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Robert Waloßek führt heute die Geschäfte. Helga Rid, die Witwe von Günther Rid, der die Firma vier Jahrzehnte lang geprägt hat, verwaltet die gemeinnützige „Günther Rid-Stitung“.

Seit 99 Jahren Experte

Probenacht bei Bettenrid: Kissenschlacht in München

München - Münchens Bettenrid ist seit 99 Jahren der Schlaf-Experte der Stadt. Kunden können sogar eine Probenacht auf ihrer Wunschmatratze verbringen – im Schlafappartement am Ammersee.

Wie gewinne ich eine Kissenschlacht? Auch die humorvolle Anleitung dafür findet sich in einem Geschäft im Herzen Münchens. Als echter Sieggarant wird Paul, die feste Nackenrolle, empfohlen. Die Leute bei Bettenrid in der Neuhauser Straße 12 müssen es wissen: Schließlich sind sie seit nunmehr 99 Jahren die Schlaf-Experten in München.

1916 hat alles mit dem kleinen Bettengeschäft von Rosa Zaininger in der Schwabinger Theresienstraße begonnen. Mit der Übernahme des Geschäfts durch ihre Tochter Hedwig Rid im Jahr 1929 begann dann der Aufschwung: Die Unternehmerin sammelte mit dem Fahrrad Bettdecken bei ihren Kunden daheim ein und säuberte das Innenleben mit ihrer handgetriebenen Bettfedern-Reinigungsmaschine.

Diesen damals innovativen Service gibt es auch heute noch auf modernere Art, und er wird von treuen Kunden rege genutzt. „In den Zeiten, in denen viele Kunden ins Internet abwandern, muss man sich abheben. Durch ganz besonderen Service – zum Beispiel kommen Mitarbeiter auf Wunsch auch zu den Kunden nach Hause. Wir wollen wirklich jeden individuellen Wunsch erfüllen. Und wir müssen den Menschen ein echtes Kauferlebnis bieten“, sagt Geschäftsführer Robert Waloßek.

Im unweit des Stachus in bester Lage gelegenen Geschäft wird dazu auf 1400 Quadratmetern auf vier Etagen einiges geboten. Im Erdgeschoss kann man sich mit Hilfe eines Messbetts die wirklich perfekte Matratze aussuchen. Nach dem Ausspannen in der Cafebar in der ersten Etage mit bestem Blick auf die beliebteste Einkaufsmeile von München besteht im zweiten Obergeschoss die Chance, sich das perfekte Füllmaterial für die Bettdecke auszusuchen. Ob Kamelhaar, Wildseide oder Federn – hier kann man in Schaukasten und Körben alles erfühlen.

Auch braune Eiderdaunen, den „Rolls Royce“ unter den Bettfedern, die aus Enten-Nestern handgeerntet werden. So eine federleichte und doch extrem wärmende Bettdecke kann dann schon mal über 2000 Euro kosten, ein komplettes Bett bis zu 25 000 Euro. Wenn sich Kunden bei der Zusammenstellung ihres Traum-Schlafzimmers nicht sicher fühlen, können sie eine Probenacht auf ihrer Wunschmatratze vereinbaren. „In unserem Schlafappartment am Ammersee bieten wir die Möglichkeit des kostenlosen Probeschlafens. Ein Frühstück gibt es obendrauf“, sagt Waloßek.

Er hat den drei Geschäften der Bettenrid GmbH mit über 200 Mitarbeitern – außerdem gibt es noch einen Laden in der Münchner Theatinerstraße und einen in Frankfurt am Main – ein modernes Konzept verordnet. Getreu dem Spruch „Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weitergeben des Feuers“, der an einer Pinnwand in seinem Büro hängt. Mit dieser Maxime hat Bettenrid die Wirren von zwei Weltkriegen – inklusive der völligen Zerstörung des Geschäfts im Jahr 1944 – überstehen können.

Über vier Jahrzehnte wurde die Firma danach von Günther Rid geprägt. Der begnadete Einzelhändler entdeckte 1960 als einer der Ersten die Fernsehwerbung für sich und machte Bettenrid groß. Eine Regelung für seine Nachfolge innerhalb der Familie gelang ihm nicht – deshalb gründete er die gemeinnützige „Günther Rid-Stitung“. Dort liegen seit seinem Tod im Jahr 1992 alle Anteile der managementgeführten GmbH. Auch die Erlöse des Immobilienbesitzes mit Häusern in Münchner Bestlage, die von seiner Witwe Helga Rid verwaltet werden, fließen der Stiftung zu.

„So konnten wir im vergangenen Jahr 2,7 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung stellen. So lebt das Vermächtnis meines Mannes weiter – und unsere Kunden können mit jedem Kauf auch etwas Gutes tun“, sagt Helga Rid stolz. Stiftungszweck ist die „Förderung der Berufsausbildung des Führungsnachwuchses im bayerischen Einzelhandel unter besonderer Berücksichtigung mittelständischer Unternehmen“. Im sozialen Bereich engagiert sich Bettenrid für die gemeinnützige Initiative Horizont e.V. für obdachlose Kinder und deren Mütter in München.

Über den Tellerrand hinaus denkt auch Geschäftsführer Waloßek, der das Schlaf-Unternehmen inzwischen auch im Internet positioniert hat. Er will den Kundenschwund in den Traditionsgeschäften der Münchner Innenstadt stoppen und forciert deshalb auch die Zusammenarbeit unter den bekanntesten Einzelhändlern wie Kaut-Bullinger, Kustermann, Hirmer oder Schuster.

„Andere Städte bluten aus, München wächst. München ist eine der wenigen Städte, in der man noch besonders einkaufen kann. Dieses besondere Flair müssen wir pflegen. Man kann nur an die Kunden appellieren, in die Stadt zu kommen und das Besondere zu unterstützen.“

Lars Becker

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