Privater Konsum bleibt schwach

- Wiesbaden - Dank starker Exporte, aber ohne Impulse aus dem privaten Konsum hat sich die Erholung der Konjunktur in Deutschland auch im zweiten Quartal 2004 fortgesetzt. Im Vergleich zum ersten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) saison- und kalenderbereinigt um real 0,5 %, teilte das Statistische Bundesamt mit. Es war der höchste Zuwachs seit Anfang 2001. Die Exporte legten im Vergleich zum Zeitraum Januar bis März um 3,2 % und damit stärker als die Importe (plus 2,2 %) zu. Unter dem Strich legte der so genannte Außenbeitrag - der Saldo von Ex- und Importen - damit um 0,5 % zu, schwächer als im ersten Quartal (1,2 %).

Dies wurde aber unter anderem durch eine etwas günstigere Entwicklung bei den Staatsausgaben und den Investitionen der Unternehmen ausgeglichen. Der private Konsum stieg geringfügig um 0,1 % und konnte damit seine minimal positive Tendenz fortsetzen, leistete aber keinen Beitrag zum Wachstum. In den kommenden Quartalen könnten Faktoren wie der hohe Ölpreis die globale Wirtschaftslage belasten. "Die Exporte werden in nächster Zeit nicht mehr die gleiche Schubwirkung entfalten", vermutet Holger Bahr, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Deka-Bank. Einen Rückfall in eine Rezession befürchte er jedoch nicht. Auf eine gestiegene Sparquote im zweiten Quartal verwies der Chefvolkswirt Europa der Bank of America, Holger Schmieding: "Die Verbraucher trauen dem Aufschwung nicht." Es sei jedoch denkbar, dass die Erholung gegen Ende diesen Jahres erstmals auch ihren Niederschlag auf dem Arbeitsmarkt finden werde und neue Jobs entstehen. Dann könnte auch der private Konsum anziehen und eine mögliche Abschwächung des Exportzuwachses kompensieren. Externe Risiken für die Konjunkturentwicklung blieben bestehen.


Mit einem Staatsdefizit von 4,0 % im ersten Halbjahr verstößt Deutschland nach heutigem Stand 2004 erneut klar gegen den EU-Stabilitätspakt.

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