ProSiebenSat.1: Bis zu 200 Mitarbeiter sollen gehen

München - Nach dem Zusammenschluss mit der Senderkette SBS sind beim TV-Konzern ProSiebenSat.1 erste Details über den bevorstehenden Stellenabbau durchgesickert. Wie aus von Mitarbeiterkreisen bestätigten Medienberichten hervorgeht, stehen vor allem in den Fernsehredaktionen bis zu 200 Jobs auf der Kippe.

Die Sprecherin des Unternehmens nahm dazu auf Nachfrage keine Stellung. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass sich Vorstandschef Guillaume de Posch bei der Hauptversammlung am heutigen Dienstag in München zu möglichen Einschnitten äußert. Der Belgier hatte bereits Ende Juni angekündigt, dass bei ProSiebenSat.1 einige Stellen wegfallen werden.

Davon betroffen sein wird wahrscheinlich vor allem der Sender Sat.1. Nach Informationen von "Spiegel Online" sollen bei dem in den vergangenen Jahren unter Quotenschwäche leidenden Kanal vor allem Nachrichtenprogramme wegfallen. Demnach stehen unter anderem "Sat.1 am Mittag", "Sat.1 am Abend" und "Sat.1 News - Die Nacht" auf der Streichliste. Damit droht 60 Mitarbeitern am Sat.1-Stammsitz in Berlin das Aus, von denen viele nur befristet angestellt sind. Zudem wird gerade mit dem Nachrichtenchef Thomas Kausch über eine Entlassung verhandelt. Damit würde Sat.1 zu einer reinen "Abspielstation" degradiert,kritisierte der Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Werneke.

Wie viele und welche Mitarbeiter sich am Konzernsitz in Unterföhring um ihren Arbeitsplatz sorgen müssen, ist noch nicht nach außen gedrungen. In dem Münchner Vorort produzieren die anderen zur Gruppe gehörenden Sender ProSieben, Kabel Eins und Neun Live ihre Programme. Gewissheit dürfte aber spätestens am Donnerstag herrschen, wenn die Unternehmensführung die Betriebsräte informiert. "Dann kommt die Katze aus dem Sack", sagte ein Vertreter der Belegschaft unserer Zeitung. Dabei soll es sich jedoch noch nicht um konkrete Pläne handeln, sondern nur um erste Vorschläge der Beratungsfirma McKinsey, Kosten einzusparen. Diese seien noch verhandelbar.

Der TV-Konzern will den Gürtel enger schnallen, um die kostspielige Übernahme von SBS stemmen zu können. Für den erst kürzlich bekanntgegebenen Erwerb der Sendergruppe muss ProSiebenSat.1 rund 3,3 Milliarden Euro aufwenden, die über Darlehen finanziert werden. Insgesamt beläuft sich der Schuldenstand des Unternehmens damit auf gut vier Milliarden Euro. Um die rasch zu tilgen, hat Vorstandschef de Posch das Ziel ausgegeben, die Rendite von derzeit 22 auf 30 Prozent zu erhöhen. Beobachter schließen deswegen nicht aus, dass noch weitere Stellen wegfallen könnten.

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