Pro-Sieben-Sat.1: Haim Sabans radikaler Sparkurs zeigt Wirkung

- München - Im größten deutschen Fernsehkonzern wirbelte im vergangenen Jahr das Personalkarussell: Ein neuer Eigentümer kam, der ein oder andere Manager ging, ebenso wie jeder zehnte Angestellte. Weil Pro-Sieben-Sat.1 auch sonst an allen Ecken gespart hat, verdreifachte sich der Gewinn 2003 auf 45 Mio. Euro. Nach wie vor machte dem Unternehmen aber der kriselnde Werbemarkt zu schaffen - die Erlöse gingen zurück.

<P>Die letzten zwölf Monate waren turbulent für Urs Rohner, den Vorstandsvorsitzenden der Pro-Sieben-Sat.1 Media AG. Kein Wunder also, dass der Schweizer bei der Veröffentlichung der Jahreszahlen am Freitag bemerkte, er sei "froh", weil der Verkaufsprozess zu Ende sei. Erst im August 2003 hatte Haim Saban nach langem Hin und Her die Senderfamilie übernommen. Damit war endlich mit der Unsicherheit Schluss, die seit der Pleite des früheren Eigentümers, der Kirch Media, im Unternehmen geherrscht hatte.<BR><BR>Saban brachte aber nicht nur Geld mit, sondern auch konkrete Vorstellungen, wie das Geschäft zu laufen hat: Altgediente Führungskräfte wie Nachrichten-Vorstand Claus Larass und Sat.1-Chef Martin Hoffmann mussten ihren Hut nehmen. Gleichzeitig schlug der Konzern einen strikten Sparkurs ein.<BR><BR>Der Tritt auf die Kostenbremse bewirkte, dass der Konzern 207 Mio. Euro weniger ausgab als 2002. Das Gros davon konnte mit dem Verzicht auf die Bundesligarechte eingespart werden, der Rest unter anderem durch den Abbau von fast 300 Stellen. Das Resultat: Ein Überschuss von 45 Mio. Euro nach 15 Mio. Euro im Vorjahr. Sogar der chronisch defizitäre Sender Sat.1 konnte einen kleinen Vorsteuer-Gewinn von fünf Mio. Euro erzielen.<BR><BR>"Das Ergebnis zeigt den Erfolg unserer Maßnahmen, die Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe so effizient wie möglich aufzustellen", kommentiert Rohner die Zahlen. Allerdings hätte er es in diesem Jahr gerne noch ein bisschen effizienter. Die Ausgaben sollen nochmal um eine "mittlere, einstellige Prozentzahl" gedrückt werden.<BR><BR>Das wird auch nötig sein, um den Ertrag wie geplant "signifikant" zu steigern. Denn Rohner rechnet nicht damit, dass Wachstum durch den Verkauf von Werbezeiten, der Haupt-Einnahmequelle, zu erzielen ist - seit drei Jahren schrumpft der Werbemarkt. 2003 sanken die Umsätze bei der Sendergruppe deswegen um fünf Prozent auf 1,8 Mrd. Euro. Um die Finanzschulden (676 Mio. Euro) zu reduzieren, wird der Konzern im April neue Aktien ausgeben. Bis zu 280 Millionen Euro frisches Kapital soll dies in die Kassen spülen.<BR><BR></P>

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