Horror-Unfall in Formel 3 - So geht es der Münchner Fahrerin Sophia Flörsch (17)

Horror-Unfall in Formel 3 - So geht es der Münchner Fahrerin Sophia Flörsch (17)
+
Es mangelt an fast allem: Die wenigen Altenpfleger sind heillos überfordert.

Zahlreiche Problemfelder

Nach Spahn-Rede: Das fordert ein Pflege-Experte jetzt vom Gesundheitsminister

  • schließen

Jens Spahn will die Probleme in der Pflege schnell anpacken. Das verspricht der neue Gesundheitsminister in einer Rede. Wir haben mit einem Experten gesprochen.

München - Der neue Gesundheitsminister Jens Spahn hat umfangreiche Verbesserungen in der Altenpflege angekündigt. Bei der Eröffnung des Deutschen Pflegetags in Berlin sagte der CDU-Minister: „Ich möchte, dass wir den Pflegeberuf attraktiver machen. Ich möchte, dass die Pflegeberufe besser bezahlt werden. Ich möchte, dass wir mehr Ausbildungsplätze haben. Ich möchte, dass sich vor allem Pflegekräfte um die Pflegebedürftigen kümmern können.“ Hehre Worte - doch Spahn wurde beim Pflegetag mit einer Fülle von konkreten Problemen der Betroffenen konfrontiert:

Fehlendes Geld: Trotz einer Beitragserhöhung um 0,2 Prozent hat die gesetzliche Pflegeversicherung erstmals seit 2007 Miese gemacht: Das Minus beträgt rund 2,4 Milliarden Euro. Grund dafür waren die wegen der jüngsten Pflegereform mit verbesserten Leistungen angestiegenen Kosten. Die Ausgaben waren mit 37,2 Milliarden Euro rund 7,5 Milliarden (oder 25 Prozent) höher als 2016. Spahn lässt bislang offen, wer die geplanten Verbesserungen bezahlen soll.

Lesen Sie auch: Petition fordert: Jens Spahn soll einen Monat von Hartz IV leben

Fehlendes Personal: Laut einer Studie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung sind derzeit rund 17.000 Stellen in den deutschen Pflegeheimen unbesetzt. Von den 8000 neuen Stellen, die von der neuen Bundesregierung versprochen wurden, gehe „kein Impuls“ aus, so der Autor der Studie, Michael Isfort.

Lesen Sie auch: Merkels Kabinett: Das sind die GroKo-Minister

Fehlende Pflegeplätze: Die mehr als 13.000 Pflegeheime werden dem Andrang an Pflegebedürftigen kaum noch Herr, so das Pflege-Thermometer 2018 des Instituts für angewandte Pflegeforschung. (DIP). 71 Prozent der befragten Heime geben an, dass bei ihnen Wartelisten auf vollstationäre Langzeitpflege bestehen. 84 Prozent lehnten Anfragen zur Kurzzeitpflege ab. 84 Prozent haben Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen.

Lesen Sie auch: Hartz IV-Debatte: Spahn rudert nach großer Kritik zurück

Mangelnde Qualität: 83 Prozent der Heime beklagen, dass die Qualität der Bewerber für die Pflegerstellen abnimmt. Die Studie des Deutschen Pflegeinstituts macht deutlich, dass nicht nur fehlendes Geld der Grund für die Pflegelücke sei, sondern auch die abnehmende Qualität der Bewerber sowie der generelle Fachkräftemangel.

Neuer Gesundheitsminister: Jens Spahn ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden.

Interview mit Pflege-Experte: „Jetzt müssen Lösungen her!“

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert vom neuen Gesundheitsminister Jens Spahn ein 100-Tage-Sofortprogramm für Pflegebedürftige. Unter anderem wird darin vorgeschlagen, die Zahlungen der Pflegeversicherung um 500 Euro pro Monat für jeden Versicherten zu erhöhen, der ambulante oder stationäre Pflege in Anspruch nimmt. Die finanzielle Last dürfe nicht allein den Heimbewohnern aufgebürdet werden. Die tz sprach über die Pflege-Misere mit dem Vorsitzenden der Stiftung, Eugen Brysch.

Die neue Bundesregierung will Pfleger besser bezahlen. Wie soll das finanziert werden: Durch höhere Beiträge, anteilig von Arbeitnehmern und Arbeitgebern? Aus Steuermitteln? Durch die Angehörigen?

Eugen Brysch: Es ist überfällig, die Altenpflegekräfte nach Tarif zu beschäftigen und die Ausbildung zu stärken. Jetzt muss Bundesgesundheitsminister Spahn sagen, wer die berechtigten Lohnsteigerungen bezahlen soll. Kranke und Pflegebedürftige sind dazu jedenfalls nicht in der Lage.

Lesen Sie auch: Jens Spahn: „Niemand müsste hungern, wenn es die Tafeln nicht gäbe“

Der Beitragssatz für die Pflegeversicherung soll bis 2022 stabil bleiben. Wird das funktionieren?

Brysch: Das Versprechen hat die Bundesregierung abgegeben. Damit ist sie in der Pflicht. Jedoch muss klar sein, dass die Pflegebedürftigen selbst nicht in der Lage sind, noch mehr zu bezahlen. Schließlich sind 50 Prozent der Heimbewohner schon heute von Sozialhilfe abhängig und damit arm.

Wir haben eine blendende Arbeitsmarktsituation, die Sozialkassen können über Einnahmen nicht klagen - und trotzdem hat die Pflegeversicherung ein Minus von 2,4 Milliarden Euro. Was wird da erst in Zukunft auf uns zukommen, wenn die Babyboomer alt werden und die Job-Situation mal nicht mehr so gut ist?

Brysch: Das Defizit ist in keinster Weise überraschend. Dass mehr Menschen Geld aus der Pflegeversicherung erhalten, war geplant. Jedoch muss die neue Bundesregierung auch den jüngeren Beitragszahlern sagen, wie die Pflegeversicherung für sie zukunftsfähig gemacht wird. Dafür fehlen bisher die Konzepte.

Lesen Sie auch: Der Mann im Haifischbecken: Das ist Merkels neuer Gesundheitsminister Spahn

Was erwarten Sie sich vom neuen Gesundheitsminister Spahn?

Brysch: Jens Spahn setzt die Latte sehr hoch. Gesundheitspolitik soll das Leben besser machen, und er sagt, dass die Pflege die Achillesferse für sein Amt ist. Das sind schöne Überschriften, jetzt sind Lösungen gefragt. Deshalb ist die Kostenexplosion für die Pflegeheimbewohner rasch zu stoppen. Der Rechtsanspruch auf professionelle Hospizbegleitung für die 340.000 Sterbenden in Heimen muss endlich kommen. Und wer heute zu Hause einen Angehörigen pflegt, darf morgen nicht arm sein. Deshalb braucht es ein Pflegezeitgeld, das genauso wie das Elterngeld steuerlich finanziert wird.

Fordert Taten von Gesundheitsminister Jens Spahn: Eugen Brysch ist Vorsitzender der Deutschen Stiftung Patientenschutz.

Interview: Klaus Rimpel

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zu viele Verspätungen: Bahn tauscht Fernverkehr-Vorstand aus
Berlin (dpa) - Die vielen Verspätungen bei der Deutschen Bahn haben personelle Konsequenzen. Künftig soll Philipp Nagl als Vorstand Produktion bei der zuständigen …
Zu viele Verspätungen: Bahn tauscht Fernverkehr-Vorstand aus
Aldi Süd will mit neuen Filialen punkten - dann stellt eine Kundin den Discounter bloß
Aldi Süd ist dabei, die eigenen Filialen zu modernisieren - dann deckt eine Kundin auf, dass manche Probleme nicht an der Modernisierung hängen.
Aldi Süd will mit neuen Filialen punkten - dann stellt eine Kundin den Discounter bloß
Städtebund: Fahrverbot auf Autobahn "verheerendes Signal"
Immer mehr Gerichte ordnen Fahrverbote für alte Diesel in Innenstädten an. Doch wie sollen diese Anordnungen technisch umgesetzt werden? Die Opposition fürchtet einen …
Städtebund: Fahrverbot auf Autobahn "verheerendes Signal"
Fortschritte in Bahn-Tarifverhandlungen mit der EVG
Landsberg (dpa) - In den Tarifverhandlungen für rund 160.000 Beschäftigte der Deutschen Bahn gibt es in ersten Punkten Einigungen.
Fortschritte in Bahn-Tarifverhandlungen mit der EVG

Kommentare