Projekt-Manager und doppelter Facharbeiter

- München - Der kleine Bohrer beginnt zu rotieren, die Hydraulik drückt ihn langsam nach unten - bis er ein Loch in das Fünf-Mark-Stück-große Holzplättchen gebohrt hat. Ein Scheibchen nach dem anderen wird mit einem Loch versehen und von der surrenden Maschine in einen Behälter gespuckt. Hydraulische Zylinder, Leitungen, etwa zwanzig Ventile und ein Schaltkasten als Herzstück - was aussieht wie ein Spielzeug für große Jungs, ist für den 21-jährigen Thomas Albert eine ernste Angelegenheit, das Abschlussprüfungsprojekt seiner Mechatroniker-Ausbildung.

<P>Das Modell steht im Ausbildungszentrum der Stadtwerke München und zeigt das Aufeinandertreffen von zwei Berufswelten: Mechanik und Elektrik. Eine Verbindung, die in nahezu allen Maschinen selbstverständlich ist, für die es aber bis zur Schaffung dieses neuen Berufs im Jahr 1998 keine entsprechende Qualifikation gab. "Wenn bei einer U-Bahn zum Beispiel eine Tür klemmt, kann der Fehler in der Elektronik oder in der Mechanik stecken", erklärt der stellvertretende Ausbildungsleiter Ludwig Drexl. Anstatt zwei Facharbeiter mit der Reparatur zu beauftragen, kann sich ein Mechatroniker allein des Problems annehmen. Er hat sowohl die Qualifikation eines Industriemechanikers als auch eines Industrie-Elektronikers.</P><P>Thomas Albert aus Fahrenzhausen (Kreis Freising) ist im dritten von 3,5 Lehrjahren und muss seine hydraulische Anlage bei der Abschlussprüfung präsentieren. In dem halbstündigen Fachgespräch muss er zeigen, dass er die technischen Zusammenhänge verständlich machen kann.</P><P>Emanuel Högn aus München steht vor der selben Aufgabe und hat keine große Angst davor: "Wir werden ja auch gut darauf vorbereitet." Der 20-Jährige soll am Heizkraftwerk München Nord eine Modifikation vornehmen - ein praxisnaher Einsatz, von dem sowohl der Azubi als auch die Firma profitieren. Monate vor der Prüfung beginnt die Vorbereitung, die Auszubildenden müssen einen detaillierten Zeit- und Kostenplan erstellen. Damit werden sie zu Managern ihrer eigenen Projekte ausgebildet.</P><P>Mechatroniker ist für viele Jugendliche ein Wunschberuf. Bei den Stadtwerken hatten sich für das kommende Ausbildungsjahr 158 Jugendliche beworben - nur sieben wurden genommen. Insgesamt lernen dann 35 junge Leute bei den Stadtwerken diesen Beruf, acht weitere werden dort für Fremdfirmen ausgebildet.</P><P>Die mittlere Reife mit passablen Noten ist Voraussetzung. "Unsere Anforderungen sind hoch, weil die Ausbildung sehr breit ist", meint Drexl. Ein Mechatronik-Azubi muss viel lernen. Abstriche werden laut Drexl teilweise in der Praxis gemacht: "Man kann nicht immer in die Phase der großen Übung reingehen."</P><P>Was tun, wenn man keinen Ausbildungsplatz als Mechatroniker bekommt? Nahe liegt eine Ausbildung in einem der Teilbereiche. Diesen Weg hat Martin Breitenstein aus München eingeschlagen. Er ist jetzt bei den Stadtwerken im ersten Lehrjahr zum Industriemechaniker, hatte sich aber als Mechatroniker beworben. Beim Vorstellungsgespräch wurde ihm zur jetzigen Ausbildung geraten. Nach der ersten Enttäuschung ist der 21-Jährige nun zufrieden: "Ich glaube, die Ausbildung ist leichter. Außerdem macht mir das handwerkliche Arbeiten Spaß."</P><P> </P>

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