ProSieben: Kampfansage an RTL

- München ­- KKR und Permira wollen ProSiebenSat.1 mindestens auf Augenhöhe zur RTL-Gruppe bringen. Dabei sollen alle Stellen erhalten und der TV-Konzern an der Börse bleiben.

Die neuen Mehrheitseigner des Münchner TV-Konzerns ProSiebenSat.1 haben mit ihrem Neuerwerb ehrgeizige Wachstumspläne. "Wir wollen zu RTL aufschließen, wenn nicht sogar überholen", sagte Permira-Chef Thomas Krenz, nachdem seine Investmentfirma zusammen mit dem US-Partner KKR gut die Hälfte des Grundkapitals für offiziell 3,1 Milliarden Euro übernommen hat.

Nächster Schritt auf dem Weg an die Branchenspitze sei eine Verschmelzung mit der Sendergruppe SBS, die das Duo KKR/Permira ebenfalls mehrheitlich hält. Diese europäische Wachstumsperspektive stärke den Medienstandort Deutschland, weil sie "aus München heraus" betrieben werde, bekräftigte der Europa-Chef von KKR, Johannes Huth. Sitz von ProSiebenSat.1 bleibe auch bei einer Fusion mit SBS Unterföhring bei München.

Nach dem Vorbild von RTL, dem derzeit einzigen paneuropäischen TV-Konzern, der mit einer fusionierten ProSieben/SBS vereichbar sei, eröffnen sich nach Einschätzung von KKR und Permira diverse Sparpotenziale bei Programmeinkauf, Verwaltung und Technik. Stellenkürzungen seien dabei aber nicht geplant, versicherte Krenz.

Bei ProSiebenSat.1 arbeiten rund 2800, bei SBS etwa 2300 Frauen und Männer. Den Minderheitsaktionären der Münchner TV-Gruppe macht das Investorenduo ein freiwilliges Übernahmeangebot, will mit dem Konzern aber im M-Dax notiert bleiben. Nach einer Fusion mit SBS habe ProSiebenSat.1 sogar Potenzial für den Dax, sagen Experten.

Als offen gilt, ob der Springer-Verlag, der 12,5 Prozent an ProSieben hält, mit von der Partie bleibt. Springer hatte Anfang des Jahres einen vergeblichen Versuch zur Übernahme der Münchner TV-Gruppe gestartet. Bei ihren Plänen haben die jetzt zum Zuge gekommenen Finanzinvestoren keine großen Widersprüche zu erwarten. Kartellrechtliche Probleme befürchtet niemand.

Die Politik in Form des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber signalisierte ebenfalls Zustimmung, weil München damit in die erste Liga im europäischen Fernsehgeschäft aufsteige. Auch beim übernommenen Münchner TV-Konzern herrscht Freude vom Betriebsrat bis zum Management. KKR/Permira hätten zugesichert, seine bisherige Strategie fortzuführen und sie auch finanziell zu unterstützen, betonte ProSieben-Chef Guillaume de Posch.

Am Management in München wollen die neuen Herren im Haus ohnehin nichts ändern. Wann der neue Medienriese auf Augenhöhe mit RTL sein soll, verrieten die neuen Eigner nicht. Beim Verschmelzen der Münchner TV-Gruppe mit SBS "wollen wir nicht viel Zeit verlieren", kündigte Permira-Medienexperte Götz Mäuser an. Weitere Zukäufe seien bei der Aufholjagd auf die im Umsatz bei über fünf Milliarden Euro liegende RTL zudem nicht ausgeschlossen.

Nach erreichbaren TV-Haushalten ist RTL heute doppelt so groß wie ein aus ProSieben und SBS fusionierter Konzern. Wie lange die Finanzinvestoren die Geschicke der Münchner TV-Gruppe bestimmen wollen, ließen sie offen. Im Schnitt stiegen beide bislang nach etwa fünf Jahren wieder und in aller Regel Gewinn bringend bei ihren Investments aus. Der scheidende Mehrheitseigner Haim Saban hat das bereits nach drei Jahren geschafft und sich zum Abschied bei allen Beteiligten und den Mitarbeitern bedankt.

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