu verbringen wünscht sich keiner. Doch genau das geschieht immer häufiger: Rund zwei Millionen Menschen sind in Deutschland langfristig pflegebedürftig und ihre Zahl wird bis 2020 voraussichtlich auf drei Millionen steigen.

Nicht selten frisst die Pflege das Ersparte der Betroffenen auf. Denn die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegekasse reichen bei weitem nicht aus, um eine stationäre oder ambulante Pflege im eigenen Heim zu finanzieren. Lücken von 2000 Euro

Die meisten Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen mögen sich in Sicherheit wiegen. Schließlich zahlen sie jeden Monat automatisch mit ihrem Krankenkassenbeitrag auch in die gesetzliche Pflegeversicherung ein. Die jedoch ist lediglich auf den notwendigen Bedarf ausgerichtet. Im Ernstfall zahlt der Staat maximal 1432 Euro pro Monat bei Pflegestufe III (siehe Grafik). Ein Heimaufenthalt kostet aber bis zu 3000 Euro im Monat oder sogar mehr. Nach Angaben der Stiftung Warentest in Berlin tun sich schnell Lücken von 2000 Euro pro Monat auf.

Die Differenz müssen die Pflegebedürftigen selbst aufkommen. Dabei stehen sie mit ihrem gesamten Einkommen und Vermögen gerade. Das ist besonders dann hart, wenn noch ein Ehepartner von dem Ersparten seinen Lebensabend bestreiten muss. Kann der Betroffene die Fehlsumme nicht aufbringen, müssen die Angehörigen bezahlen oder im Notfall das Sozialamt.

Zwei Varianten

Mit einer privaten Pflegezusatzversicherung können Verbraucher die Versorgungslücke schließen. So eine Police leistet auch dann, wenn der oder die Versicherte in jungen Jahren wegen eines Unfalls oder einer Krankheit zum Pflegefall wird. "Empfehlenswerte Angebote gibt es für 40-jährige Männer bereits für etwa 20, für 40-jährige Frauen für etwa 30 Euro im Monat", heißt es bei der Stiftung Warentest. Dabei sind zwei Formen der Absicherung zu unterscheiden:

Pflegetagegeldversicherung: Sie gewährt einen vertraglich vereinbarten Tagessatz, über den der Versicherte frei verfügen kann. Empfohlen wird diese Variante für Menschen, die im Alter voraussichtlich von Verwandten oder Freunden gepflegt werden. Sie kann allerdings dazu führen, dass man im Ernstfall unterversorgt ist, warnt Lilo Blunck, Geschäftsführerin des Bundes der Versicherten. Denn da die Kosten im Pflegebetrieb stetig steigen, kann es passieren, dass der einst vereinbarte Tagessatz zu niedrig angesetzt ist. Blunck empfiehlt deswegen Policen, bei denen der Tagessatz während der Laufzeit erhöht werden kann. "1000 Euro im Monat sollte man mindestens absichern."

Pflegekostenversicherung: Bei dieser Variante wird der gesetzliche Zuschuss um einen bestimmten Prozentsatz aufgestockt. Solche Tarife kommen in der Regel nur für Kosten auf, die nachweislich zu leisten waren. Sie eignen sich besonders, wenn man professionelle Pflege im Heim oder zu Hause in Anspruch nehmen möchte. Wichtig bei Vertragsabschluss ist, dass die Police auch in den Pflegestufen I und II bereits Leistungen erbringt, nicht erst in Pflegestufe III. Denn letztere wird verhältnismäßig selten vergeben.

Junge zahlen weniger Wie bei allen Policen, bei denen der Gesundheitszustand des Antragstellers einen Einfluss auf die Beitragshöhe hat, gilt: Je jünger und gesünder, desto niedriger sind die Beiträge. Eine Pflegetagegeldversicherung mit einem Tagessatz von maximal 50 Euro in Pflegestufe III kostet für einen 40 Jahre alten Mann ab rund 18 Euro im Monat (Frau: ab rund 25 Euro). Schließt man die Police zehn Jahre später ab, kostet der Versicherungsschutz fast doppelt so viel.

Weitere Informationen

zur privaten Pflegezusatzversicherung erhalten unsere Leser auf sechs DIN-A4-Seiten per Fax-Abruf unter 09001/25 26 65 51 40 (0,62 Euro pro Minute) bis 14. März. Wer den Postweg bevorzugt, schickt bitte einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort "Pflegezusatzversicherung" an: Versandservice, Lerchenstraße 8, 86938 Schondorf.

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