Auf Probewohnen nicht verzichten

München - Wassergymnastik im hauseigenen Wellness-Bereich, ein entspanntes Bad in der gepflegten Poolanlage: Die "Seniorenresidenzen" - wie sich die nobleren Versionen des betreuten Wohnens nennen - werben in ihren Hochglanzbroschüren mit exklusivem Luxus-Flair. Doch ihr wohlklingender Name sagt wenig über die Qualität der Anlagen aus.

So rät die Stiftung Warentest ausdrücklich dazu, in der Kategorie des gehobenen Wohnens im Alter ganz genau hinzusehen.

Überblick verschaffen

Bevor man sich die Mühe macht und sämtliche Branchenbücher durchforstet, kann es nicht schaden, sich im Freundes- und Bekanntenkreis zu erkundigen, ob jemand eine Einrichtung kennt oder empfehlen kann. In der Regel mietet man eine kleine Wohnung in einer solchen Residenz, die mit den eigenen Möbeln bestückt werden kann. Bad und Küche sind meist komplett vorhanden.

(Ausgangs-) Lage

Ob in der bewegten Metropole oder im Grünen - wie zentral der Alterssitz gelegen sein soll, hängt ganz vom individuellen Geschmack ab. Ausschlaggebend für die Standortfrage ist eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel sowie die Nähe zu den gewohnten Kontakten wie zu Verwandten, Freunden und Bekannten. Eine wichtige Rolle spielt auch die Frage, ob Geschäfte und Arztpraxen gut erreichbar sind.

Freizeit und Hobbys

Der Großteil der Residenzen verfügt über ein Schwimmbad, Gymnastik- und Clubräume, eine Bibliothek, ein Café, zum Teil auch über ein Kaminzimmer oder einen eigenen Theatersaal. Auch das Freizeitangebot für die Bewohner der meisten Einrichtungen kann sich sehen lassen - es reicht laut Stiftung Warentest von Gymnastikkursen über Englischunterricht und Internetschulungen bis hin zu Lesungen. Wer spezielle Interessen hat, sollte sich vorher danach erkundigen, ob er seinem Hobby weiterhin nachgehen kann.

Die Preisfrage

Stiftung Warentest hat zwölf Seniorenresidenzen deutschlandweit geprüft und kommt zu folgendem Preis-Fazit: Von Haus zu Haus sind die Preise schwer vergleichbar, tendenziell erwiesen sich jedoch die teuersten Einrichtungen als die besseren: 1711 Euro im Monat für 32 Quadratmeter zahlt man etwa im Berliner Augustinum, außerdem sind 18 000 Euro Darlehen vorzustrecken. Das Geld wird laut Test "mit vier Prozent ordentlich verzinst", aber erst bei Auszug oder Tod zurückgezahlt. Die Einrichtung erwies sich als erstklassig in punkto Gastronomie, Gemeinschaftseinrichtungen, Veranstaltungsprogramm und Co. Viel günstiger komme man auch bei den anderen Residenzen mit hohem Standard nicht weg. Allerdings weist Stiftung Warentest ausdrücklich darauf hin, dass ein hoher Preis alleine längst kein Kriterium für Qualität ist.

Die richtige Leistung

Um keine Überraschung auf dem Kontoauszug zu erleben, rät Stiftung Warentest, sich "das vollständige Preis-Leistungs-Verhältnis" aushändigen zu lassen. Daraus muss exakt hervorgehen, welche Leistungen im Grundpreis enthalten sind und für welche separat bezahlt werden muss. Generell sollten im monatlichen Basispreis möglichst wenige Leistungen enthalten sein.

Ohne Barrieren

Nicht nur was Größe und Ausstattung angeht, sondern auch in punkto Barrierefreiheit sollte das Apartment den eigenen Wünschen und Anforderungen entsprechen. Eine Rolle spielt dabei etwa die Frage, ob Balkon oder Terrasse vorhanden sind, die Aussicht ansprechend ist, ob die Türen ausreichend Rangierfläche für Rollstühle bieten und ob eine bodengleiche Dusche vorhanden ist. Außerdem sollten generell alle Räume in der Anlage bequem erreichbar und seniorengerecht gestaltet sein.

Atmosphäre spüren

Um herauszufinden, ob man sich in der neuen Wohnanlage wohl fühlt, reicht kein Blick in den Katalog. Deshalb empfiehlt Stiftung Warentest: Einfach ein paar Tage als Interessent einquartieren - das ist bei den meisten Anbietern möglich. Dabei bietet sich die Gelegenheit, Kontakt mit Bewohnern aufzunehmen und Fragen zu klären. Der Aufenthalt in den meisten Residenzen kostet laut Stiftung Warentest 40 bis 70 Euro pro Tag - mit Halb- oder Vollpension.

Vorsicht, Klauseln

"Unzulässig und unwirksam" sind laut Stiftung Warentest eine Vielzahl der Klauseln in den Verträgen der Seniorenresidenzen. Schränkt ein Anbieter etwa das Nutzungsrecht an der Wohnung zu stark ein (kleinere Umbauten nur gegen Einwilligung des Trägers möglich, Waschmaschine darf nicht verwendet werden etc. ), verstößt er damit gegen das Heimgesetz. Die Liste der unzulässigen Vertragsklauseln ist dabei schier unendlich: Mal werden zu hohe Anforderungen an Schönheitsreparaturen gestellt, mal sind die Kündigungsfristen zu lang. Außerdem sollte im Vertrag genau festgehalten werden, mit welcher Ausstattung das Apartment an den neuen Bewohner übergeben wird.

Finanzielles Polster

Ist eine passende Residenz gefunden, gilt es, die monatlich anfallenden Kosten zu überschlagen und den eigenen finanziellen Möglichkeiten gegenüberzustellen. Neben der Miete verlangen einige Häuser zudem ein Darlehen über mehrere Tausend Euro - hier sollte jeder genau und realistisch kalkulieren, ob die Wohnung auf längere Zeit finanzierbar ist.

Dabei sollte dringend auch ein Finanz-Puffer für den Pflegefall eingeplant werden. Viele Seniorenresidenzen ermöglichen ihren Bewohnern nämlich auch im Pflegefall - idealerweise bis zu Stufe III ­, weiter in der Anlage zu wohnen. Denn die Pflegekosten sind nicht im Grundpreis enthalten, müssen dann also noch separat bezahlt werden.

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