Prosiebensat.1: Permira und KKR machen Kasse

München - Die Mehrheitseigner der hoch verschuldeten ProSieben-Gruppe gehen an die Substanz. Sie lassen das Dreifache des Jahresgewinns als Dividende ausschütten. Kleinaktionäre fürchten ein Ausbluten des Unternehmens.

Guillaume de Posch wollte den Kritikern zuvorkommen. In seiner Eröffnungsrede verteidigte der Vorstandschef gleich zu Beginn die Ausschüttungspolitik seiner Sendergruppe. Die Dividende basiere auf der "grundsätzlichen Leistungskraft" des Unternehmens, sagte de Posch am Dienstag bei der Hauptversammlung in München. "ProSiebenSat.1 bleibt voll handlungsfähig und hat Spielraum und genügend Liquidität für die operative und strategische Expansion der Geschäftsaktivitäten."

Daran zweifelt mancher Aktionär und Marktbeobachter. Etwa 270 Millionen Euro werden in den kommenden Wochen aus den Kassen des Unternehmens auf die Konten der Anteilseigner fließen. Das beschlossen im weiteren Verlauf des Treffens die Großaktionäre KKR und Permira, denen zwei Drittel des Grundkapitals und alle stimmberechtigten Stammaktien von ProSiebenSat.1 gehören. Die Beteiligungsgesellschaften kontrollieren damit das Unternehmen, das durch den Beschluss mehr Kapital verliert, als es im Jahr 2007 mit 90 Millionen Euro verdient hat.

Aktionäre, die im Besitz von Vorzugsaktien sind, profitieren zwar auch von einem Bonus in Höhe von 1,25 Euro je Titel. Einige von ihnen fürchten jedoch, dass sich der Konzern damit übernimmt. "Die Dividende wird aus der Substanz bezahlt", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz während der Hauptversammlung. Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) bezeichnete die Höhe als "maßlos", zumal de Posch für das laufende Jahr einen 70 Millionen Euro schweren Sparplan ankündigte.

Sorge bereitete beiden Rednern der Schuldenstand. Mit der Übernahme der Sendergruppe SBS im vergangenen Jahr ist ProSiebenSat.1 zwar zum zweitgrößten TV-Konzern Europas aufgestiegen. Doch der Zukauf wurde auf Pump finanziert, Verbindlichkeiten von 3,4 Milliarden Euro stehen deswegen in den Büchern. "Man hat sich bis über den Kopf verschuldet", sagte Bergdolt. Nach ihren Worten ist das auch der Grund für den Verfall des Aktienkurses in den vergangenen zwölf Monaten. Das Papier stürzte von gut 30 auf knapp neun Euro.

Die Ursache für die üppige Dividende sehen Beobachter in dem gestiegenen Kapitalbedarf der Großaktionäre. Beteiligungsgesellschaften wie Permira und KKR sind wegen der Finanzkrise unter Druck geraten, weil sie Schwierigkeiten haben, Darlehen für schuldenfinanzierte Zukäufe aufzutreiben. Vor diesem Hintergrund hatte Permira schon im März beim Metzinger Modekonzern Hugo Boss eine Sonderausschüttung von 350 Millionen Euro durchgedrückt und dafür viel Kritik geerntet.

Für Unruhe in Aktionärskreisen sorgt auch das im Schlüsselmarkt Deutschland schwächelnde Geschäft von ProSiebenSat.1. Grund dafür ist unter anderem ein neues und mittlerweile schon wieder überarbeitetes Werbezeitenmodell, gegen das sich die Kunden sträuben. Der zuständige Vorstand Peter Christmann scheidet deswegen aus dem Unternehmen aus. Im ersten Quartal verlor das Flaggschiff Sat.1 zudem deutlich in der Zuschauergunst.

"Die Delle des ersten Halbjahres in unserem deutschen Werbegeschäft werden wir nicht ausgleichen können", räumte de Posch ein. Wegen wachsender Erträge im Ausland gehe er aber davon aus, dass die Sendergruppe Umsatz und Ertrag im laufenden Jahr steigern wird. Voraussetzung: "Deutschland tritt nicht in eine Rezession ein."

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