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ProSiebenSat.1: Stärker werden ohne Sport

- München - Für sportbegeisterte Fernsehzuschauer hat 2006 einiges zu bieten: Derzeit laufen die Olympischen Winterspiele, im Sommer startet die Fußball-WM. Doch während das Publikum jubelt, schaut ProSiebenSat.1 an den quotenträchtigen Spektakeln vorbei in die Röhre. Die private Sendergruppe besitzt keinerlei Übertragungsrechte und erwartet deswegen, dass ihr Marktanteil wieder unter die gerade erst erklommene 30-Prozent-Marke bei den 14- bis 49-Jährigen sinkt. Dennoch soll es wirtschaftlich weiter aufwärts gehen.

"Wir werden Zuschauer verlieren", sagte der Vorstandschef des Münchner Fernsehriesen, Guillaume de Posch, in München. "Wir wollen aber auch bei Umsatz und Ergebnis zulegen." Dabei hofft der Belgier nicht nur auf den sich erholenden Werbemarkt, auf dem ProSiebenSat.1 90 Prozent seiner Erlöse erzielt. De Posch will verstärkt auch mit seiner Diversifikations-Strategie punkten, um die Abhängigkeit vom wechselhaften Geschäft mit den Werbe-Spots weiter zu reduzieren. Der Konzern peilt 2006 an, dass der Umsatzanteil mit Aktivitäten jenseits der Werbung von zehn auf zwölf Prozent steigt.

Dazu beitragen sollen unter anderem zwei Bezahl-Kanäle, die Ende April auf Sendung gehen. Verdienen will de Posch zudem an einem Vertrag, der kürzlich mit Telefonica geschlossen wurde. Demnach zahlt das spanische Telekommunikations-Unternehmen eine "Kompensation" dafür, dass es das gesamte Programm der Sendergruppe via DSL ins Internet überträgt. Gegen Gebühren können die Nutzer dabei auch Sendungen ansehen, die einige Stunden zuvor liefen. Eine ähnliche Kooperation läuft schon mit dem Provider T-Online.

Bereits 2005 verhalf das Geschäft abseits der Reklame ProSiebenSat.1 zu einem Rekordjahr: Wie das Unternehmen schon vor einigen Tagen mitgeteilt hatte, stiegen die Umsätze gegenüber 2004 um 8,4 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Gleichzeitig schnellte der Gewinn um fast zwei Drittel auf 220 Millionen Euro.

Konzern-Chef de Posch sprach von einem "hervorragenden Ergebnis", zumal die geplatzte Fusion mit dem Axel Springer Verlag viel Management-Kapazität gekostet habe. Zu den Spekulationen über die Eigentümerstruktur der Sendergruppe sagte er: "Springer wäre eine gute Lösung gewesen, aber wir brauchen keine Veränderung, um uns gut zu entwickeln." Dennoch werde die Gruppe langfristig auch andere Investoren interessieren.

Das dürfte auch für Kleinanleger gelten. Denn wie Finanzchef Lothar Lanz ankündigte, soll bei der Hauptversammlung im Mai über eine Erhöhung der Dividende abgestimmt werden. Statt 0,33 Euro wie im letzten Jahr will der Vorstand 0,44 Cent je Aktie vorschlagen.

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