Pro-Sieben: Warten kann sich lohnen

- München - Vorstand und Aufsichtsrat des Münchner Fernsehsenders Pro-Sieben-Sat1 haben das Übernahmeangebot des Axel-Springer-Verlags für die Vorzugsaktien der TV-Gruppe als zu niedrig bezeichnet. "Eine Handlungsempfehlung an die Aktionäre, das Angebot anzunehmen oder abzulehnen, wird nicht abgegeben", heißt es allerdings zugleich in einer Stellungnahme beider Gremien. Welchen Preis sie für die Vorzüge als angemessen sehen, sagen die Manager nicht.

Analysten haben das Potenzial der Aktie zuletzt im Schnitt mit 15,72 Euro bewertet. Axel Springer bietet 14,11 Euro. Derzeit notiert sie bei 14,39 Euro. Die Pro-Sieben-Sat1-Vorstandsmitglieder wollten die von ihnen gehaltenen Vorzugsaktien angesichts dieser Relationen selbst nicht annehmen, wie dem Gutachten zu entnehmen ist. Die Stellungnahme des Managements ist insofern heikel, als dem Aufsichtsrat unter anderen Springer-Chef Mathias Döpfner sowie der bisherige Pro-Sieben-Sat1-Großaktionär Haim Saban und dessen Vertraute angehören. Mit Saban hat sich Springer bereits auf einen Verkauf der von ihnen gehaltenen Pro-Sieben-Sat1-Stammaktien zu je 23,37 Euro geeinigt. Auch der Vorstand des Fernsehunternehmens wurde von Saban eingesetzt. Die Stellungnahme von Aufsichtsrat und Vorstand hatte angesichts dieser Beziehungsgeflechte mit Interessenskonflikten zu kämpfen. Das Votum der Aufseher wurde deshalb nur von einem Trio angeblich unabhängiger Personen abgegeben, dem mit Arieh Saban allerdings ein Verwandter von Haim Saban angehört.

Viele Finanzexperten halten es indessen für wahrscheinlich, dass Vorzugsaktionäre finanziell besser fahren, wenn sie die von Springer in einem zweiten Schritt geplante Verschmelzung des Senders auf den eigenen Konzern abwarten und ihre Papiere dann automatisch in Springer-Aktien getauscht werden. Denn bei diesem Schritt werde der Firmenwert unabhängig ermittelt, was auf Basis des jetzigen Springer-Angebots noch nicht geschehen ist. Das könne einen höheren Wert als die gebotenen 14,11 Euro je Papier bringen. Die Annahmefrist der Offerte endet am 14. Oktober. Eine Fristverlängerung bis zum 3. November ist bereits einkalkuliert.

Springer lässt sich die Übernahme gut vier Milliarden Euro kosten, wovon 2,5 Milliarden Saban und Mitinvestoren zufließen. Der US-Milliardär wurde zudem gegen ein Honorar von einer Million Euro pro Jahr als TV-Berater von Springer engagiert. Und den Pro-Sieben-Vorstandsmitgliedern könnte "in Anerkennung ihrer Leistungen" ein Bonus gewährt werden.

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